Auch zwei Tage später hat sich die Begeisterung nicht gelegt: "Ich habe im Frauenfußball noch nie eine so krasse Parade gesehen wie von ihr gegen Frankreich", erzählt Ena Mahmutovic über die Rettungstat von Ann-Kathrin Berger im Viertelfinale gegen Frankreich, als die deutsche Nummer 1 einen Kopfball von Innenverteidigerin Janina Minge in Richtung eigenem Tor mit einer artistischen Flugeinlage noch ganz kurz vor der Linie rettete.
"Die ganze Mannschaft war super, aber sie hatte einen hohen Anteil daran, dass wir da stehen, wo wir gerade stehen", schwärmt Mahmutovic, die beim Deutschen Meister Bayern München spielt und hinter Berger und Stina Johannes als dritte Torhüterin mit zur Europameisterschaft in die Schweiz gefahren ist. Die 21-Jährige erzählt: "Wir junge Torhüterinnen haben Anne mal gefragt, warum sie immer so cool ist. Da sagte sie, dass es nur ein Fußballspiel sei. Sie strahlt diese Ruhe aus und es macht großen Spaß, mit ihr zu arbeiten. Man kann sich echt viel von ihr abgucken."
Aber nicht nur die aktuelle Spieler-Generation ist von Bergers Leistungen begeistert. Auch der frühere Nationaltorhüter Toni Schumacher: "Ein ganz besonders großes Kompliment geht an meine Nachfolgerin" sagt er mit einem Lachen. "Ann-Kathrin Berger hat grandios gehalten."
Dabei meint Schumacher nicht nur die Paraden im Elfmeterschießen ("Das können wir eben!"), auch nicht die Tatsache, dass Berger einen Elfmeter selbst eiskalt verwandelte, in erster Linie war es die "Monsterparade. Das war der Wahnsinn", so Schumacher, der seit vielen Jahren als Schirmherr des Pokal-Endspiels in Köln eine besondere Beziehung zum Frauen-Fußball hat. Und sich deshalb freut und dem Team von Christian Wück jetzt alles zutraut: "Diese Moral kann Berge versetzen."
"Was für eine Leidenschaft"
Natürlich gingen Schumachers Gedanken auch zurück in den Sommer 1982: Damals war er Hauptdarsteller eines Spiels, an dessen Ende ein Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Frankreich über den Einzug ins Finale entschied. Zwar ging es diesmal "nur" um den Einzug ins Halbfinale, doch Schumacher kann den Wert dieses Auftritts der deutschen Frauen gar nicht hoch genug einschätzen: "Was für eine Leidenschaft, was für eine Geschlossenheit und das nach so langer Unterzahl", schwärmte der Europameister von 1980.