Als Markus Krösche Anfang September analysierte, worin seiner Meinung nach die Probleme in der Nachwuchsausbildung in Deutschland liegen, erntete er Zustimmung - nicht aber von Jürgen Klopp. Der Diagnose von Eintracht Frankfurts Sportvorstand, wonach im deutschen Fußball die Ausbildung von "Spezialisten" vernachlässigt worden sei, widerspricht der Walther-Bensemann-Preisträger im großen kicker-Interview.
"Ich sehe es komplett anders", betont Klopp. "Mein perfekter Außenverteidiger ist ein rechter Flügelspieler, der nicht genug Tore schießt. Mein perfekter Achter ist ein Zehner, der richtig arbeiten will. Mein perfekter Sechser ist ein Achter, der darüber hinaus auch noch das große Ganze überblickt und eine Lust auf Zweikämpfe hat. Ich glaube nicht daran, dass es hilft, wenn wir Spezialisten ausbilden."
Krösche wünscht sich dagegen, die "individuelle Förderung" in den Fokus zu rücken. "Wir haben keine richtige Sechs, keine richtige Zehn, es sind eigentlich Achter", hatte er moniert. "Und vorne fehlt uns die Nummer 9, die letztlich entscheidend ist."
Klopp wirbt für U-21-Liga: "Irgendwann müssen die Vereine mitmachen"
Klopp stört eher, dass zu wenige der ausgebildeten Talente im Profibereich ankommen, und er wirbt auch im kicker vehement für die Einführung einer U-21-Liga der Profivereine. Er sei "absolut überzeugt, dass es uns helfen würde", erklärt der langjährige Erfolgstrainer, der inzwischen als Head of Global Soccer bei Red Bull tätig ist. "Mit 17, 18 spätestens 19 haben wir entschieden, wer übernommen wird oder eben nicht. Das biologische Wachstum ist da bei den Allermeisten noch gar nicht fertig, doch wir helfen nicht mehr."
Mit einer U-21-Liga bekämen diese Nachwuchsspieler mehr Zeit. "Und - wahnsinnig wichtig - wir entwickeln auch noch einen neuen Trainermarkt", unterstreicht Klopp. "Ob das alles kommt oder nicht, kann ich nicht entscheiden, aber ich bin mit den richtigen Leuten - Marc Lenz von der DFL und Andreas Rettig vom DFB - in ständigen Gesprächen. Da ist die Offenheit absolut da, aber irgendwann müssen natürlich auch die Vereine mitmachen - und zwar alle."
Als Mitglied der neuen DFL-Expertengruppe kann Klopp bei diesen ab sofort noch direkter für seinen Vorschlag werben.