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Wach, engagiert, aktiv: Das darf für die DFB-Elf nur der Mindestanspruch sein

kicker

Wer hätte das nach der 0:2-Auftaktniederlage im September in der Slowakei gedacht, dass die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann vor den abschließenden Spielen im November in Luxemburg und gegen die Slowakei als Tabellenführer der WM-Qualifikationsgruppe A alles in der eigenen Hand haben würde?

Dank einer seriösen Vorstellung am Freitag gegen Luxemburg (4:0) und einer spielerisch zwar arg limitierten, aber letztlich erfolgreichen Abwehrschlacht am Montag in Nordirland (1:0) ist genau das allerdings eingetreten. Und es ist keine allzu kühne Prognose mehr, dass dem deutschen Team das Ticket für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Mexiko, Kanada und den USA nicht mehr zu nehmen sein dürfte, wenn sie im November so seriös auftritt wie gegen Luxemburg und der ersten Hälfte in Nordirland.

Nagelsmann hat die richtigen Schlüsse gezogen

In der lauten und hitzigen Atmosphäre des Windsor Park zu Belfast bestand die deutsche Mannschaft am Montagabend den größten Härtetest dieses Lehrgangs, auch wenn sie in der zweiten Hälfte schwamm und in diesen zweiten 45 Minuten offenbarte, wie fragil das Gebilde acht Monate vor der WM noch immer ist. Aber sie überstand die kritische Phase letztlich und fügte den Gastgebern damit die erste Heimniederlage seit fast zwei Jahren zu.

Dass Nagelsmann dabei exakt lange Zeit auf jene elf Spieler vertraute, die bereits am Freitag souverän die Aufgabe gegen den krassen Außenseiter aus Luxemburg gelöst hatten, war ein Indiz dafür, dass der 38-Jährige seine Schlüsse aus dem September-Lehrgang gezogen hatte.

Waren seine personellen und taktischen Entscheidungen vor allem beim 0:2 in der Slowakei noch schiefgegangen - man denke nur an die unglückliche Positionierung des Debütanten Nnamdi Collins -, hielt er diesmal in beiden Partien an Personal und Formation fest. Dass er dabei den vielen Experten, die genau das gefordert hatten, entgegenkam, dürfte dem zuletzt auffallend schmallippigen Bundestrainer etwas zusätzliche Ruhe verschaffen.

Wirtz kämpft, Woltemade trifft: Das darf den deutschen Fans Hoffnung machen

Die Entscheidung, Joshua Kimmich zurück auf die rechte Abwehrseite zu beordern, erwies sich in beiden Partien als richtig, weil das Mittelfeldduo Leon Goretzka und Aleksandar Pavlovic sich aus dem Klub bestens kennt, während der DFB-Kapitän die Vakanz hinten rechts schloss. Das gegen Luxemburg noch defensiv arbeitslose Abwehrduo Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah überstand im Verbund mit Keeper Oliver Baumann die zahlreichen kritischen Momente in der zweiten Hälfte gegen die Nordiren am Ende schadlos.

Und auch dass Nick Woltemade - per Schulter - in Belfast das erste Tor seiner noch kurzen Länderspiel-Karriere feiern durfte, Serge Gnabry seine gute Klubform auch im DFB-Trikot unter Beweis stellte und Florian Wirtz aktiv versucht, sich aus dem Leistungstief seit seinem Sommertransfer zum FC Liverpool herauszukämpfen, darf den deutschen Fans etwas Hoffnung machen.

Vor allem aber scheinen die Nationalspieler inzwischen deutlich stärker als noch im September verinnerlicht zu haben, dass es mit halber Kraft und Aufmerksamkeit nicht geht. Gegen Luxemburg präsentierten sie sich über weite Strecken wach, aktiv und energisch - vor allem im Spiel gegen den Ball, das zuletzt ohne die verletzten Topstars Kai Havertz und Jamal Musiala noch zu den klaren Schwächen dieser Mannschaft gehört hatte. In Nordirland stemmte sie sich gegen den in der zweiten Hälfte viel Druck machenden Gegner. Damit legte sie den Grundstein für zwei Siege, bei denen es zwar Abzüge in der B-Note gab, weil offensiv bei weitem noch nicht alles ineinandergriff, die oft beschworenen Basics aber immerhin stimmten.

Ohne Zweifel profitierte die deutsche Mannschaft dabei auch davon, dass die vielen Münchner und Dortmunder in ihren Reihen genau das zuletzt auch bei ihren Klubs ausgezeichnet hat.

Im November muss die Mannschaft an die Oktober-Leistungen anknüpfen

Entscheidend wird nun sein, an die besseren Phasen dieses Lehrgangs im November in Luxemburg (14. November, 20.45 Uhr) und gegen die Slowakei in der Leipziger Arena (17. November, 20.45 Uhr) anzuknüpfen und die in Belfast zu erkennenden Schwächen bezüglich der Spielkontrolle und Offensivpower weiter konsequent abzuarbeiten, um die zuletzt wieder größere Zahl der Zweifler und Skeptiker wieder von sich zu überzeugen. Wie schnell das gehen kann, haben die Monate vor der Heim-EM 2024 gezeigt.