Es ist noch gar nicht lange her, da ging es dem Lüneburger Sportklub Hansa gar nicht gut. Dem Abstieg aus der Regionalliga 2022 folgte der direkte Absturz von der Oberliga in die Landesliga. "Die Saison war ganz, ganz schwierig", blickt Manfred Nitschke zurück. Und man merkt dem Sportlichen Leiter des LSK am Telefon an, dass die Zeit noch nachwirkt. "Wir hatten kurzzeitig die Befürchtung, dass der Durchrutsch zu einem Erdrutsch werden könnte."
Aber man zog die richtigen Schlüsse. Es folgte eine Zäsur. Im November 2023 bildete sich ein neuer Vorstand. Der Kader für die Landesliga wurde umgekrempelt. Spieler, die sich nicht wirklich mit dem Verein identifizierten, wurden mehr oder weniger weggeschickt. Und ein neues Team mit erfahrenen Leuten und jungen Talenten gebaut.
Alles wieder auf null nach dem Statement-Aufstieg
Nach zwei Jahren in der sechsten Liga gelang nun der Sprung zurück in die fünfte Spielklasse. Aber nicht nur eben so, sondern mit einer Tordifferenz von 100:30 und 19 Punkten Vorsprung. Das ist mal eine Ansage. Doch diese beeindruckenden Zahlen zählen ab sofort nichts mehr. "Wir wissen, was auf uns zukommt", zeigt Nitschke Respekt vor der Oberliga.
Die anspruchsvolle Aufgabe geht der Lüneburger SK mit einem komplett neuen Trainerteam an. Mit Tarek Gibbah trägt künftig ein waschechter Lüneburger die sportliche Verantwortung. Für ihn schließt sich ein Kreis. "Ich kann wirklich sagen, ich habe schon immer in LSK-Unterwäsche geschlafen", scherzt Gibbah.
Für Manfred Nitschke, der auch 2. Vorsitzender ist, bringt Gibbah "nicht nur die notwendige Erfahrung, sondern auch ein feines Gespür im Umgang mit jungen Spielern mit. Außerdem hat er eine klare Vorstellung davon, wie er unser Team weiterentwickeln kann." Und da wäre noch ein weiterer Tarek, Nachname Behrens, der fortan als Co-Trainer fungiert.
Zu Verwechslungen dürfte es allerdings eher selten kommen. Gerne stellen Journalisten Trainern die Frage, was für ein Typ jemand sei und was für eine Philosophie er habe. Gibbah beantwortet das klar, ohne zu zögern: "Ich bin ein relativ junger Trainer, noch am Anfang meiner Karriere. Ich bin sehr strukturiert. Durch meine Zeit als Trainer im Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96 ist mir auch die taktische Komponente sehr wichtig".
„Ich bin sehr selbstkritisch. Ich muss noch viel lernen.“ (Tarek Gibbah)
Seine Spielidee sei ein mutiger Fußball, den Gegner hoch anlaufen und pressen, hohe Ballgewinne produzieren, das wolle er sehen. "Das ist anstrengend für die Jungs, aber auch attraktiv für die Zuschauer." Weil die Intensität hoch ist, war es der Wunsch von Gibbah, einen Athletik- und Fitnesstrainer zu installieren: Jan Frédérik Klauke ist zudem OS-Coach und Trainer für Sportrehabilitation.
Die Verpflichtung sagt auch etwas über den Charakter und die Arbeitsweise Gibbahs aus: team- und erfolgsorientiert, sich aber selbst nicht zu wichtig zu nehmen. "Ich bin sehr selbstkritisch. Ich muss noch viel lernen", meint Gibbah reflektiert. Aus diesem Grund sei die Oberliga für ihn "ein geiles Projekt".
Das 64-Tore-Duo und ein Nationalspieler
Der Kader für dieses Projekt steht bereits seit einiger Zeit. 16 Spieler sind geblieben, neun kamen neu hinzu. Unter anderem Torhüter Arne Exner vom Regionalligisten Eintracht Norderstedt sowie Jona Prigge vom Stadtrivalen MTV Treubund Lüneburg. Prigge war mit 25 Toren zweitbester Torschütze der Landesliga Lüneburg. Nur einer war noch besser: Malte Meyer vom Lüneburger SK Hansa mit 39 Treffern. Meyer und Prigge - ein vielversprechendes Stürmerduo in der kommenden Saison.
Und dann kann der Verein mit etwas aufwarten, was nur wenige Oberligisten von sich behaupten können: Sie haben mit Leon Perera einen Nationalspieler. Achtmal lief Perera für Sri Lanka auf. Insgesamt erscheint das Aufgebot ausgewogen, wobei die Erfahrung überwiegt. In Summe bringt es der Spielerkader des LSK auf weit über 100 Regionalligaspiele.
Klare Ambitionen ohne "Hirngespinste"
In Lüneburg macht daher auch keiner einen Hehl daraus, wieder in die Regionalliga zurück zu wollen. "Mittelfristig muss es das Ziel, eine Liga höher zu kommen", redet Nitschke nicht drumherum.
Der Sportliche Leiter warnt aber davor, "irgendwelche Hirngespinste" zu haben. "Erstmal müssen wir uns etablieren und in der Liga festsetzen." Quervergleiche mit dem HSC Hannover, der in diesem Jahr als Aufsteiger aus der Landesliga direkt in die Regionalliga durchmarschiert ist, finden die Lüneburger Verantwortlichen zwar gut gemeint, aber nicht förderlich. "Wir wissen, wo wir herkommen", bemüht Nitschke eine oft genannte Phrase.
Sportlich ist dem LSK dennoch einiges zuzutrauen. Infrastrukturell hingegen muss sich noch etwas tun. Der LSK hat nach wie vor keine eigene Spielstätte. Seit Jahren ein Problem. Das eigene Trainingsgelände verfügt nur über zwei Plätze, sodass der Verein in der Vorbereitung auf andere Spielstätten in der Stadt umziehen muss.
Die Heimspiele bestreitet die Mannschaft auf der Anlage des VfL Lüneburg. "Es ist nicht ideal, aber die Spieler kennen das hier nicht anders. Das wirft uns nicht um", nimmt es Gibbah gelassen. Ein Alibi für möglichen sportlichen Misserfolg sei das nicht.
Neuer Sportpark macht Hoffnung
Tatsächlich ist Besserung in Sicht. Im Osten der Stadt soll ein neuer Sportpark entstehen. Laut Nitschke gebe es bereits Absprachen mit der Stadt, dem Kreissportbund und dem Lüneburger SK Hansa, dass dabei eine Spielstätte und ein Trainingsgelände für den LSK zustande kommt. Das Stadion solle zunächst 2.000 Zuschauern Platz bieten. "Ich denke da an ein Modul, dass sich aufstocken lässt", spricht Nitschke von möglichen Plänen. Wann das Ganze fertig sein wird, ist schwer zu sagen. "Der zeitliche Rahmen ist so, dass wir bis 2028 aushalten müssen", rechnet Nitschke nicht vorher mit einer eigenen Spielstätte. Aber allein die Perspektive trägt mit dazu bei, dass sich die Stimmung in Lüneburg wieder gedreht hat. Ein Erdrutsch wurde verhindert. Für die Oberliga ist alles bereitet und die Zukunft verspricht einiges.