Im Vorfeld schwärmte Simone Inzaghi von Pep Guardiola, im Nachgang schwärmte Simone Inzaghi von Pep Guardiola - und dazwischen besiegte er ihn: Der 4:3-Sieg nach Verlängerung gegen Manchester City im Achtelfinale der Klub-WM war nicht nur sein erster großer Coup als neuer Trainer von Al-Hilal, sondern auch eine kleine persönliche Genugtuung.
Im dritten Anlauf bezwang Inzaghi Guardiola, den nach eigenen Worten "besten Trainer der letzten 20 bis 25 Jahre", erstmals. Wobei das erste Aufeinandertreffen Inter Mailands unglückliche 0:1-Niederlage im Champions-League-Finale 2023 war, mit dem viele Nerazzurri-Fans und gewiss auch Inzaghi bis heute hadern.
"Heute Abend mussten wir etwas Außergewöhnliches leisten, weil wir wussten, wie gut Manchester City ist", erklärte Inzaghi nach dem Kraftakt in Orlando, bei dem Al-Hilal nach einer schwachen ersten Hälfte aufgewacht und schließlich die dritte Führung ins Ziel gerettet hatte. "Wir wussten, dass wir den Mount Everest ohne Sauerstoff besteigen mussten, und wir waren großartig."
Schon beim 1:1 gegen Real Madrid zum Auftakt der Klub-WM hatte Al-Hilal bewiesen, gegen Europas Größen alles andere als chancenlos zu sein. Weil die mit internationalen (Ex-)Stars gespickte Mannschaft angesichts der überschaubaren Qualität der Saudi Professional League physisch und mental ausgeruhter in die USA reiste als mancher Champions-League-Klub? Weil sie die hohen Temperaturen besser kennt?
"Der Schlüssel zu diesem Resultat sind die Spieler, das Herz, das sie auf den Platz gebracht haben", meinte Inzaghi lieber, der nach einer - abgesehen vom saudischen Supercup im August 2024 - titellosen Saison Jorge Jesus als Al-Hilal-Coach ersetzt hatte. "Wir haben mit großer Entschlossenheit gespielt."
Matchwinner Marcos Leonardo: "Meine Mutter lag 70 Tage auf der Intensivstation"
In Abwesenheit des verletzten Toptorjägers Aleksandar Mitrovic trumpfte gegen ManCity allen voran Marcos Leonardo auf, der mit seinen Treffern zum 1:1 und 4:3 zum Matchwinner wurde. Der 22-jährige Brasilianer, im Sommer 2024 von Benfica Lissabon gekommen, rief sich damit auch in Europa wieder ins Gedächtnis, nachdem er in Saudi-Arabien mit 25 Toren in 38 Pflichtspielen losgelegt hatte.
Dabei geriet der Saison-Endspurt für ihn nicht nur wegen der verpassten Titel in Liga und asiatischer Champions League kompliziert. "Die letzten zwei Monate waren sehr schwer für mich. Meine Mutter lag 70 Tage auf der Intensivstation", berichtete Marcos Leonardo nach seinem Doppelpack gegen ManCity. "Heute geht es ihr zum Glück wieder gut. Als ich die beiden Tore erzielt habe, habe ich nur an sie gedacht. Sie konnte das Spiel sogar sehen."
Jetzt wollen er und seine Mannschaft auch das Viertelfinale überstehen, das am Freitag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Fluminense steigt - und nicht gegen Inter Mailand. Für Inzaghi, dessen Abschied Richtung Wüste wahrlich nicht bei allen Nerazzurri gut angekommen war, dürfte das die erste gute Nachricht des Tages gewesen sein.