Fast genau 25 Jahre nach dem magischen Champions-League-Abend gegen die Glasgow Rangers gelang Meister Sturm Graz eine Wiederholung in der Europa League. Mit dem 2:1-Heimsieg gegen den schottischen Vizemeister schrieben die Steirer am Donnerstag in der zweiten Runde der Ligaphase erstmals an. Neben der Siegprämie von 450.000 Euro sammelten die Grazer zudem Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben in der Liga. Trainer Jürgen Säumel trat aber auf die Euphoriebremse.
"Ich freue mich, dass wir uns mit einem Sieg belohnen konnten. Wir können den Sieg aber richtig einordnen und bleiben mit beiden Füßen am Boden", sagte der Sturm-Coach gewohnt stoisch. Die Grazer hatten sich zuvor auch dank einer starken ersten Hälfte gegen die Rangers - wie schon beim 2:0 im Oktober 2000 in der "Königsklasse" - durchgesetzt. Ein wichtiger Faktor: Die Unterstützung des heimischen Publikums, nachdem Sturm im vergangenen Jahr in der Champions League ins Exil nach Klagenfurt hatte ausweichen müssen. "Die Atmosphäre war schon sehr besonders, es war eine wahnsinnige Energie im Stadion", betonte Säumel.
Horvat überragte
Der Funke vom Publikum sei ab der ersten Sekunde auf die Mannschaft übergesprungen, blickte Säumel zurück. Der Führungstreffer des überragenden Tomi Horvat (7.) war die Folge, der Slowene kam auf acht Torschüsse und legte das 2:0 von Otar Kiteishvili (35.) mit einem idealen Steilpass aus einem Freistoß auf. "Mit den Fans hatten wir eine spezielle Energie. Das ganze Team hat wirklich gut gespielt, aber vielleicht hätte ich noch ein Tor mehr schießen sollen", sagte Horvat und lachte.
Denn in der zweiten Halbzeit riss im Sturm-Spiel ein wenig der Faden, die Rangers drückten, erarbeiteten sich eine Vielzahl an Chancen und drängten nach dem Anschlusstreffer von Djeidi Gassama (49.) phasenweise vehement auf den Ausgleich. Doch die Sturm-Abwehr hielt auch dank Tormann Oliver Christensen, der sich nach seinen Patzern beim Auftakt-0:2 auswärts gegen Midtjylland rehabilitierte. "Mich freut es für ihn, dass auch er eine Topleistung gezeigt hat", sagte Säumel über den Dänen, der auch beim Feiern vor der Fankurve ein Aktivposten war. "Mir gefällt seine Persönlichkeit. Er ist ein extrovertierter Typ, der uns in der Kabine sehr viel gibt."
Sturm zeigte "Fighter-Mentalität"
In der zweiten Halbzeit habe seine Mannschaft "schon gelitten", gab Säumel zu, aber eine "Fighter-Mentalität" gezeigt. Emanuel Aiwu sah es ähnlich. "Da sieht man den großen Zusammenhalt der Mannschaft. Das gibt einen weiteren Energieschub", sagte der Innenverteidiger. Säumel freute sich über die Entwicklung der Mannschaft und über eine "gute, ordentliche Leistung", die bei einigen Kontern in der Schlussphase noch hätte gekrönt werden können.
In der Europa-League-Tabelle kletterten die Grazer in die Top 24 der 36er-Liga und damit in die Play-off-Ränge. In drei Wochen wartet mit dem Auswärtsspiel bei Celtic wieder ein Gegner aus Glasgow, der schottische Meister startete mit einem Punkt aus zwei Partien in die Ligaphase. "Wir wollen natürlich so viele Spiele wie möglich gewinnen", betonte Säumel, er wisse aber auch, "dass das nächste Spiel bei Celtic noch einmal eine andere Hausnummer wird, weil der Faktor Stadion dazukommt". Als nächste Aufgabe wartet am Sonntag (14.30 Uhr LIVE! bei kicker) das Bundesliga-Gastspiel im Ländle beim SCR Altach.