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Wieder abgeschlagen am Tabellenende: Schott Mainz und die Suche nach dem Momentum

kicker

Seit zwei Jahren und ein paar Tagen ist Samuel Horozovic im Amt. Der 28-Jährige übernahm den TSV Schott Mainz genau dort, wo er jetzt wieder steht: am Tabellenende der Regionalliga Südwest - mit einem Punkteschnitt, der kaum Hoffnung macht. Doch der Trainer sagt: "Ich bin sicher, dass wir eine Serie starten können, wenn wir einmal das Momentum auf unsere Seite gezogen haben".

Serien gab es schon, doch der spektakulär unschönen Art. In sechs Spielen am Stück fingen sich die Mainzer eine Ampelkarte. Nun, gegen Steinbach (1:4), gab es gleich drei Elfmeter für den Gegner, unmittelbar nach Anstoß, Wiederbeginn und eigenem Anschlusstor. Die Konsequenzen: sieben Liga-Pleiten am Stück, zwölf Spiele ohne Sieg.

Vorige Woche, bei den Kickers Offenbach (1:3), schien Shai Neal früh auf dem Weg zum Führungstor - und musste seinen Lauf abbrechen. Zerrung! Abwehrchef Dominik Ahlbach bekam in demselben Spiel einen Freistoß aufs Ohr geschossen. Loch im Trommelfell! Es kommt derzeit alles zusammen.

„Das würde im Körper so viel auslösen.“ (Samuel Horozovic über die Bedeutung eines Führungstreffers)

Wobei der Eigenanteil an der Niederlagenserie das Entscheidende ist. Hoch anlaufen und ins Gegenpressing gehen, wie gegen Steinbach, funktioniert nicht ohne die entsprechende Zweikampfquote. Im Block verteidigen und auf Nadelstiche setzen, wie in Offenbach, nicht ohne technisch saubere Umschaltangriffe und mit schwacher Torwartleistung.

Sechs Ligaspiele lang gingen die Mainzer nicht in Führung. "Das würde im Körper so viel auslösen", sagt Horozovic. Immer wieder versucht der 28-Jährige, seiner Mannschaft mit detaillierten Gegneranalysen, akribisch ausgetüftelten Matchplänen und neuen Ideen für das Training die entscheidenden Impulse zu geben. Eine Stunde lang saßen die Spieler nach der Steinbach-Pleite noch im VIP-Zelt zusammen. Der Teamgeist, der Zusammenhalt, sind jetzt das Wichtigste, betont Horozovic.

Die ersten Rechenspiele starten

Seit einigen Jahren steigt der Meister - und nur er - direkt auf. Seither hatten die punktbesten Absteiger aus einer normalen 18er-Runde zwischen 29 und 39 Punkten. Um auf seine fünf Zähler 25 bis 35 draufzupacken, hat der TSV noch 21 Spiele Zeit. Leicht zu errechnen, was für einen Schnitt der Aufsteiger fortan spielen müsste. 21 Punkte aus 11 Spielen waren es im Regionalliga-Schlussspurt vor zwei Jahren. Als der Ligaerhalt praktisch aussichtslos war und immer mehr Gegner austrudeln ließen.

Und doch klammern sie sich in Mainz an diese Phase, in der die Rädchen ineinander griffen, die Brust immer breiter wurde, kämpferische und spielerische Mittel sich ergänzten. Elf Spieler aus dem aktuellen Kader erlebten sie mit. Und es sind, wie die Verantwortlichen immer wieder, fast schon ungläubig, vorrechnen, ja nur sechs Punkte bis zum "Strich".

Strukturelle Nachteile

Doch klar ist auch: In einer Liga mit immer mehr Profis und Halbprofis ist die Mainzer Mannschaft, die im Großteil morgens auf die Arbeit oder in den Hörsaal fährt, strukturell im Hintertreffen. Da können sie beim TSV, nach Amateur-Maßstäben, noch so außergewöhnliche Bedingungen geschaffen haben. Daniel Bohl, zum Beispiel, kam nach Nachtschicht und drei Stunden Schlaf zum Steinbach-Spiel und kämpfte sich 90 Minuten durch.

Die Mannschaft vermittelt den Eindruck, unbedingt zu wollen. Nach dem Gastspiel bei den Stuttgarter Kickers (Samstag, 14 Uhr) folgen fünf Gegner, mit denen sich die Mainzer auf relativer Augenhöhe wähnen. Höchste Zeit für eine Serie, und zwar eine positive.