Das seit einiger Zeit über dem traditionsreichen Postsportverein hängende Damoklesschwert wird mit dem Jahr 2027 auf 4.000 Mitglieder in elf Sektionen niedergehen. Die Post AG als Eigentümerin des mit 16 Hektar größten zusammenhängenden Sportgeländes in Wien lässt den seit den 1970er-Jahren bestehenden Pachtvertrag auslaufen. Vor wenigen Tagen setzte man Obmann Felix Weigel darüber in Kenntnis, dass man den für das Überleben des Post SV mit 2.500 aktiven Kindern benötigen Nutzungskontrakt nicht mehr verlängern will. Die Post, wie der Verein liebevoll genannt wird, steht vor dem Aus.
Die riesige Anlage, auf der mehr als 100 Teams unter anderem Fußball, Tennis, Hockey, Handball, Basketball, Volleyball und Beachvolleyball spielen (teils auf Bundesliga-Niveau), soll künftig gewinnbringend bewirtschaftet werden. Zumindest an den Rändern der letzten großen Sportoase in Wien-Hernals sind große Bauprojekte geplant. Die Nutzung der verbleibenden Sportflächen will man neu ausschreiben, sodass gewinnorientierte Unternehmen das Areal zum Beispiel für die gewerbliche Vermietung von Kleinfeldern oder anderen Sportanlagen übernehmen könnten.
Die Gewinner sind die Aktionäre der Post AG. Der große Verlierer ist der seit 1937 in Hernals beheimatete Post SV, der als gemeinnütziger Sportverein in diesem Prozess fast chancenlos wäre. "Mit einem Verein kann man kein Geld verdienen", bringt es der seit vielen Jahren ehrenamtlich tätige Weigel auf den Punkt. Bewegungskultur, Gesundheit, Integration und soziales Engagement sind der Politik offenbar nicht viel wert. Dass die riesige Masse von im Post SV sportbetreibenden Menschen irgendwo in Wien eine neue Heimat findet, erscheint angesichts der eklatanten Sport-Infrastrukturprobleme unrealistisch. So wird im Herzen von Wien-Hernals in eineinhalb Jahren das Licht ausgehen.
Stadt Wien schaut zu
Die Stadt Wien verweist auf die Zuständigkeit des Bundes als Hauptaktionär der seit 2006 an der Börse notierten Post AG. Die Reaktionen der Politik auf die ersten medialen Hilfeschreie im vergangenen Jahr waren gleich Null. Die Post-Chefetage sieht sich nur den Aktionären gegenüber verpflichtet. Und den öffentlichkeitswirksamen Hebel des größten Sportvereins des Landes setzt die Stadtregierung nicht ein. Gesundheit, sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Kampf gegen Jugendkriminalität durch Integration, Miteinander statt Vorurteile - das alles leistet der Post SV. Das Sommer-Abschlussfest der Fußballer am Samstag könnte trotzdem das vorletzte gewesen sein.
Hunderte Spieler der Altersklassen U 6 bis U 18 feierten eine erfolgreiche Spielzeit, in der man als Post-Nachwuchs den Klassenerhalt in der WFV-Liga schaffte. "Die Lage ist ernst", hörte man auch bei diesem fröhlichen Ereignis von Funktionären, Trainern, Eltern und Kindern. Aber man will es noch nicht endgültig wahrhaben, hofft auf ein Happy End. Für den Herbst sind große Protestveranstaltungen denkbar. Bis dahin ist vier Wochen Sommerpause - die vorletzte in der 106-jährigen Geschichte des Post SV.