Herr Saad, wie sehr fühlen Sie sich nach diesem Augsburger Sieg in Freiburg an die vergangene Saison erinnert, als sie mit dem FC St. Pauli mit einer ähnlichen Ausrichtung im 3-3-4 ohne echten Neuner beim sonst so heimstarken Sport-Club 3:0 gewonnen hatten?
Sehr. Ich habe gerade auch mit Philipp Treu (inzwischen Freiburg-Profi, derzeit Rückstand nach Schulterverletzung, Anm. d. Red.) geredet, das war sehr ähnlich wie letztes Jahr, irgendwie aus dem Nichts mit 3:0 zu führen. Aber wir standen einfach defensiv sehr gut, hatten auch ein bisschen Glück, dass unsere Fehler nicht bestraft wurden und dann machen wir die Tore. So ist Fußball, das Glück war irgendwie bei uns diesmal, dass wir die Fehler direkt bestrafen konnten.
Wie hat Sandro Wagner, früher selbst Vollblutstürmer, der auf der Pressekonferenz noch gesagt hatte, er hätte auch den Mut mit fünf Stürmern zu spielen, dem Team den Plan vermittelt, ohne echten Neuner zu agieren?
Er wollte es mit uns dreien vorne ein bisschen unberechenbar haben, dass Freiburg sich nicht darauf einstellen kann. Seine Idee ist es, dass er von Spiel zu Spiel, von Gegner zu Gegner guckt, was passt für uns und was passt nicht. Diesmal hat er das Gefühl gehabt, dass es so passt und wir vorne frei aufspielen können und defensiv gut stehen, auch durch uns drei, die vorne viel laufen.
Es war Wagners erstes Bundesliga-Spiel als Trainer, trotzdem hat er in vielen Jahren als Profi, als Nationalspieler und später Co-Trainer der Nationalelf viel Erfahrung gesammelt. Trotzdem kennt ihn jeder als Spieler und Co-Trainer der Nationalmannschaft. Welchen Stil hat er in der Mannschaft etabliert, spricht er, wie von ihm früher schon als Schlüsselfaktor für Trainer ausgemacht, tatsächlich so viel mit den Spielern, um ihnen auch Entscheidungen wie diesmal zu erklären, als gleich beide Stürmer nach dem Pokal zunächst draußen blieben?
Er ist einfach menschlich sehr gut. Das muss man ihm hoch anrechnen, dass er nicht nur den Spieler, sondern auch den Menschen sieht und mit jedem ein gutes Verhältnis hat, auch mit den Spielern, die nicht spielen, gut umgeht. Er führt viele Gespräche, erklärt, warum und wie er was macht und dass er manche Jungs auf jeden Fall in anderen Spielen braucht.
„Natürlich ist es aber auch nicht einfach, das erste Mal von zu Hause weg in einer fremden Stadt zu sein, mit wenig Leuten aus dem eigenen Umfeld.“ (Elias Saad)
Er hatte DFB-Regelexperte Lutz Wagner eigentlich versprochen, ohne Gelbe Karten durch die Saison zu kommen. Jetzt hat er direkt im ersten Spiel seine erste Verwarnung bekommen. Muss man in Kauf nehmen, dass er in ein paar Wochen womöglich mal gesperrt fehlt, weil er in der Coaching Zone so emotional mitgeht und die Mannschaft durch das ganze Spiel pusht?
Ja, ich glaube, er ist ein impulsiver Mensch und das kommt dann davon. Dann kriegt man halt mal eine Karte. Aber das pusht uns ja auch alle auf dem Platz, wenn man das da draußen sieht.
Vor dem ersten Spieltag weiß keine Mannschaft so richtig, wo sie steht. Was bedeutet es für Augsburg jetzt, durchaus überraschend und beeindruckend beim letztjährigen Fünften Freiburg gewonnen zu haben?
Sehr viel. Er ist das erste Mal Bundesligatrainer und wir gewinnen in Freiburg, damit haben viele nicht gerechnet. Wir sind eine Mannschaft, bei der man noch nicht genau weiß, was einen erwartet. Und das ist auch das Gute, weil wir so auch ohne Druck spielen können. Für uns alle war das ein sehr schönes Gefühl hier in Freiburg.
Wie bewerten Sie Ihren Wechsel vom FC St. Pauli nach Augsburg und Ihre aktuelle Rolle beim FCA?
Der Wechsel war gut, ich wollte was Neues, ich wollte den nächsten Schritt machen und mit Sandro als Trainer und dem Projekt beim FCA fühle ich mich sehr wohl, sehr gut. Natürlich ist es aber auch nicht einfach, das erste Mal von zu Hause weg in einer fremden Stadt zu sein, mit wenig Leuten aus dem eigenen Umfeld. Da brauche ich einfach ein bisschen Zeit und dann komme ich besser zurecht.