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"Viele Gegner wissen nicht, wo Hiltrup liegt": Ein Stadtteil schreibt Oberliga-Geschichte

kicker

Am letzten Spieltag der Saison 2024/25 machte eine entschlossene Mannschaft den Traum wahr. Mit einem 4:0 beim Delbrücker SC sicherte sich Hiltrup den Aufstieg - ein Resultat, das die 150 mitgereisten Fans wie eine Meisterfeier erleben ließen. Bierduschen, Aufsteiger-Shirts, eine Party bis in die Nacht: Das Vereinsheim platzte aus allen Nähten. Trainer Marcel Stöppel brachte es knapp auf den Punkt: "Es war ein wunderschöner Tag."

Überraschender Höhenflug

Dass Hiltrup den Sprung schaffte, war keineswegs absehbar. "Der Aufstieg kam sehr überraschend. Weder die finanziellen noch die sportlichen Voraussetzungen deuteten darauf hin", betont Stöppel. Seit Jahren galt der TuS als "graue Maus", als solide, aber unscheinbar. Der Aufstieg veränderte das Selbstverständnis: Plötzlich richtet sich der Blick auf einen Stadtteil, den viele Fußballfreunde kaum verorten können. "Viele Gegner wissen gar nicht, wo Hiltrup liegt", sagt der Coach - und nimmt es als Motivation.

Das Erfolgsrezept ist klar umrissen: lokale Spieler, enge Bindung an den Verein, robuste Spielweise, hohe Laufbereitschaft. "Uns ist bewusst, was wir können und was nicht. Wir setzen auf unsere Stärken", erklärt Stöppel. Die Saison verlief nicht makellos, doch gerade in engen Partien machte die Geschlossenheit den Unterschied.

Der Haudegen in der Defensive

Besonders verkörpert wird dieser Spirit von Abwehrchef Joschka Brüggemann. Der 29-Jährige war Anker und Antreiber zugleich - kompromisslos in den Zweikämpfen, mit einer besonderen Einwurftechnik sogar in der Offensive gefährlich. Stöppel nennt ihn einen "Haudegen". Dass Brüggemann während der Saison auf der kroatischen Insel Krk über ein Karriereende nachdachte, macht seine Rolle umso bemerkenswerter: Aus dem Zweifler wurde die Symbolfigur des Aufstiegs.

Das Gerüst der Mannschaft blieb zusammen, doch es gab Brüche. Torjäger Peter Effing, mit 14 Treffern Garant des Erfolgs, musste aus beruflichen Gründen in den Essener Raum ziehen - ein schwerer Verlust. "Wir hätten ihn sehr gerne behalten. Da hatten wir keine Chance", sagt Stöppel. Hoffnung weckt Neuzugang Chris Ojo. Der 19-Jährige kam von der Hammer SpVg, bringt Geschwindigkeit und Mut über die linke Seite, auch wenn er in der Oberliga noch Lehrgeld zahlen dürfte.

Die neue Realität

Wie groß die Herausforderung ist, zeigte schon der Auftakt. Gegen den SC Verl II verpasste Hiltrup trotz Chancen den ersten Punkt (0:1). Eine Woche später trotzte der TuS Arminia Bielefeld II ein 1:1 ab - obwohl die Arminen sieben Profis aus dem Zweitligakader einsetzten. "Wir hatten Gelegenheiten, das Spiel für uns zu entscheiden", ärgerte sich Stöppel, der vor der Saison Angebote aus Rhynern ausschlug, um Hiltrup in die neue Liga zu führen.

Der sportliche Erfolg fällt in eine Zeit des Aufbruchs. Mitten in der Planung ist eine neue Sportanlage, die den Verein in den kommenden Jahren professionalisieren soll. Treiber des Projekts ist Förderer Raul Prieto, seit Jahren enger Unterstützer. Stöppel will sich aber nicht vom großen Ganzen ablenken lassen: "Im Moment geht es darum, Spiel für Spiel erfolgreich zu gestalten und die Liga zu halten."