Die Würzburger Kickers haben einen Lauf. Das 3:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth II war bereits das achte Spiel in Folge ohne Niederlage. Und trotzdem herrscht bei den Unterfranken noch ein gutes Stück Unsicherheit. Erst die kommenden Wochen der Wahrheit werden darüber entscheiden, ob diese Vorrunde nun als gelungen eingestuft werden kann. Mit den Partien am nächsten Freitag bei Wacker Burghausen und eine Woche darauf bei der SpVgg Unterhaching stehen nun auf fremden Plätzen zwei Spitzenspiele an.
Ob die Kickers, die sich selbst in dieser Saison nach dem erneuten Austausch des Trainerteams und dem Umbruch im Sommer gar nicht so sehr als Topfavorit sehen, bereit sind für die Vergleiche mit der direkten Konkurrenz an der Tabellenspitze? Fest steht, dass sich die Mannschaft von Trainer Marc Reitmaier in den letzten Wochen stabilisiert hat. Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Unterhaching. Fünf Zähler, die die Würzburger in den Heimspielen gegen den FC Augsburg II (3:4) und gegen Schwaben Augsburg (3:3) jeweils nach einer 3:0-Führung leichtfertig hergeschenkt haben. Bei diesen beiden Ausreißern bekamen die Würzburger mehr als die Hälfte ihrer insgesamt 13 Gegentore. In den letzten vier Spielen kassierten die Kickers nur noch zwei Treffer. Die Defensive ist das Prunkstück der Würzburger in dieser Saison. "Wir sind in der Saison angekommen", stellte Reitmaier schon vor dem Sieg gegen Fürth fest.
Doch auch er erkannte in den letzten Wochen immer wieder Schwächen beim Ausspielen der eigentlich vorhandenen spielerischen Überlegenheit. Allzu oft waren die Kickers bei ihren Offensivaktionen von Einzelleistungen ihrer Topspieler abhängig, zu oft hakte es im vorderen Drittel an der Zielstrebigkeit und der Präzision. Reitmaiers erste Lösung: Standardsituationen. Dass gegen Fürth das erste Tor nach einer Ecke fiel, nahm er dann auch zufrieden zur Kenntnis. "Aber wir müssen darin noch besser werden," so der Trainer.
Zusammenspiel mit Ochs
Mit dem einstigen Hoffenheimer und Hannoveraner Philipp Ochs haben die Kickers spät in der Saison nicht nur einen weiteren Standardschützen hinzu verpflichtet, sondern auch einen bundesligaerfahrenen Akteur, der dem Spiel im zentralen Mittelfeld Struktur geben soll. Man darf nun gespannt sein, wie das Zusammenspiel von Ochs und Eroll Zejnullahu funktioniert, ob Reitmaier nach der Rückkehr des Ex-Bayreuthers nach einer Wadenverletzung einen der laufstarken Achter auf die Bank setzt und welche Folgen das für die defensive Stabilität des Teams hat.
Fest steht freilich, mit Zejnullahu auf dem Platz sind die Kickers ein anderes Team. Erst mit der Einwechslung des 31-Jährigen funktionierte am Freitag gegen Fürth die Verbindung zwischen Defensive und Offensive, erst mit ihm auf dem Platz zeigten auch die anderen Kickers-Akteure, was für ein individuelles Potenzial in diesem Team schlummert. Zejnullahu selbst wollte angesichts der anhaltenden ungeschlagenen Serie gar nicht erst ein großes Thema daraus machen: "Fußball ist Ergebnissport. Auch wenn es nicht immer das beste Spiel ist, zählen die Punkte", sagt er und stellt mit Blick auf die kommenden Spitzenpartien mit: "Das Ziel ist, erfolgreich da durchzukommen. Und dann werden wir sehen, wie es danach aussieht. An Selbstvertrauen mangelt es uns nicht."