Von der U-21-EM in der Slowakei berichten Tim Lüddecke und Michael Pfeifer
Plötzlich musste Tim Oermann bereit sein: Elf Minuten waren ja gerade mal gespielt, als er einigermaßen ungeahnt auf dem Platz stand im U-21-EM-Halbfinale gegen Frankreich. Nachdem der zuvor bereits angeschlagene Max Rosenfelder an der Eckfahne zu Boden gegangen war, wurde sogleich deutlich, dass es für den Innenverteidiger nicht mehr weitergehen würde.
Es folgte das entsprechende Signal an Oermann auf der deutschen Ersatzbank: "Da geht der Puls natürlich schnell hoch", berichtete der 21-Jährige, der anschließend einen "nicht ganz so leichten" persönlichen Kaltstart erlebte: "Ich habe auch ziemlich gepumpt die ersten Minuten."
Was dem künftigen Leih-Profi von Sturm Graz fortan beim Verteidigen gegen Mathys Tel & Co half, waren die klaren Abläufe in der DFB-Auswahl: "Es hat sich dann auf jeden Fall gut angefühlt und ich war auch schnell drin."
Oermann: Zwischen Freude und Mitgefühl
Zudem war da zwar die Freude bei Oermann, "über einen längeren Zeitraum spielen zu dürfen", nachdem der bei Stammklub Bayer Leverkusen unter Vertrag stehende Verteidiger beim 3:0-Sieg gegen Frankreich zu seinem dritten Jokereinsatz im Turnier kam.
Allerdings empfand er genauso Mitgefühl gegenüber Rosenfelder: "Ich habe ihm gesagt, dass wir auch für ihn das Spiel gewonnen haben, dass ich auch für ihn persönlich gespielt habe", so dessen Vertreter. Bereits im vorherigen EM-Verlauf habe er versucht, "ihn auch von der Bank zu unterstützen, weil ich finde, dass er ein wahnsinnig guter Spieler ist und auch ein wahnsinnig guter Kerl".
Oermann mache sich jedenfalls keinerlei Sorgen, dass der Profi des SC Freiburg im Anschluss an seine Verletzung "wieder an seine Leistung anknüpfen kann - denn dafür ist er viel zu gut".
"Man muss auf alles vorbereitet sein"
Dass Oermann vor dem Finale am Samstagabend in Bratislava (21 Uhr, LIVE! bei kicker) nun eine Schlüsselrolle zukommen dürfte, gehöre für Oermann "auch ein bisschen zu so einem Turnier dazu", erklärte er: "Dass man auf alles vorbereitet sein muss."
Nun also erneut England. Im dritten Gruppenspiel hatte die deutsche Mannschaft aufgrund des vorzeitigen Viertelfinaleinzugs auf allen elf Positionen durchrotiert - auch Oermann kam da zu seinem bislang einzigen EM-Startelfeinsatz, der angesichts des 2:1-Siegs bereits positiv verlief.
Einen vermeintlichen Vorteil zieht der in diesem Spiel souverän aufspielende Oermann indes nicht daraus - sagte jedoch: "Ich glaube, die Engländer sind gewarnt. Sie respektieren uns - aber wir respektieren sie auch."