Es bleibt spekulativ, was gewesen wäre, wenn Justin Njinmah in dieser 4. Minute am Dienstagabend in Dortmund im Augenwinkel den mitgelaufenen Jens Stage wahrgenommen hätte - doch später erklärte der Werder-Angreifer: "Ich habe ihn nicht gesehen."
Mit dem ersten Kontakt hätte Njinmah den Mittelfeldspieler in eine ziemlich freie Abschlusssituation vor BVB-Keeper Gregor Kobel versetzen können. Eine, die weitaus aussichtsreicher gewesen wäre als die eigene.
Njinmahs Abschluss wiederum prallte dann genauso am Dortmunder Torwart ab wie später in Minute 18 noch einmal bei seinem versuchten Lupfer. Von diesen "zwei sehr guten Möglichkeiten", wie der 25-Jährige selbstkritisch eingestand, "muss eine auf jeden Fall rein".
Zwei Punkte aus sechs Spielen
Und da es sich dabei um die einzigen nennenswerten Bremer Chancen handelte, nahm Njinmah die anhaltende frappierende Sturmflaute gewissermaßen auch auf seine Kappe: "Dass du die Chancen, die du in Dortmund bekommst, reinmachen musst, ist klar - wenn du sie nicht machst, verlierst du halt."
Stattdessen leitete ein "billiges Eckballtor" (Njinmah) letztlich die 0:3-Niederlage in Dortmund ein, es war die vierte in den vergangenen sechs Ligaspielen, bei lediglich zwei errungenen Unentschieden. Werder bleibt eines der aktuellen Sorgenkinder der Bundesliga. Nur: Sorgen sich auch die Protagonisten ausreichend um den weiteren Saisonverlauf?
Das altbekannte Werder-Problem
Öffentlich halten sich derlei Töne noch deutlich in Grenzen. Worte wie Klassenerhalt, Abstiegskampf oder Negativtrend sind bislang kaum vernehmbar in den Ausführungen von Spielern und Verantwortlichen.
Vielmehr wurde sich auch in Dortmund an einem "guten Spiel" (Kapitän Marco Friedl), einem spielerischen "Fortschritt" (Trainer Horst Steffen) oder wahlweise "Schritt nach vorn" (Sportchef Clemens Fritz) entlanggehangelt.
Tatsächlich gehört ja zur Wahrheit, dass ein solcher zumindest in Durchgang eins vernehmbar war - allerdings auch einmal mehr nur bis zum letzten Drittel. Dort bleibt es beim altbekannten Problem, das zunehmend gefährlicher anmutet. Ohne Stürmertore dürfte es schwierig werden, sich die Abstiegszone weiter vom Hals zu halten.
Njinmah: "Wir können ja alle schießen"
Dass es Werder prinzipiell weniger an Abschlussqualität fehlt denn zurzeit an Selbstvertrauen, befand zumindest Njinmah: "Wir können ja alle schießen, im Training gehen dann solche Bälle rein. Das ist der Flow, der aktuell einfach fehlt."
Von Resignation wollte der Angreifer daher auch nichts wissen: "Das Letzte, was ich jetzt machen werde, ist, daran zu zweifeln, dass wir Tore machen können - weil wir dann gar nicht mehr zu spielen brauchen." Doch die Zweifel sind natürlich angebracht, nicht nur durch das zusätzlich anspruchsvolle Programm der kommenden Gegner Frankfurt (Freitag, 20.30 Uhr, LIVE! bei kicker), Leverkusen und Hoffenheim.
Njinmah jedoch wollte dies in Dortmund weder als Ausrede noch als Alibi gelten lassen, sagte: "Ich bin mir sicher, dass wir punkten werden." Und weiter: "Man hat Abläufe gesehen, die geklappt haben. Wenn wir darauf aufbauen, mache ich mir keine Sorgen …"