Jahrelang war der VfL Wolfsburg das Nonplusultra im deutschen Frauenfußball. Zwischen 2012 und 2022 holten die Wölfinnen sieben von möglichen zehn Meisterschaften, den DFB-Pokal gewann der VfL zwischen 2014 und 2024 gar zehnmal in Serie. Doch diese Dominanz ist vorbei, oder besser: Sie hat sich gen Süden verschoben. Dreimal nacheinander wurden zuletzt die Frauen des FC Bayern Deutscher Meister, in der vergangenen Spielzeit errangen die Münchnerinnen erstmals das Double aus Meisterschale und DFB-Pokal.
"Sie haben mehr in den Frauenfußball investiert und das merkt man nun Schritt für Schritt", erkennt Alexandra Popp die Stärke der FCB-Frauen an. Doch als Hauptgrund für die Wachablösung in der Bundesliga identifiziert die 34-jährige VfL-Kapitänin vor allem Versäumnisse der Wolfsburger. Die Wölfinnen hätten "den deutschen Frauenfußball in den vergangenen Jahren auf eine neue Stufe gebracht", so Popp im Interview mit Münchner Merkur/tz. "Aber man muss sagen, dass wir in den vergangenen Jahren auf der Stelle getreten sind. Und das haben die Bayern dann einfach gut genutzt."
Auch in diesem Jahr gelten die Münchnerinnen wieder als Favorit auf den Titel, die Ambitionen unterstrich der starke Kader um die Nationalspielerinnen Giulia Gwinn und Lena Oberdorf, Pernille Harder sowie Europameisterin Georgia Stanway mit dem neuen Trainer José Barcala jüngst beim klaren 4:2 im Supercup gegen Wolfsburg. Für Popp ist daher klar: "Wenn wir mit dem VfL Wolfsburg dranbleiben wollen, müssen wir nachziehen."
Popp: FCB nun international gefordert
Allerdings sieht die ehemalige deutsche Nationalstürmerin auch bei den Bayern noch Luft nach oben: Zwar habe der Doublesieger beim Bundesliga-Eröffnungsspiel gegen Leverkusen (2:0) ein "Statement" gesetzt, 57.762 Zuschauer sind ein Rekord im deutschen Frauenfußball.
Doch international hapert es noch bei den Münchnerinnen, in der Champions League war in den vergangenen vier Jahren spätestens im Viertelfinale Schluss. "Darauf kommt es jetzt an. National sind sie wegen ihrer Erfolge gerade oben, international aber noch nicht", meint daher Popp, die mit dem VfL zweimal die Champions League gewinnen konnte (2013, 2014) und viermal im Finale stand (2016, 2018, 2020 und 2023).
Im Interview erzählte Popp, dass es in der Vergangenheit auch bei ihr Anfragen aus München gegeben habe. Ein Wechsel zum FC Bayern sei aber nie zustande gekommen: "Es ist aber nicht in tiefere Gespräche gegangen. Damals waren der FC Bayern und der VfL Wolfsburg noch nicht so auf Augenhöhe wie heute", so die 34-Jährige. Die Zeiten haben sich geändert.