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Von Kashiwa nach Königsdorf: Ohno bringt frischen Wind an die Seitenlinie

kicker

Über Jahre hinweg war Albert Deuker das Gesicht des TuS BW Königsdorf. Neun Jahre lang prägte er den Verein, führte die Erste von der Kreisliga A bis in die Mittelrheinliga - drei Aufstiege in fünf Jahren. Dazu war er als Jugendtrainer, Abteilungsleiter und Organisator aktiv. Doch irgendwann war der Akku leer. Im Frühjahr trat der 34-Jährige zurück, konzentriert sich nun auf seine Dissertation und mögliche Aufgaben im Profifußball. "Wir haben für Alberts Entscheidung volles Verständnis. Auf lange Sicht wird sein Weg in eine höhere Liga führen", ist Andreas Frings aus der Fußball-Abteilungsleitung überzeugt. Für den TuS bedeutete das: Abschied von einem prägenden Coach und den Start in eine neue Ära.

Diese beginnt mit Takahito Ohno. Der 30-Jährige ist kein Unbekannter: In den vergangenen Jahren war er Leistungsträger der Königsdorfer und trainierte parallel die U 17. "Ich möchte den offensiven Stil, den Albert Deuker hier geprägt hat, weiter fortführen", betont er. Ganz ohne eigene Ideen will er aber nicht auskommen. Spielerisch setzt er auf Variabilität: Ballbesitzfußball aus Japan, kombiniert mit deutschen Impulsen. "In der eigenen Hälfte kontrolliert, nach vorn mit mutigen Ideen." Offensive, Dynamik und klare Rollen sollen die Mannschaft prägen - ohne Teamgeist und Respekt zu vernachlässigen. Sein erstes Ziel ist der frühzeitige Klassenerhalt, langfristig will er Talente aus der Jugend integrieren und den TuS in der Mittelrheinliga etablieren.

Der Schritt nach Deutschland

Ohno bringt dabei eine besondere Fußball-Sozialisation mit. Aufgewachsen in Japan, durchlief er ab 2004 sämtliche Jugendteams von Kashiwa Reysol, trainierte unter Profitrainern und spielte an der Seite von heutigen Nationalspielern wie Shinnosuke Nakatani oder Yuta Nakayama. Für den Sprung in die J-League reichte es nicht - Ohno blieb eher Ergänzungsspieler. Statt aufzugeben, wagte er 2013 den Schritt nach Deutschland: Studium in Köln, gleichzeitig Fußball in der Landesliga beim SC Borussia Lindenthal-Hohenlind. Die Anfangszeit war hart - Sprache, Wohnungssuche, Finanzen. Unterstützung erhielt er von einer japanischen Deutschlehrerin, die ihm sogar eine Unterkunft vermittelte.

Es folgten Stationen bei BW Friesdorf, BC Viktoria Glesch-Paffendorf, SC Wiedenbrück (Regionalliga), FC Hennef 05, FC Wegberg-Beeck und schließlich BW Königsdorf, wo er zum Stammspieler wurde. "Ich hatte schwierige Zeiten, wenig Spielzeit und Verletzungen, aber ich habe unglaublich viel gelernt", sagt er. Besonders prägend war für ihn das Halbjahr unter Daniel Brinkmann in Wiedenbrück: "Brinkmann war hart, aber immer fair. Egal, ob 19 oder 36 - wer schlecht spielte, wurde angeschrien, wer gut spielte, bekam Chancen." Parallel dazu schloss Ohno sein Studium ab und fasste den Entschluss, Trainer im Profibereich zu werden.

Ohno setzt auf Detailarbeit und präzise Planung

Seine Philosophie ist klar: Detailarbeit, präzise Trainingsplanung, ehrliche Rückmeldungen. Ohno denkt fast rund um die Uhr über Fußball nach. Aus seiner Zeit als U-17-Coach weiß er um die Unterschiede zwischen Jugend- und Seniorenbereich. Er will auch bei den Erwachsenen enge Beziehungen zu seinen Spielern aufbauen und deren Entwicklung kontinuierlich fördern. Unterschiede zwischen beiden Fußballkulturen kennt er aus eigener Erfahrung: "Japaner sind technisch stark, aber körperlich weniger robust. Deutsche können vor und im eigenen Sechzehner besser agieren."

Unterstützung bekommt er von Yuki Hamano, zuvor Jugendtrainer bei Fortuna Köln und Videoanalyst bei Viktoria Köln. Hamano übernimmt regelmäßig Einheiten komplett, während Ohno nah bei der Mannschaft bleibt. Vertrauen, klare Kommunikation und gemeinsame Ideen prägen ihre Zusammenarbeit.

Einen entscheidenden Faktor vergisst Ohno nicht: die Zuschauer. Besonders die "kleinen TuS-Ultras" sind ihm in Erinnerung geblieben, die sein Team in der Vorsaison nach vorn peitschten. Für ihn sind Fans mehr als nur Beiwerk: "Die Unterstützung wird auch in dieser Saison ein wichtiger Faktor für uns sein."