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Ein altbekannter Trainer soll die altbekannten Probleme lösen

kicker

Am Freitagmittag kam die Nachricht aus Bern: Giorgio Contini muss bei den Berner Young Boys gehen. Die grossen Leistungsschwankungen haben dem Trainer den Job gekostet. In der Tat legten die Berner eine unglaubliche Inkonstanz an den Tag - auch innerhalb von Spielen. Gute Phasen gingen nahtlos in inferiores Verteidigen über. Die Folgen sind in der Tabelle abzulesen, nur Rang fünf - die Meisterschaft ist das Ziel - und dazu ist YB im Cup schon ausgeschieden.

An der sportlichen Qualität mangelt es dem BSC Young Boys eigentlich nicht. Bei der mentalen Qualität hapert es. Loris Benito betonte in dieser Saison schon mehr als einmal, dass einige Spieler offenbar nicht bereit seien, an die Leistungsgrenze zu gehen. Das sind Alarmzeichen, die der Vereinsführung nicht verborgen geblieben sind. Auch beim letzten Spiel unter Contini, dem wilden 3:3 gegen GC, war das Abwehrverhalten teilweise stümperhaft. Die nötigen Meter, um konsequent zu verteidigen, wurden schlicht nicht gegangen. Erst in Unterzahl und im Rückstand liegend, wurde der Ernst der Lage erkannt. In diesen Phasen zeigte YB die Qualität, die sportlich im Team steckt. Doch mit Phasen gewinnt man keine Spiele und schon gar nicht Meisterschaften.

Die fehlende Mentalität darf nicht nur dem Trainer allein angelastet werden. Klar, Giorgio Contini war dafür verantwortlich, dass die Spieler motiviert in ein Spiel steigen. Allerdings darf eine professionelle Einstellung von Profifussballern erwartet werden. Womöglich war die Arbeit diesbezüglich auch von der Scouting- und Transferabteilung des Vereins ungenügend. Seit Jahren spricht man in der Hauptstadt von fehlenden Leadertypen. Christian Fassnacht, Loris Benito und neu ein Gregory Wüthrich können YB nicht im Alleingang ins Laufen bringen. Zumal vor allem Benito und Wüthrich auch immer wieder einmal verletzt ausfallen.

Zu Beginn der Saison fielen die Berner auch mit negativen Manieren auf dem Platz auf. Edimilson Fernandes flog wegen einer Tätlichkeit vom Platz und auch Chris Bedia hätte gegen den FC Winterthur wegen eines Schlags die Rote Karte verdient. Auch das sind Beispiele, die aufzeigen, dass sportliche Qualität nicht alles ist.

Nur Rahmen zuletzt schlechter als Contini

Der schleichende Niedergang der Berner Young Boys zeigt sich auch statistisch. Von den dauerhaften YB-Trainern seit Adi Hütter hat YB nur unter Patrick Rahmen einen schlechteren Punkteschnitt und eine schlechtere Tordifferenz. Vor allem offensiv traten die Berner mit knapp 1,74 Toren pro Spiel so harmlos wie noch nie auf. Das ist ein deutliches Alarmsignal, wenn man bedenkt, dass zuletzt vor allem die Abwehr als Problemzone in den Fokus gerückt ist. Die eigene Schwäche mit der eigentlichen Stärke zu überkompensieren, gelingt YB zuletzt nicht. Das zeigten die beiden Partien im Letzigrund. Hätte Juan José Perea seinen Elfmeter nicht in den Himmel geschossen, wären die Berner gleich zweimal mit drei Gegentoren nach Hause gefahren.

In der Defensive kassierte YB unter Contini in 42 Partien 57 Gegentore. Das sind knapp 1,36 Gegentore pro Spiel. Nur unter David Wagner, da war die Offensive aber deutlich produktiver, und Patrick Rahmen war dieser Wert noch höher. Nach elf Super-League-Partien stehen die Berner aber bereits bei 22 Gegentreffern: Das sind zwei pro Spiel. Die Entwicklung ist dramatisch und die Entlassung daher nicht überraschend. Zumal Contini im Sommer wohl erstmals auch bei der Kaderplanung wirklich Einfluss nehmen konnte und die Stabilisierung des Vereins trotzdem misslang.

Jetzt soll es Gerardo Seoane richten

Rund zwei Stunden nach der Entlassung ist bekannt, wer YB zurück auf die Erfolgsspur bringen soll: Gerardo Seoane. Der einstige YB-Meistertrainer hat in der Bundesstadt sogleich einen Vertrag bis 2028 unterschreiben und war nach seiner Entlassung bei Borussia Mönchengladbach ohne Verein. Für Seoane wird es beim BSC ein steiler Einstieg. Zunächst kommt der FC Basel am Sonntag ins Wankdorf und danach steht eine neuerliche englische Woche auf dem Programm. Christoph Spycher betont aber, dass mit Seoane die Kontinuität auf dem Trainerposten einkehren soll. Es sei ein langfristig angelegtes Projekt.

Mit Seoane kehrt ein Verfechter des Offensivfussballs nach Bern zurück. In seiner ersten Amtszeit liess er erfolgreich den von Adi Hütter etablierten Fussball spielen. YB erzielte mehr als zwei Tore pro Spiel und mit der Dominanz gegen vorne, stellte sich auch defensiv Sicherheit ein. Von den 1,12 Gegentreffer pro Partie unter Seoane konnte Contini nur träumen. Im Gegensatz zu seinem ersten Engagement bei den Young Boys kann sich Seoane aber jetzt nicht in ein gemachtes Nest setzen. Während der Trainer nach seinem Wechsel von Luzern zu YB eine hervorragend funktionierende Mannschaft vorfand, muss er jetzt seinen Bernern wieder einige Grundprinzipien einimpfen. Nicht zuletzt daran ist Seoane in Leverkusen und Mönchengladbach gescheitert.

Damit verbleiben bei den Berner Young Boys auch nach der Entlassung von Giorgio Contini erstmals viele Fragen und Baustellen offen. Ob Seoane die richtigen Antworten darauf finden wird, bleibt abzuwarten.