Es ist wie Heimkommen. Bereits nach dem 1:2 im Franz-Beckenbauer-Supercup des VfB gegen den FC Bayern war Tiago Tomas direkt nach dem Schlusspfiff schnurstracks in die Stuttgarter Kabine gelaufen. Nach einem ersten Hallo an die neuen Kollegen und der Ansprache des Trainers verließ er mit einer Pizzaschachtel in der einen und einem Stück der italienischen Köstlichkeit in der anderen Hand die Stadionkatakomben. "Er kennt einige unserer Spieler noch, kennt die Rahmenbedingungen, kennt aber den neuen Stadiontrakt noch nicht", so Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, als der Neuzugang vom VfL Wolfsburg hinter ihm vorbeiläuft. "Deswegen ist er direkt nach Spielschluss in die Kabine gekommen."
„Ich brauche keine Zeit, um mich einzugewöhnen.“ (Tiago Tomas)
Heute startete Tiago Tomas, für den die Schwaben rund elf Millionen Euro an Basisablöse nach Wolfsburg überwiesen haben und weitere rund drei Millionen für leicht zu erreichende Boni überweisen werden, ins erste volle Mannschaftstraining. Mit dem neuen Team, von dem er einen Teil noch gut kennt. Zwischen Januar 2021 und Sommer 2022 trug Tiago Tomas als Leihspieler von Sporting Lissabon das VfB-Trikot, teilte mit Fabian Bredlow, Atakan Karazor, Pascal, Stenzel oder Chris Führich die Kabine.
"Es ist, wie nach Hause zu kommen"
Eine unvergessliche Zeit, wie der 23-Jährige meint. "Es ist, wie nach Hause zu kommen. Ich kenne die Leute, kenne den Klub, kenne die Stadt. Ich brauche keine Zeit, um mich zurechtzufinden und einzugewöhnen. Ich mag es, hier zu sein. Ich habe gute Erinnerungen an die Zeit und will neue Erinnerungen schaffen."
Zweimal kämpfte der Portugiese in diesen eineinhalb Jahren gegen den Abstieg. Diesmal soll alles anders werden. "Das ist jetzt eine andere Zeit. Der Klub steht stabiler da. Der VfB hatte zwei tolle Spielzeiten zuletzt und steht besser da. Wir können gute Dinge erreichen", sagt der 23-Jährige, für den der letzte Spieltag 2021/22 alles vorher und seither Erlebte unvergesslich toppte. Das 2:1 in der Nachspielzeit gegen den 1. FC Köln. "Das war das wahrscheinlich spannendste Spiel meiner ganzen Karriere. Der späte Siegtreffer, dazu die Fans auf dem Platz, eine tolle Atmosphäre, eine tolle Erinnerung."
„Ich kann Qualitäten ins Spiel bringen, die ich vorher nicht hatte.“ (Tiago Tomas)
Der zweite Anlauf im VfB-Trikot soll erfolgreicher verlaufen. Auch, weil er reifer als damals sei. "Ich war sehr jung, war 19. Heute denke ich, dass ich ein kompletterer Spieler bin. In allen Bereichen des Spiels habe ich mich weiterentwickelt, kann Qualitäten ins Spiel bringen, die ich vorher nicht hatte. Das kommt durch die Erfahrung, die ich jetzt habe", erklärt Tiago Tomas, der am kommenden Samstag bei Union Berlin sein 100. Bundesligaspiel bestreiten könnte. Wenn ihn Trainer Sebastian Hoeneß lässt, mit dem er schon seit der Zeit bei der U-21-EM im Juni in Kontakt stand. "Natürlich bin ich bereit. Ich fühle mich gut, fühle mich gesund, fühle mich fit und ich bin eine Option für den Trainer."
Die Bundesliga ist für den ehrgeizigen Portugiesen die richtige Plattform, um weiterzukommen. "Ich weiß, was es braucht, um in der Bundesliga auf gutem Niveau zu spielen und will mich immer weiterentwickeln." In der Schwabenmetropole sei "alles vorhanden, um sich als Spieler weiterentwickeln zu können. Für mich ist es ideal, um meine Karriere voranzubringen, mich weiterzuentwickeln und besser zu werden".
Tiago Tomas fordert Führich heraus
Eine Lieblingsposition habe er nicht. Zumindest keine herausstechende, nachdem der schnelle und dribbelstarke Angreifer offensiv beide Flügel und sogar das Zentrum abdecken kann. Eine gewisse Vorliebe für die linke Seite bestehe allerdings. "Ich fühle mich auf allen Positionen wohl, bin es gewohnt flexibel zu sein und habe in der vergangenen Saison überall gespielt. Aber ich fühle mich links etwas wohler", sagt Tiago Tomas, der damit der erste Herausforderer für Chris Führich wäre. "Links fällt mir vielleicht das Dribbeln oder das Kombinationsspiel etwas leichter. Rechts kann ich vielleicht etwas besser schießen oder leichter in den Strafraum gelangen."
Wie auch immer, wo auch immer. Tiago Tomas hat das Potenzial, das Offensivspiel der Stuttgarter anzukurbeln. Vor allem in Sachen Zielstrebigkeit und Abschlussstärke. "Wir spielen die Art Fußball, wie ich sie mag", so der 23-Jährige, der sich allerdings keine Trefferprognose entlocken lässt. "Ich möchte Tore schießen und habe auch eine Zahl im Kopf. Aber ich werde sie für mich behalten."