Fußball macht Spaß! Da sind wir uns doch alle einig? "Jaaa!", würden jetzt wahrscheinlich die Jungs und Mädels einer F-Jugend-Mannschaft wie aus einem Mund rufen, wenn man ihnen diese Frage direkt stellte.
Doch Fakt ist leider auch: Werden die Kids älter, verlieren viele oft die Lust am Fußball. Sie überlegen aufzuhören oder haben dies bereits getan. Nun könnte man mit Blick auf Deutschland sagen, dass der DFB immer noch der mitgliederstärkste Verband ist und so viele Kinder und Jugendliche Fußball spielen - davon träumen andere Sportverbände. Und doch ist es natürlich wichtig, dass nicht nur jedes einzelne Kind, das mal angefangen hat, dabeibleibt, sondern dass es das eben vor allem auch mit Spaß und Freude über viele Jahre macht.
Drop-Out im Jugendfußball
Yannick von Xylander hat sich dieses Themas im Rahmen seiner mittlerweile eingereichten Bachelor-Arbeit zum Abschluss seines Studiums im Sportmanagement angenommen. Der 24-Jährige, der neben seinem Studiengang nicht nur Jugendcoach und -leiter beim SV Münsing-Ammerland nahe dem Starnberger See ist, sondern auch seit dreieinhalb Jahren als Trainer der Münchner Fußballschule (MFS) arbeitet, hat in einer Umfrage dazu aufgerufen, dass die Teilnehmer verraten, aus welchen Gründen sie aufgehört haben.
Da es sich um ein duales Studium handelt, hatte er ein Thema gesucht, das spannend ist und aus dessen Auswertung zugleich die MFS im Rahmen ihrer Arbeit einen Mehrwert ziehen kann: "Drop-Out im Jugendfußball - Chancen und Herausforderungen am Beispiel der Münchner Fußballschule".
247 Kinder und Jugendliche machten mit, 78 davon hatten bereits wieder aufgehört mit dem Kicken. Die im ersten Moment erschreckend hohe Zahl relativiert sich dadurch, dass von Xylander ja auch bewusst diese Zielgruppe ansprach.
Nicht mehr attraktiv genug
Ziemlich weit vorne bei den Antworten: Viele Kinder, 17 der 78, sind zu einer anderen Sportart gewechselt, woraus sich durchaus auch schlussfolgern lässt, dass der Fußball in seiner Gesamtheit nicht attraktiv genug für sie war, um alle Bedürfnisse zu erfüllen. Von Xylander sieht das zweigeteilt: "Gerade in jungen Jahren ist wichtig, dass Kinder mehrere Sportarten ausüben, auch mit Blick auf Beweglichkeit und Motorik. Zum Beispiel von der Leichtathletik und dem Turnen kann der Fußball profitieren." Aber er weiß auch, dass es die Planung für Trainer erschwert, wenn das Kind sich dann am Samstag zwischen dem Tennis- und dem Fußballmatch entscheiden soll.
Und hier scheint der Fußball schlechter abzuschneiden: Von den 43 Kids, die in zwei Sportarten parallel aktiv waren, haben 34 mit der anderen weitergemacht, also 79,1 Prozent, nachdem sie mit dem Fußball aufgehört hatten. Es scheint also an der Zeit für den Fußball und seine Verbände, aus dem Elfenbeinturm zu steigen und zu erkennen, dass er nicht die allein selig machende Sportart ist. Möglicherweise, weil Faktoren, die zum Aufhören geführt haben, in anderen Bereichen nicht so ausgeprägt sind? Die Umfrage jedenfalls spiegelt beim Fußball Unzufriedenheit in verschiedenen Bereichen wider: mit dem Team, dem Trainer, zu geringen Einsatzzeiten.
Was kann man verbessern?
Wie also kann man dem entgegensteuern, im Idealfall auch präventiv? Die Verbände, die Vereine und die Trainer?"Genau das habe ich am Ende der Bachelorarbeit thematisiert", sagt von Xylander: "Es sind erst mal die Verbände gefragt, wenn es darum geht, die Jugendtrainer richtig auszubilden. Die Wünsche der Kids sollten berücksichtigt werden, da geht es in erster Linie um Spaß, aber auch um das Verbessern der eigenen Fähigkeiten. Und beides kommt letztlich zu kurz."
Alarmierend ist, wie schlecht die Jugendtrainer insgesamt bewertet werden seitens der Kids, also jene, auf die es letztlich ankommt, wenn Spaß, Können und Wissen an die Jugendlichen vermittelt werden sollen. Auf die Frage, ob die Trainer "während deiner Jugend deinen Anforderungen an ihre Eigenschaften entsprochen" haben, antworteten nur 14 der 247 "immer", doch insgesamt 146 waren nicht wirklich oder zumindest nicht komplett zufrieden: zwei waren es sogar "nie", 44 "selten", 100 nur "teilweise".
Auch Trainerfähigkeiten spielen eine wichtige Rolle
Und dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob ein Trainer Fachwissen mitbringt, sondern es dreht sich um menschliche Komponenten, die für die Kids wichtig sind bei dem, was die Trainer leisten sollen: Motivation, Fairness, Empathie. All das könnte theoretisch jeder aufbringen. Doch vielleicht sind wir auch an diesem Punkt bei einem Spiegelbild der Gesellschaft?
Die Realität ist natürlich, dass man in vielen kleinen Klubs froh ist, wenn sich mangels Trainern überhaupt ein Elternteil dazu bereit erklärt, die Einheiten zu leiten und seine Freizeit damit zu verbringen. Die Ansprüche sollten da wahrscheinlich von allen runtergeschraubt werden, andererseits könnte die genannten Eigenschaften wirklich jede und jeder mitbringen. Doch grundsätzlich ist natürlich wichtig, dass Kinder durch (sozial)kompetente Vorbilder lernen, sportlich wie menschlich.
Der fußballerische Aspekt könnte Trainern zum Beispiel durch "Onlineschulungen oder Erklärvideos vermittelt werden, da sind die Verbände gefragt", so von Xylander. Diese Videos gibt es zum Teil ja schon, aber vielleicht muss mehr Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden. Wichtig ist letztlich aus Vereinssicht, dass alle Kinder ihrem Können und Potenzial entsprechend abgeholt und mitgenommen werden sollten, im Leistungsbereich wie auch im Breitensport. Dann können alle spielen - und niemand verliert die Lust und den Spaß. Denn nur auf der Bank zu sitzen bringt keinen weiter.
Fazit
"Das Wichtigste ist, dass die Kinder den Spaß am Fußball nicht verlieren. Sie sollen mutig bleiben. Sich nicht unterkriegen lassen vom Leistungsdruck." Das ist die Message hinter seiner Umfrage, so von Xylander, der auch an die Vereine appelliert, bei der Auswahl der Coaches eben besonders auf die menschliche Komponente zu achten. Wird vieles davon berücksichtigt, muss nicht nach der C- oder B-Jugend Schluss sein mit dem Fußball. Wäre schade. Denn was gibt’s denn Schöneres?