Spätestens nach dem Verkauf des langjährigen Stammspielers Tuta, der Anfang August 2025 zu Al-Duhail in die Wüste gewechselt war, durfte sich Aurele Amenda berechtigte Hoffnungen auf größere Einsatzzeiten machen. Zumal Dino Toppmöller schon im Mai 2025 gesagt hatte: "Wir sind mit Aurele sehr, sehr zufrieden. Er wird für uns ein wichtiger Faktor sein, spätestens in der nächsten Saison." Schon 2024/25 hätte der Innenverteidiger mehr Spielzeit verdient gehabt, urteilte der Coach.
Allerdings wurde Amenda in seinem ersten Jahr am Main vom Pech verfolgt: Im Sommer 2024 kam er mit einer Sehnenverletzung an, im November 2024 verletzte er sich bei der Schweizer Nationalmannschaft an der Syndesmose und musste operiert werden. Da die Abwehr im Großen und Ganzen stabil stand und eingespielt war, gab es für Toppmöller auch danach wenig Grund zu wechseln. Zudem stand Tuta im internen Vergleich vor Amenda.
Die WM steht auf dem Spiel
Im zweiten Jahr nach seiner Verpflichtung von den BSC Young Boys (neun Mio. Ablöse) sollte Amenda endlich mehr Einsatzzeiten bekommen. Der 1,94 Meter große Hüne ist erst 22 Jahre alt, in diesem Alter ist Spielpraxis das Allerwichtigste. Doch nach 24 Pflichtspielen kommt er auf lediglich 247 Minuten in der Bundesliga und 135 Minuten in der Champions League. Eine unbefriedigende Situation. Für den Verteidiger geht es nicht nur um die persönliche Weiterentwicklung als Sportler, sondern auch um die WM-Teilnahme mit der Schweiz. Schon im November berichtete der kicker: "Das Management des Spielers sondiert intensiv den Markt, ein Abschied im Januar ist nach kicker-Informationen wahrscheinlich."
In der vergangenen Woche sagte Amendas Berater Jose Noguera Rodriguez dem Portal Absolut Fußball: "Im Januar werden wir alle Optionen prüfen, die für seine sportliche Entwicklung am besten sind. Sollte sich eine Möglichkeit ergeben, wo Aurele die Spielzeit bekommt, die er verdient, werden wir diese ernsthaft in Betracht ziehen. Bis dahin wird er weiterhin alles für die Eintracht geben und sich professionell verhalten. Aurele ist dankbar für die Chance in Frankfurt, aber seine Karriere steht an einem wichtigen Punkt, an dem Entscheidungen getroffen werden müssen."
Toppmöller: Worte ohne Taten?
Bislang möchte Markus Krösche den Abwehrspieler nicht ziehen lassen. Der Sportvorstand ist weiter überzeugt von den Qualitäten des Verteidigers. Auch Toppmöller sprach am vergangenen Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Auftakt gegen Dortmund sehr wohlwollend über Amenda. "Wir hatten die Tage ein sehr gutes Gespräch. An seiner Stelle hätte ich auch gerne mal mit dem Trainer gesprochen. Er will gerne mehr spielen, eine WM steht vor der Tür. Da ist es doch ganz normal, dass ein Spieler fragt, wie seine Situation ist", sagte der Coach. Er räumte ein: "Ich glaube, dass Aurele in der Hinrunde vielleicht das eine oder andere Spiel zu wenig gemacht hat, 100 Prozent. In den Spielen, in denen er auf dem Platz stand, sah man, dass er ein sehr guter Spieler ist. Er ist für mich ein sehr wichtiger Spieler." Im Training habe Amenda immer Gas gegeben.
Doch von netten Worten kann sich der Verteidiger nichts kaufen. Als Arthur Theate gegen Dortmund in der 83. Minute vom Platz ging, kam nicht etwa Amenda, sondern Nnamdi Collins. Das überraschte, da sich Collins in dieser Saison dauerhaft im Formtief befindet und auch im letzten Spiel vor Weihnachten beim HSV (1:1) schwer gepatzt hatte. Bezeichnend: In der fünften Minute der Nachspielzeit warf Collins den Ball bei einem Einwurf in der eigenen Hälfte ins Aus. Den auf diese kuriose Aktion folgenden Angriff nutzte Dortmund zum 3:3.
Toppmöller ließ die Chance verstreichen, seine Worte vom Vortag mit Taten zu unterstreichen. Amendas Berater wird deshalb abermals das Gespräch mit Krösche suchen. Unter anderem Mainz, Nizza, Lorient, Celtic Glasgow, Valencia und auch Klubs aus Italien sollen sich erkundigt haben. Bisher ist aber keine Spur richtig heiß, da im ersten Schritt Krösche seine Bereitschaft signalisieren müsste, Amenda abzugeben. In diesem Fall müsste er Ersatz beschaffen. Das Transferfenster ist noch drei Wochen geöffnet. Zeit genug, um eine Lösung zu finden.