Die Sommerpause markierte für die SpVg Schonnebeck aus der Oberliga Niederrhein einen der größten Umbrüche in der Vereinsgeschichte: Mit dem Abgang des "70-Tore-Sturms" um Arne Wessels, Conor Tönnies und Artur Golobytskij verlor der Fast-Aufsteiger rund 75 Prozent seiner Offensivkraft. Insgesamt 14 Neuzugänge verstärken künftig den Kader, darunter zahlreiche junge Talente. "Wir hätten 200 Spieler verpflichten können - so viele Angebote hatten wir", berichtet Trainer Dirk Tönnies über die schwierige Auswahl, die er zusammen mit Sportchef Christian Leben treffen musste: "Am Ende haben wir uns für Typen entschieden, die zum Verein passen und hungrig auf Erfolg sind."
Das Durchschnittsalter der Neuzugänge liegt bei nur 21,1 Jahren - viele von ihnen kommen direkt aus Nachwuchsleistungszentren. "Gerade für junge Offensivkräfte bietet die Oberliga ideale Voraussetzungen, weil wir mehr Ballbesitzphasen und Offensivszenen haben. Für ihre Entwicklung ist das ein klarer Vorteil," erklärt Trainer Tönnies, der aber darauf hinweist, dass es Zeit brauche, bis sich die Abläufe einspielen.
Erfahrung aus Nachwuchsleistungszentren
So wechselten mit Lennon Jung (18) aus der U 19 des SV Darmstadt 98 und Len Blackmann (19) von Preußen Münster II gleich zwei vielversprechende Talente an den Schetters Busch. Auch Henri Kvesa (18) und Marcio do Vale (18) stammen aus der eigenen U 19 und sollen nun behutsam an den Seniorenfußball herangeführt werden. Ein ähnliches Profil bringen Malik Timmerberg (20), zuletzt Union Nettetal, sowie Tim Ulrich (22) mit, der nach Stationen beim SV Budberg und VfB Homberg das Sturmzentrum verstärken soll.
Auch im Tor herrscht Konkurrenz: Niklas Lübcke (kam vom VfL Bochum II), Lukas Lingk und Julian Zelenkov kämpfen um die Rolle als Stammkeeper. "Im Training ist richtig Zug drin - alle drei wollen sich beweisen", freut sich der Coach.
Im Mittelpunkt des Neuaufbaus steht Rückkehrer Niko Bosnjak (23), der als Topscorer vom ETB Schwarz-Weiß Essen nach Essen-Schonnebeck zurückkehrt. Trainer Tönnies gerät ins Schwärmen: "Niko hat einen überragenden linken Fuß, ist im Strafraum extrem gefährlich und bringt eine außergewöhnliche Qualität mit." Natürlich dürfe man die Erwartungen nicht zu hoch hängen, "aber ich bin überzeugt, dass er eine ähnlich starke Saison spielen kann wie unsere bisherigen Topscorer", so Tönnies.
„Wir brauchen uns nicht kleiner machen als wir sind. Die Top 5, Top 6 sollten wir anvisieren“ (Niko Bosnjak)
Für Bosnjak ist Schonnebeck mehr als nur ein Verein - es ist ein Stück Heimat. Schon in der Jugend trug er das grün-weiße Trikot. "Die Jungs sind super drauf und haben mich sofort herzlich aufgenommen", erzählt er. Obwohl ihm mehrere Regionalligisten Angebote unterbreiteten, entschied er sich bewusst für Schonnebeck - auch, weil sich der Wechsel gut mit seiner Ausbildung zum Industriekaufmann vereinbaren lässt. Auf dem Platz beschreibt sich Bosnjak selbst als "Straßenfußballer - technisch stark und ehrgeizig". Trotz des Umbruchs sieht er Schonnebeck weiterhin konkurrenzfähig: "Wir brauchen uns nicht kleiner machen als wir sind. Die Top 5, Top 6 sollten wir anvisieren."
Die Vorbereitung bot erste positive Signale: Schonnebeck sicherte sich den Turniersieg beim Stimberg-Cup und gewann mit 4:2 gegen den Westfalen-Oberligisten Westfalia Rhynern. Doch nicht alles lief rund - gerade in den jüngsten Tests offenbarte sich noch Luft nach oben. Beim VfL Bochum II verlor der Oberligist klar mit 0:4. "Drei der vier Gegentore haben wir selbst verschuldet", analysiert Trainer Tönnies. "Das war ärgerlich, aber gegen eine körperlich überlegene Regionalliga-Mannschaft auch nachvollziehbar. Gegen den Ball haben wir gut gearbeitet, aber in der Offensive fehlte uns der Mut."
Auch mit Blick auf das 2:6 bei Preußen Münster II, direkt am Tag danach, mit neun U-23-Spielern in der Startelf, zog Tönnies ein gemischtes Fazit: "Die erste Halbzeit war schwach, weil wir einiges ausprobiert haben, das so nicht funktioniert hat. Aber genau dafür ist die Vorbereitung da." Taktisch wurde viel getestet - mal agierte das Team mit Dreier-, mal mit Viererkette. Die langfristige Tendenz geht laut Tönnies jedoch klar zur Viererkette, da diese Formation am besten zum neu zusammengestellten Kader passt.
Zum Saisonstart wartet direkt ein besonderes Duell: Neben Nils Grigoleit wechselten mehrere ehemalige Schonnebeck-Nachwuchsspieler (Joel Kloßek, Tristan Tell-Ornot, Silas Niebaum, Max Koltermann) zum Essener Aufsteiger Adler Union Frintrop. Im Auswärtsspiel wird es ein freudiges Wiedersehen geben. Das Verhältnis zwischen den Vereinen gilt als freundschaftlich. Tönnies blickt voraus: "Wir haben großen Respekt vor der dortigen Arbeit und freuen uns auf einen spannenden Auftakt."