Nach seiner Rücken-Operation im Juli kämpft Marc-André ter Stegen gerade um sein Comeback. Nach seiner öffentlichen Degradierung zur Nummer 3 beim FC Barcelona hinter dem aktuell ebenfalls verletzten Joan Garcia und Wojciech Szczesny schien bislang klar: Wenn der 33-jährige Schlussmann wieder fit ist, wechselt er im Winter den Klub, um Spielpraxis im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer zu bekommen. Für den Fall, in Form und im Rhythmus zu sein, hatte ihm Bundestrainer Julian Nagelsmann stets den Nummer-1-Status versprochen. Aber: nur für diesen Fall.
Spielpraxis ist Nagelsmanns Bedingung für einen festen Platz
Am Mittwoch nun verkündete die spanische Sportzeitung AS, der gebürtige Mönchengladbacher habe sich entschieden, nicht zu wechseln, sondern über den Winter hinaus bei Barca zu bleiben. Bestätigt ist diese Meldung von offizieller Seite bislang nicht. Aber: Was würde ein mögliches Bank- oder Tribünen-Szenario für die WM in den USA, Kanada und Mexiko bedeuten? Der Bundestrainer hatte im Wortlaut gesagt: "Marc ist die Nummer 1. Wenn er spielt." Die Übersetzung für den gegenteiligen Fall ist klar. Praxis ist die Bedingung für den festen Platz.
Unklar ist, was ein tatsächlicher Verbleib von ter Stegen insgesamt für Auswirkungen für die Torhüterbesetzung beim DFB hätte. Die in der Öffentlichkeit geführte Debatte um eine mögliche Rückkehr von Manuel Neuer hatte Nagelsmann zuletzt abmoderiert mit dem Verweis auf die starken Leistungen von Baumann ("Wir haben in den letzten zehn Spielen keines wegen eines Torwart-Fehlers verloren. Wir haben kein Torwart-Thema"). Er hat dies aber natürlich auch in der Annahme getan, dass ter Stegen ab dem kommenden Januar wieder Spielpraxis sammeln und sich damit für das Turnier im Sommer in Form bringen kann.
Selbst Baumann, in Abwesenheit ter Stegens, ein starker Rückhalt, hatte im kicker-Interview diese Vorgehensweise des Bundestrainers gestützt. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine klare Hierarchie ebenso hilft wie eine klare Kommunikation. Ich freue mich extrem, dass ich derzeit spiele. Und natürlich möchte ich auch so lange und so oft wie möglich spielen. Aber wenn Julian irgendwann kommt und sagt, dass Marc jetzt wieder spielt, dann werde ich mich nicht querstellen, sondern Marc so unterstützen, wie ich das vorher immer gemacht habe."
Bliebe ter Stegen nun tatsächlich in Barcelona und in der angekündigten Zuschauer-Rolle, stünden sämtliche Planspiele des DFB rund um die Torhüterbesetzung bei der WM 2026 auf dem Prüfstand.