Die SG Wattenscheid 09 zählt für viele Trainer der Oberliga Westfalen zu den heißesten Aufstiegskandidaten der kommenden Saison. In einer RevierSport-Umfrage nennen zahlreiche Übungsleiter die 09er als Titelfavoriten - und schüren damit hohe Erwartungen. Intern allerdings bleibt man bewusst auf dem Teppich.
"Wir wollen unter die Top 6", verrät Sportdirektor Richard Weber und verweist auf die Ausgeglichenheit der Liga: "In dieser Saison deutet sich ein breites Rennen um den Aufstieg an. Einen klaren Topfavoriten wie im Vorjahr sehe ich nicht." Mit Klubs wie Rot Weiss Ahlen, Westfalia Rhynern oder dem ASC Dortmund rechnet Weber fest - auch wenn nicht alle ihre Ambitionen öffentlich formulieren.
Hinter dem einstigen Bundesligisten liegen bewegte Jahre: Insolvenz, sportlicher Rückzug, zwischenzeitlicher Wiederaufstieg in die Regionalliga - und der sofortige Abstieg zurück in die Oberliga. Nach der Phase der Konsolidierung unter dem neuen Sportvorstand Ertan Ilce deutet sich nun eine neue sportliche Perspektive an.
Einen Schub gibt auch die Rückkehr ins modernisierte Lohrheidestadion. Neue Tribünen, ein erweiterter VIP-Bereich und eine zeitgemäße Infrastruktur sorgen für professionelle Rahmenbedingungen. "Wir sind sehr guter Dinge, dass dort alle Heimspiele ausgetragen werden können", so Weber.
Rückkehrer und Schlüsselspieler im Fokus
Symbolfigur des personellen Umbruchs ist Ilias Anan. Der frühere 09-Jugendspieler hatte mit elf Toren und elf Vorlagen vor zwei Jahren maßgeblichen Anteil am Aufstieg von Türkspor Dortmund in die Regionalliga, kehrt nun an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dieser Transfer habe "Signalwirkung", findet Weber.
Gemeinsam mit dem physisch starken Angreifer Kevin Schacht (zuletzt von den Sportfreunden Lotte an den SV Schermbeck ausgeliehen) und dem treffsicheren Robert Nnaji, der in der vergangenen Saison 13 Treffer erzielte, bildet Anan eine schwer auszurechnende Offensive. Auch defensiv erhofft sich Wattenscheid neue Stabilität: Die Verpflichtung des drittligaerprobten Innenverteidigers Albin Thaqi (Sportfreunde Lotte) soll der Abwehr zusätzliche Sicherheit geben.
Yesilova und Loheider spielen keine Rolle mehr
Trotz vielversprechender Neuzugänge betont Sportchef Weber die Bedeutung der Kontinuität: "Das Wichtigste ist, dass wir die Spieler, die das Gerüst der Mannschaft bilden, auch halten konnten." Gleichzeitig markiert der personelle Schnitt eine klare sportliche Neuausrichtung. Routiniers wie Emre Yesilova und David Loheider erhielten bewusst kein neues Angebot. Letzterer trainiert aktuell bei der zweiten Mannschaft (Kreisliga C).
Auf links verliert Wattenscheid mit Semih Sarli (wechselt zur U 21 von Arminia Bielefeld) ein Talent mit Perspektive. "Er möchte dort die Chance nutzen, es in den Zweitliga-Kader zu schaffen - das ist absolut nachvollziehbar", sagt Weber. Hinzu kommt der langfristige Ausfall von Neuzugang Nico Pulver, der vom VfL Bochum II kam und an einem Achillessehnenriss laboriert. Der Klub sucht zunächst intern nach Lösungen, eine externe Nachverpflichtung ist vorerst kein Thema.
Trainer Christopher Pache steht vor der Aufgabe, aus dem veränderten Kader ein funktionierendes Gebilde zu formen - mit klarem Plan: "Wir wollen intensiven, aggressiven und mutigen Fußball spielen - mit viel Ballbesitz, frühem Gegenpressing und hoher Laufbereitschaft", so Weber. Flexibilität und taktisches Gespür seien dabei ebenso gefragt wie defensive Mitarbeit im Offensivbereich.
Die bisherigen Testspiele liefern durchwachsen, wenig belastbare Erkenntnisse: Drei Siegen - darunter ein 10:3 gegen Schwarz-Weiß Wattenscheid 08 - stehen zwei knappe 2:3 Niederlagen gegen den SV Wilhelmshaven und die U 21 von De Graafschap gegenüber. Deutlich mehr Aufschluss dürfte der anstehende Härtetest gegen Oberliga-Niederrhein-Topteam KFC Uerdingen bringen. Anstoß ist am Mittwoch um 19.15 Uhr im Krefelder Grotenburg-Stadion.