Aus Zürich berichtet Gunnar Meggers
Rebecca Knaak machte einen entspannten Eindruck. "Unsere Akkus sind wieder aufgeladen", erzählte die Innenverteidigerin auf der DFB-Pressekonferenz im Züricher Letzigrund am Dienstag. "Aus physischer und mentaler Sicht ist es auch mal gut, Ruhe zu haben. Wir haben einige Zeit in der Eistonne und bei den Physios verbracht, sind mehr als bereit für das Spiel."
Die Belastung und die Nachwehen vom Samstag und dem kräfteraubenden 120-Minuten-Viertelfinale gegen Frankreich sind also abgeschüttelt. Der "volle Fokus", wie es in der Fußballersprache heißt, geht spätestens seit Dienstag in Richtung Halbfinale gegen Spanien an diesem Mittwochabend (21 Uhr). "Die Leistung gegen Frankreich bildet die Grundlage für jedes Spiel in Bezug auf Kampf, Leidenschaft, Willen und Geschlossenheit. Das sind die Werte, die wir verkörpern. Das alles wird auch gegen Spanien wichtig sein", erklärt Knaak, die gegen den amtierenden Weltmeister ihr erst neuntes Länderspiel absolvieren wird.
Ob die DFB-Elf im fünften EM-Spiel mit taktisch veränderter Abwehrformation an den Start geht, lässt Christian Wück offen. Personell muss der Bundestrainer mindestens zwei Änderungen gegenüber dem Frankreich-Spiel vornehmen, da die Wolfsburgerin Sarai Linder, die zuletzt auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz kam, mit einer Verletzung am Sprunggelenk ausfällt. Hinzu kommt, dass Innenverteidigerin Kathrin Hendrich wegen ihrer Roten Karte gegen Frankreich im Halbfinale gesperrt ist, im Siegesfall aber im Finale am Sonntag in Basel wieder gesetzt werden dürfte.
"Es spricht für das Team, dass wir jede Situation so angenommen haben, wie sie passiert ist - und es sind viele ungewöhnliche Situationen passiert. Am Ende ist es egal, wer neben wem spielt. Wir sind ein Team, und dafür haben wir den gesamten Kader", ist Knaak überzeugt. Neben ihr könnte am Mittwochabend Janina Minge beginnen - es sei denn, die Kapitänin rückt wieder aus der Abwehrkette nach vorne und agiert als Verbindungsspielerin zum Mittelfeld. In diesem Fall wird die Neu-Wolfsburgerin Sophia Kleinherne neben Knaak beginnen.
Kett hat sich vermutlich festgespielt
Auf der rechten Abwehrseite steht Carlotta Wamser wieder zur Verfügung, die gegen Frankreich rotgesperrt nur zusehen durfte. Links hat sich Franziska Kett nach ihrem starken Auftritt im Viertelfinale vermutlich festgespielt.
Auch im Mittelfeld muss Wück handeln, denn Vize-Kapitänin Sjoeke Nüsken muss eine Gelbsperre absitzen. Für Nüsken könnten Sara Däbritz oder Sydney Lohmann in die erste Elf rücken. Einen Einblick in seine Gedankenwelt bezüglich der taktischen Ausrichtung und des Personals gewährte der Bundestrainer nicht.