Scienza hält Heidenheim im Oberhaus
Alles sah nach Verlängerung aus, als im Elversberger Stadion an der Kaiserlinde die fünfte und letzte Minute der Nachspielzeit lief. Wenige Sekunden später lagen sich die Akteure, Auswechselspieler und Staff-Mitglieder des 1. FC Heidenheim jubelnd in den Armen.
Wie das zustande kam? Leonardo Scienza hatte eine finale Kombination des Bundesligisten mit einem tollen Tor vollendet und damit die Entscheidung im Rennen um das letzte Bundesliga-Ticket herbeigeführt. Dabei sah es die gesamte zweite Halbzeit eher nach einem Siegtreffer für die SV Elversberg aus, bestimmte der Zweitligist doch weitestgehend das Geschehen.
"Wir hatten in der zweiten Halbzeit nur zwei vernünftige Angriffe", resümierte Trainer Frank Schmidt am Sat.1-Mikrofon. Erleichtert und geschafft stand der 51-Jährige da, im passenden T-Shirt mit der Aufschrift "Schaffa, schaffa, drenna bleiba". Und der FCH hat viel und lange für den Klassenerhalt geschuftet - am Ende auch erfolgreich. "Es war für uns eine ganz lange Saison mit vielen Spielen."
Dass seine Heidenheimer am Ende "die Glücklicheren" waren, gab Schmidt zu und wusste, dass die Partie genauso auch in Richtung der Saarländer hätte kippen können. Im Endeffekt heißt der Matchwinner aber in erster Linie Heidenheim und natürlich auch Scienza.
Scienzas Stand war nicht immer einfach
Der Brasilianer wechselte im Sommer 2024 vom damaligen Zweitliga-Aufsteiger SSV Ulm 1846 Fußball auf die Ostalb und hat eine schwierige erste Bundesliga-Saison hinter sich. "Es war keine einfache Saison für ihn bei mir. Aber man sieht: Kritik ist Wertschätzung. Das hat er angenommen und dafür gesorgt, dass wir in der Bundesliga bleiben." 25-mal kam Scienza im Oberhaus zum Einsatz (drei Treffer, drei Assists) und empfahl sich im Relegationshinspiel am vergangenen Donnerstag mit seinem Joker-Einsatz für die Startelf.
"Es hat eine Zeit lang gedauert, bis er die Art und Weise, wie ich das will, angenommen hat. Er hat Prügel einstecken müssen, aber am Ende geht es immer um das Team. Ich bin immer dankbar für Spieler, die Kritik annehmen und dann gestärkt daraus hervorgehen." Genau das hat Scienza getan. Der 26-Jährige selbst plauderte bei Sky im Übrigen auch ein bisschen über die Beziehung zu seinem Trainer, tat das - wie es sich nun mal für einen Siegtorschützen gehört - mit einem breiten Lächeln und einem Kaltgetränk in der Hand.
Schmidt ist "mausekaputt" und meldet sich bis Juli ab
"Es ist die Art und Weise vom Coach, deswegen habe ich mich entschieden nach Heidenheim zu kommen. Fußballer leben nicht nur vom guten Moment, auch in schlechten Momenten wachsen wir viel." Fast schon ein bisschen poetisch, was der Ex-Ulmer da sagte. Unabhängig davon steht der Bundesliga-Verbleib aber über allem und löste in jedem Heidenheimer freilich riesige Glücksgefühle aus.
Nicht ausgeschlossen, dass dieser Anlass nun auch ein paar Feierlichkeiten nach sich zieht. Die finden aber ohne den Coach statt, dessen Tank ist nämlich leer. "Ganz ehrlich: ich bin mausekaputt - schon seit Tagen und Wochen. Mich braucht morgen auch keiner mehr anrufen, ich stehe für niemanden mehr zu Verfügung. Ich hatte letztes Jahr keinen Urlaub und brauche dringend Erholung. Ich möchte mit meiner Mannschaft ab Anfang Juli wieder Vollgas geben. Deswegen: ab morgen wird mich keiner mehr hören und sehen."