Ein kontrollierter Sieg gegen den 1. FC Köln, eine verdiente Niederlage gegen den FC Bayern und ein verlorener wilder Schlagabtausch mit Eintracht Frankfurt: So wäre wohl der Saisonstart von RB Leipzig einzuordnen. Vor allem das 0:3 gegen die Münchnerinnen hatte vor etwas mehr als einer Woche Spuren hinterlassen. So hatte die Sportliche Leiterin Viola Odebrecht scharf kritisiert, dass sich die Leipzigerinnen "opferhaft hingestellt" hätten.
Trainer Jonas Stephan hatte dem zunächst widersprochen. Mit etwas Abstand aber kann er diese Sichtweise offensichtlich besser nachvollziehen. "Wenn wir jetzt nochmal gegen Bayern spielen würden, würde ich es wahrscheinlich anders vorbereiten", sagte er in einer Medienrunde am Mittwoch. Sein Team habe ein "sehr kontrolliertes Spiel" haben wollen, "sehr viel tief verteidigen, sehr wenig anbieten. Vielleicht wurde uns zu Recht an der einen oder anderen Stelle ein bisschen Passivität oder fehlender Mut vorgeworfen."
Auch deswegen wählte der 33-Jährige gegen Eintracht Frankfurt das geöffnete Visier - und erntete ein 3:4. Gegen den Hamburger SV an diesem Donnerstag (19 Uhr) sind die Sachsen nun wieder in der Favoritenrolle. Ob die angeschlagene Kapitänin Sandra Starke auflaufen kann, entscheidet sich kurzfristig. Dabei sein wird dagegen die andere Spielführerin Giovanna Hoffmann, die gegen Frankfurt aus etwas tieferer Position wirkte.
Leipzig hat die schwächste Zweikampfbilanz
Stephan will in der Offensive mehr rotieren, sodass Mittelstürmerin Hoffmann ab sofort hin und wieder im offensiven Mittelfeld zu finden sein wird. Beispielsweise dann, wenn Neuzugang Persis Oteng mit von der Partie ist: "Das ist keine Spielerin, die unseren Zehnerraum gut bespielen kann, sondern sie ist eher für den Tiefgang zuständig", erklärt Stephan. Stehen beide gleichzeitig auf dem Platz, rückt Hoffmann damit eher auf die Zehnerposition.
Auch über eine besorgniserregende Zahl sprach Stephan: nämlich die Zweikampfbilanz von RB. Lediglich 44 Prozent der Duelle gewinnt sein Team, mit Abstand Ligatiefstwert. "Uns fehlt dort meines Erachtens die Schärfe in 50:50-Momenten, bedingungslos in den Ball zu gehen, den Ball zu sichern", moniert der Coach. Zwar müssten sich einige Spielerinnen noch an das Bundesliganiveau gewöhnen, etwa Top-Talent Lisa Baum, gekommen aus der 2. Liga.
Unzufriedenheit herrscht trotzdem vor beim ehrgeizigen Stephan: "Man macht sich sehr viele Gedanken über die großen Fußballthemen, taktisch, wo lösen wir was, wie, in welchen Zielraum stoßen wir rein. Aber dann verlierst du im Gegenpressing den einfachen Zweikampf. Und dann hast du nichts davon, dass du vorher Sachen gut durchgespielt hast. Damit machen wir uns momentan noch Spiele kaputt."