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Solide? In Europa reicht das nicht!

kicker

Auf Ursachenforschung musste man sich im Lager des SK Sturm am Mittwochabend nach der 0:2-Niederlage bei Midtjylland nicht lange begeben. Denn dass die Grazer zum Auftakt der Europa-League-Ligaphase punktlos blieben, lag in erster Linie an zwei schweren Patzern von Torhüter Oliver Christensen. Den ersten Gegentreffer legte sich die Leihgabe der AC Florenz selbst ins Tor, beim 0:2 ließ er einen an und für sich harmlosen Kopfball von Ousmane Diao passieren.

Vorwürfe an Christensen gab es nach der Partie weder von Trainer Jürgen Säumel noch von seinen Mitspielern, die Nacht in Herning dürfte für den Dänen dennoch eine ziemlich unruhige gewesen sein. Nicht zuletzt deswegen, weil für Sturm gegen keinesfalls überragende Gastgeber einiges möglich gewesen wäre. Neben Christensen erwischte in Abwesenheit von Spielmacher Otar Kiteishvili allerdings auch die Kreativabteilung einen gebrauchten Tag, was in Kombination mit der fehlenden Kaltschnäuzigkeit zwangsläufig zu einer Niederlage führen musste. Vor allem in der Europa League.

Sturm-Spiele folgen oft dem gleichen Muster

Anders als in der heimischen Bundesliga werden in jenen Europacup-Höhen, in denen Sturm seit einigen Jahren unterwegs ist, kleine sowie große Fehler gnadenlos bestraft. Was wäre passiert, hätte Amadou Dante vor drei Jahren in Herning nicht folgenschwer gepatzt? Würde Sturm jetzt in der Champions League spielen, hätte William Böving sein Team bei der 0:5-Klatsche gegen Bodö/Glimt in Führung gebracht? Und stünde Sturm in der Europa League mit zumindest einem Punkt da, hätte sich Christensen nicht zwei kapitale Schnitzer geleistet?

Auf internationaler Ebene ist die Luft dünn. Für Österreichs Meister, der im Europa-League-Vergleich mit einem der geringsten Budgets ausgestattet ist, gilt das umso mehr. Vor allem auswärts folgen Sturm-Spiele meist ein- und demselben Muster: Die Steirer spielen recht brav mit, treten die Heimreise nach Graz aber ohne Punkte an. Auch diesmal war Säumel mit der Leistung "nicht unzufrieden, weil es ein Spiel auf Augenhöhe war". Dennoch habe "ein bisschen was gefehlt, um zumindest einen Punkt mitzunehmen".

Der kleine, aber feine Unterschied

Dem Meister vorzuwerfen, nicht alles investiert zu haben, ist freilich Nonsens. Die Spieler bringen die vom Anhang geforderten "Sturm-Tugenden" auf den Platz und geben grundsätzlich - die 0:5-Pleiten bei Bodö/Glimt und Atalanta Bergamo ausgenommen - auch in der Fremde kein schlechtes Bild ab. 1:2 gegen Brest, 2:3 gegen Lille, 0:1 gegen Dortmund. All das sind wahrlich keine Resultate, für die man sich als österreichischer Klub schämen muss. Doch in den entscheidenden Momenten fehlt zuweilen die absolute Galligkeit und Abgebrühtheit, um aus einem soliden auch einen erfolgreichen Auftritt zu machen.

All das ist freilich auch eine Qualitätsfrage. Konnte es sich Midtjylland leisten, ein 20-Millionen-Euro-Angebot für Youngster Franculino abzulehnen, musste Sturm in diesem Sommer angesichts der eigenen Infrastruktur-Offensive jeden Cent zweimal umdrehen. Und etwa Schlüsselspieler Böving für drei Millionen Euro abgeben. Besser wurde der Kader in diesem Sommer definitiv nicht. Weshalb es an den kommenden sieben Europa-League-Spieltagen umso mehr darauf ankommen wird, auch die kleinen Fehler abzustellen. Andernfalls könnte Sturm weitere Europacup-Abende wie in Herning erleben.