Ein effizienter Vizemeister Salzburg hat sich mit einem Sieg gegen den TSV Hartberg zumindest für eine Nacht an die Spitze der Bundesliga geschossen. Die Elf von Trainer Thomas Letsch reiste mit einem schmeichelhaften 2:1 nach Hause und setzte sich vor die WSG Tirol, die beim GAK 1:1 spielte. "Man hat gemerkt, dass sowohl vom Kopf als auch vom Körper eine große Müdigkeit da war", machte Letsch die englischen Wochen als Hauptgrund für die durchwachsene Leistung aus.
Der 56-jährige Deutsche sprach nach der Partie in der Südstadt - Hartbergs Stadion wird derzeit umgebaut - Klartext. "Wir wissen alle, dass das speziell in der zweiten Halbzeit wirklich kein gutes Spiel von uns war, zum Teil wirklich wild war." Das Wichtigste sei aber: "Wir haben es über die Linie gebracht." Letsch erinnerte daran, dass das Glück ein Vogerl ist. "Wir haben in Ried ein sehr gutes Spiel, aber nur einen Punkt gemacht. Heute haben wir ein weniger gutes Spiel gemacht und haben drei Punkte. Die nehmen wir gerne mit, wohlwissend, dass die Art und Weise, wie wir geschwommen sind bei den langen Bällen von Hartberg, alles andere als dem entsprach, was wir uns vorstellen."
Der Trainer wusste auch, bei wem er sich zu bedanken hatte. ÖFB-Teamtormann Alexander Schlager rettete den Salzburgern mit starken Paraden den Sieg. "Der Alex ist nicht umsonst die Nummer eins in Österreich. Er hat gezeigt, wie wichtig er für uns ist." Der Angesprochene gab sich bescheiden. "Es werden auch wieder Zeiten kommen, da werde ich die Mannschaft brauchen." Groß war auch die Freude über den ersten Bundesliga-Treffer von Stefan Lainer seit fast sechs Jahren. Als Belohnung für den Sieg gab Letsch seinen Spielern zwei Tage frei, da in der kommenden Woche nach dem Aus in der Champions-League-Qualifikation kein Europacup ansteht.
Schmid: "Unverdienter Sieg Salzburgs"
Hartberg wiederum stand nach einer starken Leistung mit leeren Händen da. Coach Manfred Schmid sprach von einem "völlig unverdienten Sieg für Salzburg". Man habe ein deutliches Chancenplus gehabt. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir gegen Salzburg jemals so viele Torchancen hatten, so viele klare noch dazu. Das ist natürlich dann enttäuschend." Die Verwertung - Elias Havel und Marco Hoffmann vergaben mehrere Sitzer - war das große Manko.
"Wir müssen wir an unserer Effizienz arbeiten", sagte Schmid und hoffte, dass Ex-Stürmer Christian Mayrleb, der im Sommer als Co-Trainer anheuerte, für entscheidende Impulse sorgen kann. Grundsätzlich zeigte sich der 54-Jährige mit der Entwicklung zufrieden. "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können, dass wir am richtigen Weg sind. Wir sind noch in der Findungsphase, viele Spieler sind relativ spät dazugekommen. Aber die Umsetzung in den letzten zwei Wochen war schon richtig gut", sagte Schmid.
"Mehr drinnen gewesen" für WSG
Den vorläufigen Platztausch mit den Bullen dürfte die WSG verkraften können. "Wir wissen, woher wir kommen", betonte Trainer Philipp Semlic einmal mehr. Wir können mit dem Saisonbeginn zufrieden sein. Sieben Punkte aus den ersten drei Runden "sind ja nicht von ungefähr gekommen", betonte der Steirer. Er wies auf die Jugend seiner Truppe hin und gab auch zu, dass der Glamour-Test gegen Real Madrid vier Tage zuvor Spuren hinterlassen habe: "Das macht schon etwas mit den jungen Menschen."
"Wir waren nicht am Maximum, daher müssen wir im Endeffekt den Punkt mitnehmen", gestand Mittelfeldmann Matthäus Taferner. "Wir wollten mehr Druck gegen den Ball machen, dann wäre mehr drinnen gewesen." So hat man nun immerhin zwei Wochen Zeit, sich auf das Heimduell mit dem WAC vorzubereiten. Die für kommendes Wochenende geplant gewesene Partie bei Sturm Graz wurde auf Dezember verschoben, um den Blackies die bestmögliche Vorbereitung auf das Champions-League-Play-off zu ermöglichen.
Schon nächste Woche wieder gefordert ist der GAK, der dann in Altach gastiert. Das 1:1 war der zweite Punkt in dieser Saison, noch wartet man auf einen "Dreier". "Wir wollten speziell zu Hause den ersten Saisonsieg einfahren", sagte Coach Ferdinand Feldhofer, zeigte sich nach einem Duell auf Augenhöhe aber "nicht unzufrieden". Dass sein neuer Verteidiger Beres Owusu für beide Tore des Abends verantwortlich zeichnete, war kurios, für Feldhofer aber kein Beinbruch. "Er hat unglaubliches Talent und ist auch sehr reif für sein Alter", gab er zum 21-jährigen Franzosen - Leihkicker von St. Etienne - an.