Es ist eine völlig neue Situation für die Mannschaft, den Trainer und auch Sportvorstand Frank Baumann, der offiziell erst seit Juni im Amt ist. Nach einer unerwartet herausragenden ersten Saisonphase sehen sich die Königsblauen mit zwei sportlichen Misserfolgen innerhalb von vier Tagen konfrontiert, erst die 0:4-Klatsche in Darmstadt im Pokal, dann die späte 1:2-Niederlage in der Liga in Karlsruhe. Die Schalker treten dieser Situation geschlossen entgegen, sie vermitteln demonstrativ Ruhe und Gelassenheit - mit dem Ziel, das Ruder bereits am Samstag zu Hause im Topduell gegen die SV Elversberg (13 Uhr, LIVE! bei kicker) wieder herumzureißen.
Vertrauen in die eigene Stärke
Die Basis ihrer Ruhe und Gelassenheit bildet nicht nur der Umstand, dass die Mannschaft weiter auf einem direkten Aufstiegsplatz rangiert, sondern vor allem das Vertrauen darin, eine dritte Pflichtspielniederlage als Kollektiv abwenden und eine womöglich länger anhaltende sportliche Misserfolgsserie im Keim ersticken zu können.
Stark genug ist die Mannschaft inzwischen auch mental, um solchen Widerständen zu trotzen - das war vor wenigen Monaten noch ganz anders. Da hätte jeder Rückschlag ein erhebliches Risiko dargestellt, sofort ins Wanken zu geraten.
Nicht zuletzt Coach Miron Muslic versprühte zum Start in die laufende Trainingswoche Freude und Ausgelassenheit, als er sich auf dem Übungsplatz im Schatten der Arena vor Beginn der öffentlichen Einheit mit anderen aus seinem Trainerteam in internen Spaß-Wettbewerben duellierte.
Muslics gute Laune steckt an
Seine gute Laune steckt an, reißt alle im Team mit - die ganz jungen und unerfahrenen Spieler wie den 17-jährigen Mika Wallentowitz, aber auch die Führungsachse rund um Torwart Loris Karius, Innenverteidiger Nikola Katic und Angreifer Kenan Karaman. "Wir als Führungsspieler sind jetzt noch mehr gefordert", betont Katic. Dabei denkt er nicht nur an das Bestreben, die beiden Pflichtspielniederlagen umgehend wieder vergessen zu machen. Vor allem zielt er mit seiner Aussage auf die personelle extrem angespannte Lage ab.
Etliche Spieler fehlen im Training
Die erste Trainingseinheit dieser Woche hatten am Dienstag etliche Spieler verpasst, insgesamt eine zweistellige Zahl an Profis. Auch Katic musste die Teameinheit sausen lassen, der bosnische Nationalspieler übte mit Verweis auf die hohe körperliche Belastung der vergangenen Wochen individuell.
Der Abwehrboss wird gegen die SV Elversberg einsatzfähig sein, andere fallen hingegen weiter sicher aus, darunter die Offensivspieler Christian Gomis und Christopher Antwi-Adjei (jeweils Muskelverletzung) sowie Bryan Lasme (Wadenverletzung) und Emil Höjlund (Ursachenforschung wegen anhaltender Fußschmerzen).
Falls auch Janik Bachmann (angeschlagen) erneut nicht zur Verfügung steht, wäre zum zweiten Mal hintereinander der Weg frei für Amin Younes, der bereits in Karlsruhe in der Startelf gestanden und insbesondere bei seinen Standards einen guten Eindruck hinterlassen hatte.
Besonderes Augenmerk liegt auch auf der rechten Außenbahnposition. Adrian Gantenbein hatte gegen den KSC (wegen Meckerns) seine fünfte gelbe Karte gesehen, Finn Porath machen noch die Folgen eines Kopftreffers zu schaffen. Denkbar, dass sich Muslic zwischen Henning Matriciani und Wallentowitz als Startelf-Schienenspieler gegen die SVE entscheidet.
Manga-Nachfolge noch in diesem Jahr
Im Hintergrund läuft derweil das Alltagsgeschäft unvermindert weiter. Vorstandsboss Matthias Tillmann führt viele Gespräche mit bestehenden Sponsoren und jenen, die es vielleicht werden könnten; Christina Rühl-Hamers feilt weiter an der immer noch kritischen, aber deutlich verbesserten Finanzlage; Sportvorstand Baumann richtet seinen Blick bereits auf die Wintertransferzeit, in der er erst dann Spieler verpflichten könnte, wenn es gelingt, bestehendes Personal (zum Beispiel Matriciani, Anton Donkor, Ibrahima Cissé) abzugeben.
Außerdem auf Baumanns Schreibtisch in Vorbereitung: Das berufliche Erbe von Ben Manga, der vor rund sechs Wochen als Direktor Kaderplanung, Scouting und Knappenschmiede freigestellt worden war. Schalke 04 ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr eine Nachfolgeregelung präsentieren zu können.
Sehr akribisch bereitet sich der Verein dieser Tage zudem auf die Mitgliederversammlung in der Länderspielpause in der Arena vor. Diesmal könnte selbst ein abermaliger Misserfolg gegen Elversberg die allgemein heitere Stimmung im königsblauen Lager auf dieser stets emotional geprägten Massenveranstaltung nicht trüben, dafür ist das Gefühl des Aufbruchs, festzumachen vor allem an Personen wie Muslic und Baumann, viel zu intensiv.