Was passierte wirklich nach dem Champions-League-Halbfinale zwischen Inter Mailand und dem FC Barcelona? Wochen nachdem seine Mannschaft in einem mitreißenden 3:4-Spektakel ausgeschieden war, war Barca-Chefcoach Hansi Flick von der UEFA wegen eines nicht näher definierten "unsportlichen Verhaltens" für eine Partie gesperrt worden. Seit Donnerstag sind die Details bekannt.
Wie aus der Urteilsbegründung der UEFA hervorgeht, war es nach dem Abpfiff in den Katakomben des San Siro zu einer Auseinandersetzung gekommen. Auslöser war, dass einige Barca-Spieler, darunter Robert Lewandowski, zur Dopingkontrolle mussten. Nach Aussage des für die Partie zuständigen UEFA-Delegierten, der sich auch auf den UEFA-Dopingbeauftragten bezog, sei Letzterer von Barca-Profis beleidigt worden. "Als sie ihn sahen, riefen sie: 'UEFA-Mafia, schämt euch, was macht ihr da!'", berichtete der Delegierte. Auch der Ausspruch "Fuck UEFA" soll gefallen sein.
Teamkollegen hätten Lewandowski aufgefordert in die Kabine zurückzukehren und begonnen, ihn "physisch zurückzudrängen", worauf der Dopingbeauftragte den Torjäger an seine Pflichten erinnert habe. "Zu diesem Zeitpunkt soll sich der Cheftrainer von Barcelona, Hans Flick, besonders aggressiv verhalten und gerufen haben: 'Die Gewinner stehen im Finale, wir nicht - ihr habt keine Seele!'" Der Dopingbeauftragte soll von "einem Spieler und anderen Mitarbeitern" sogar geschubst worden sein.
Außerdem stand der Vorwurf im Raum, dass Lewandowski und der ebenfalls für die Dopingkontrolle ausgewählte Lamine Yamal "sich etwa sieben Minuten lang unbeobachtet in der Umkleidekabine" befunden hätten, was die Beteiligten des FC Barcelona jedoch bestritten. Die Tür sei stets geöffnet gewesen, berichtete Lewandowski, der später wie Yamal mit einer 5000-Euro-Geldstrafe davonkam.
Flick entschuldigt sich - ärgert sich aber über "unhöflichen, aggressiven Tonfall"
Flick selbst entschuldigte sich dem UEFA-Urteil zufolge für Verhalten, hielt in seiner Aussage aber auch fest, vom "unhöflichen, unsympathischen und sogar aggressiven Tonfall" des medizinischen Personals des UEFA "überrascht" worden zu sein. "Es scheint, als hätten sie die angespannte Atmosphäre in diesem Moment überhaupt nicht wahrgenommen." Laut Flick war es zuvor zu einer "lautstarken Auseinandersetzung" zwischen Mitgliedern beider Teams gekommen, die "zeitweise außer Kontrolle" geraten sei.
Letztlich blieben die Folgen überschaubar: Flick wurde mit einer Geldstrafe belegt, die Entscheidung wurde nach erfolgreichem Einspruch seines Arbeitgebers zur Bewährung ausgesetzt. So durfte er beim Champions-League-Auftakt in Newcastle (2:1) vor drei Wochen auf der Bank sitzen.