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Thuns Höhenflug - ein Erfolg mit doppelter Gefahr

kicker

Am 9. Spieltag konnte der FC Thun auch nicht vom Servette FC gestoppt werden und dies, obwohl das Team von Mauro Lustrinelli in dieser Saison auch schon deutlich bessere Spiele gezeigt hat. Trotzdem feierte man mit dem 3:1-Erfolg bereits den sechsten Vollerfolg in der Liga. "Wenn man nach neun Runden Erster ist, ist das kein Zufall mehr", wie Mittelfeldspieler Valmir Matoshi gegenüber der Berner Zeitung zu Protokoll gegeben hat.

Die Berner Oberländer haben mit dem jüngsten Erfolg auch einen Trend in der Super League brechen können. So gelang es vor dem FC Thun in dieser Saison noch keinem BSL-Tabellenführer, eine Meisterschaftspartie zu gewinnen. Der so erfrischend aufspielende Neuling hat damit gezeigt, dass es nicht unbedingt ein Fluch sein muss, in der höchsten Schweizer Spielklasse an der Tabellenspitze zu stehen.

Kontinuität als Schlüssel zum Erfolg

Die Fans des FC Thun dürften sich gerade wie in einem Traum fühlen, es hätten wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten einen solch starken Saisonstart für möglich gehalten. Als man in der Saison 2019/20 den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste, war natürlich das Ziel, sogleich den Wiederaufstieg zu schaffen.

Dieses Vorhaben misslang und es sollte lange fünf Saisons in der Challenge League dauern, bis endlich die Rückkehr in die oberste Schweizer Spielklasse gelang. Statt nervös zu werden, hielt man im Berner Oberland daran fest, mit Ruhe, Gelassenheit und akribischer Arbeit zurück zum Erfolg zu finden. Der clevere Präsident Andres Gerber, der 2020 als Nachfolger von Markus Lüthi zum neuen starken Mann beim FC Thun gewählt wurde, ist stets mit gutem Beispiel vorangegangen, verkörpert er doch kaum einer die Werte des Vereins so gut wie der mittlerweile 52-Jährige.

Zusammen mit Sportchef Dominik Albrecht, der bereits als Assistent von Gerber fungierte, als dieser noch Sportchef beim FC Thun gewesen ist, hat die Führungsriege der Berner Oberländer daran festgehalten, dass Kontinuität mittel- bis langfristig zum Erfolg führen wird. Wie wir heute wissen, sollten sie damit recht behalten.

Lustrinelli hat ein richtiges Team geformt

Als in der letzten Saison endlich der umjubelte Aufstieg bewerkstelligt werden konnte, kam es nicht zum grossen Umbruch. Stattdessen vertraut Erfolgstrainer Mauro Lustrinelli auf einen Grossteil der Spieler, welche den Verein zurück ins Schweizer Oberhaus geführt haben.

Albrecht hat gute Entscheidungen auf dem Transfermarkt getroffen und eher auf Qualität statt Quantität gesetzt. Natürlich braucht es dafür auch immer ein wenig Glück, hätten beispielsweise die wenigsten damit gerechnet, dass ein Michael Heule derart einschlagen würde. Auch Mattias Käit, Leihspieler Kastriot Imeri sowie Brighton Labeau wissen bislang zu gefallen und sind mit ihren Qualitäten eine grosse Verstärkung für das Team.

Das Wort Team wird im Berner Oberland ohnehin grossgeschrieben, wie insbesondere Trainer Mauro Lustrinelli vorlebt. Er lobt nach den Partien sehr selten einzelne Spieler, für ihn steht zu jeder Zeit das Team im Vordergrund. Diesen Teamgedanken konnte er auf jeden einzelnen seiner Akteure übertragen und dadurch ist eine Mentalität entstanden, mit der die Berner Oberländer über sich hinauswachsen können.

In der aktuellen Verfassung muss man die Thuner sogar für den ganz grossen Coup auf dem Zettel haben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit natürlich grösser ist, dass die Männer von Lustrinelli die aktuelle Pace wohl eher nicht bis Saisonende durchziehen können. Ein Platz in der Championship Group und sogar eine mögliche Europacup-Qualifikation wird aber von Spieltag zu Spieltag realistischer; dabei wäre man im beschaulichen Berner Oberland schon mehr als glücklich damit, wenn man den direkten Abstieg verhindern kann.

Der Höhenflug des FC Thun hat aber auch ihre Schattenseiten

Mit den bisherigen Leistungen erzeugen die Berner Oberländer natürlich Aufsehen; und dies wohl nicht nur in der Schweiz. Es ist oftmals das Schicksal von kleineren Vereinen, dass ihnen nach einer starken Saison die besten Spieler weggekauft werden und dies könnte natürlich auch dem FC Thun passieren.

So dürfte sich beispielsweise Toptorjäger Christopher Ibayi in das ein oder andere Notizheft geknipst haben und auch Neuzugang Michael Heule weiss derart zu überzeugen, dass sich für ihn nach nur einer Saison im Berner Oberland grössere Möglichkeiten eröffnen könnten.

Nils Reichmuth oder Eigengewächs Ethan Meichtry sind zwei weitere Kandidaten, die das Interesse von grösseren Vereinen auf sich gezogen haben dürften. Dazu kommt, dass ein Kastriot Imeri nur von YB ausgeliehen ist und falls dieser in Thun wieder an alte Zeiten anknüpfen kann, dürfte dieser kaum zu halten sein.

Der Baumeister des Erfolgs, Trainer Mauro Lustrinelli, ist ebenso ein Kandidat, der sich derzeit ins Rampenlicht coacht. So suchen beispielsweise die Young Boys seit dem Abgang von Gerardo Seoane jemanden, der es schafft, den Verein nachhaltig begeistern zu können. Auch das Ausland könnte den Tessiner locken, vor allem dann, falls er es tatsächlich schaffen würde, Thun zurück in den Europacup zu führen.

Der Erfolg ist ein zweischneidiges Schwert und die Konsequenzen daraus könnte man beim so starken Aufsteiger womöglich erst in der nächsten Saison so richtig spüren. Es droht ein Aderlass der gröberen Sorte, wobei es selbst in jenem Fall zu keiner Hektik im beschaulichen Berner Oberland kommen würde. Der FC Thun wird auch dann konsequent seinen Weg weitergehen und gewillt sein, aufzuzeigen, dass man auch in der heutigen Fussballzeit mit beschaulichen Mitteln maximalen Erfolg haben kann.