Aus Basel berichtet Paul Bartmuß
Der Abgesang durfte schon vorbereitet werden. Denn schon die beiden vorigen Turniere waren ja enttäuschend verlaufen. Bei der WM 2023 war Norwegen im Achtelfinale ausgeschieden, bei der EM 2022 sogar in der Gruppenphase - inklusive eines vernichtenden 0:8 gegen England.
Nun also lagen die Skandinavierinnen schon wieder zum Start zurück. Etwas mehr als eine Halbzeit lang im Eröffnungsspiel gegen die Schweiz sah es so aus, als würden die erfahrenen Stars wie Caroline Graham Hansen und Ada Hegerberg nichts ausrichten können.
Ein 0:1-Rückstand der verdientesten Sorte und keinerlei norwegische Inspiration. Abgesehen von ein paar kreativen Eckenvarianten vielleicht. Hatte die Schweiz mit ihrem beherzten Auftritt etwa überrascht?
"Überhaupt nicht. Sie sind ein gutes Team", sagte Hegerberg hinterher, als für ihre Mannschaft mit dem 2:1 alles gut ausgegangen war: "Ich bin sehr stolz auf die Art, wie wir in der zweiten Hälfte zurückgekommen sind."
Ein Torwartfehler der sonst starken Schweizerin Livia Peng - clever geblockt durch Ingrid Syrstad Engen im Fünfmeterraum - hatte Hegerberg nach einer Ecke den Ausgleich und das 50. Länderspieltor der Karriere ermöglicht. Und ein langer hoher Ball über die Schweizer Dreier- respektive Fünferkette hinweg drehte das Spiel dann ganz.
Von "ein paar kleinen taktischen Änderungen" sprach Hegerberg mit Blick auf die Halbzeitpause, aus der Norwegen mit mehr Zielstrebigkeit und Esprit kam. Sie selbst hätte sogar noch ein zweites Tor schießen müssen, legte ihren Strafstoß aber links am Pfosten vorbei.
1500 Fans aus Norwegen in Basel
"Shit happens", sagte die erfahrene 29-Jährige: "Aber der war schon wirklich schwach geschossen, da bin ich ehrlich. Ich werde mir das nochmal anschauen und dran arbeiten. Sorry für den Stress, den ich den Norwegern bereitet habe, die das Spiel geschaut haben."
Dass sie lächeln durfte, als sie das sagte, hing natürlich mit dem Endergebnis zusammen. In der mit Abstand leichtesten EM-Gruppe hält Norwegen nun alle Trümpfe in der Hand.
"Hut ab vor den Schweizer Fans", die "unglaublich" gewesen seien, schwärmte die Stürmerin von Olympique Lyon von der Atmosphäre im Basler St.-Jakob-Park. Aber etwas anderes hatte ihr noch ein bisschen mehr imponiert: "Dass wir 1500 Fans aus Norwegen hier hatten, finde ich persönlich riesig."