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St. Paulis Saison-Zeugnis: Als Keller-Meister der nächste Schritt zum Bundesligisten

kicker

Blessin änderte System, aber nicht seine Prinzipien

"Wir mussten viele Widerstände überwinden", sagt Philipp Treu, einer der Aufsteiger beim Aufsteiger, "das ging ja schon vor der Saison los und setzte sich dann durchgehend fort." Was der Außenbahnspieler meint: St. Pauli verlor erst Aufstiegstrainer Fabian Hürzeler und im Laufe der Spielzeit dann immer wieder Eckpfeiler: Connor Metcalfe, Elias Saad, Karol Mets, James Sands, Jackson Irvine - die Liste derer, die monatelang ausfielen oder frühzeitig Saisonschluss hatten, ist lang. Dass die Kompensation gelang, ist einerseits das Resultat eines ausgeprägten Zusammenhalts, andererseits aber auch das Ergebnis einer klugen Personalpolitik.

Bewusster Stilbruch als entscheidender Mosaikstein

Die vorausschauende Planung durch Andreas Bornemann begann schon mit dem Hürzeler-Abschied zu Brighton & Hove Albion. Der Sportchef suchte gezielt nach einem Trainer, mit dem sich ein geplanter Stilbruch vollziehen lässt und fand ihn mit Alexander Blessin. Sowohl Bornemann als auch der neue Trainer proklamierten vom ersten gemeinsamen Tag an, dass St. Pauli, in der 2. Liga mit begeisterndem und dominantem Ballbesitzfußball zum Titel gestürmt, im Oberhaus defensiver und widerspenstiger auftreten müsse.

Das Bewusstsein bei den beiden sportlichen Verantwortlichen, Dinge anders machen zu müssen, obwohl sie eineinhalb Jahre herausragend gut funktioniert haben, war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt. Dieses Bewusstsein auch in die Köpfe erfolgsverwöhnter Spieler zu transportieren, wurde zur großen Aufgabe, die Blessin bravourös meisterte.

Der gebürtige Stuttgarter trieb diesen Prozess nicht ohne Anlaufschwierigkeiten voran. Sein Versuch, zunächst im 3-5-2-System statt im 3-4-3 mit Flügelstürmern zu operieren, ging deutlich zu Lasten der offensiven Durchschlagskraft. Letztlich schaffte er es aber mit Detail- und Überzeugungsarbeit auch, die Flügelstürmer Elias Saad und Oladapo Afolayan mindestens zeitweilig von seinen Vorstellungen zu überzeugen. Blessin kehrte früh zum von den Spielern bevorzugten Aufstiegssystem zurück, aber nicht von seinen Prinzipien ab. Die Folge: St. Pauli bestach durch Kompaktheit und taktische Flexibilität, stellte am Ende hinter Meister Bayern München mit 41 Gegentreffern die zweitbeste Abwehr der Liga.

Keller-Meisterschaft zahlt sich finanziell aus

Der herausragenden Bilanz in der Defensive stehen nur 28 erzielte Tore gegenüber - der Tiefstwert im Oberhaus und gleichzeitig der Ansatzpunkt für die Zukunft. Diese sehen die Macher am Millerntor ohne veränderte Voraussetzungen. Bornemann und Präsident Oke Göttlich haben in den zurückliegenden zwölf Monaten immer wieder das Bild von der "eigenen Liga innerhalb des Wettbewerbs Bundesliga" gezeichnet.

„Auch das Erreichen des Relegationsplatzes wird für St. Pauli in den nächsten Jahren ein Erfolg sein. Das hat nichts mit Ambitionslosigkeit zu tun, das ist Realismus.“ (Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli)

Vor der abgelaufenen Spielzeit haben die Bosse ihren Klub auf Augenhöhe mit Kiel, Bochum und Heidenheim gesehen und konstatieren stolz: "Wir sind in unserer Liga Erster geworden." Mehr noch: Mit Hoffenheim hat der Hamburger Stadtteilklub einen Verein hinter sich gelassen, der wirtschaftlich in einer anderen Liga unterwegs ist.

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Göttlich betont, dass es in den kommenden Jahren kein anderes Ziel geben kann, als Keller-Meister zu werden. "Auch das Erreichen des Relegationsplatzes wird für den FC St. Pauli noch in den nächsten Jahren immer ein Erfolg sein. Das hat nichts mit Ambitionslosigkeit zu tun, das ist Realismus." Mit jedem weiteren Bundesliga-Jahr sollen die angestrebten, nächsten Schritte zum Bundesligisten vollzogen werden.

Die finanziellen Auswirkungen der Zugehörigkeit zum Oberhaus spüren die Hamburger schon jetzt. Erstmals wird St. Pauli das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro abschließen. Geld, das in den Sport fließen soll. "Wir werden den Etat anpassen", sagt Göttlich. Das bedeutet einen moderaten Sprung, nachdem das Budget zuletzt unterhalb von 30 Millionen lag. Die ganz großen wirtschaftlichen Sprünge im Konzert der Großen werden ausbleiben. Sie gelangen sportlich hingegen zum zweiten Mal in Folge.