Das Spiel beim FC Basel war ein Offenbarungseid der Winterthurer. Von der ersten Minute an waren die Gäste beim Schweizer Meister heillos überfordert, darüber täuscht auch das kurze Aufbäumen nach dem 0:1 nicht hinweg. Die Analyse im Studio bei blue Sport war schonungslos. Alex Frei sprach von einer falschen Taktik des Trainers nach der Systemumstellung auf diese Partie hin. Es sei schlicht Wahnsinn, gegen den FC Basel über das ganze Feld hinweg ins Eins-zu-eins-Pressing zu gehen. Dafür reichten die Qualitäten der Winterthurer nicht aus.
In der Nachbetrachtung schien es der letzte verzweifelte Versuch von Uli Forte zu sein, seinen Job am Rheinknie zu retten. Der Zürcher dürfte gespürt haben, dass es nicht mehr allzu viele Niederlagen verträgt. Dennoch war sein Interview nach der Partie etwas eigenwillig. Bis auf einzelne Momente, die zu wenig resolut verteidigt wurden, sah Forte positive Ansätze. Auch streicht Uli Forte die Leistung in der zweiten Hälfte heraus, als der FCW keinen Gegentreffer mehr hinnehmen musste. Zur objektiven Wahrheit gehört aber: Tritt Basel so effizient auf wie in Genf oder zu Hause gegen Stuttgart, fängt sich Winterthur im St. Jakob-Park ein halbes Dutzend ein. So war auf der Gegenseite Ludovic Magnin mit der Chancenverwertung seiner Mannschaft nicht restlos glücklich. Es mutet bizarr an, wenn gefühlt der Trainer, der eine 0:3-Niederlage einstecken musste, zufriedener zum Interview auftaucht als der Coach des Siegers.
Dazu konnte Uli Forte seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie habe so agiert, wie es die Marschroute war: "Wir wollten mutig sein, wir wollten nach vorne spielen." Damit nimmt der Trainer lobenswert die Schuld auf sich, doch er offenbart damit auch, dass er sich einen kolossalen taktischen Fehlgriff in Basel geleistet hat. Die Konsequenz von Seiten des Vereins erfolgte zwei Tage später mit der Freistellung.
Am gleichen Punkt wie im Vorjahr
Uli Forte hat sich einen hervorragenden Ruf als Feuerwehrmann erarbeitet. In einer scheinbar aussichtslosen Situation hat Forte im Vorjahr den FCW übernommen. Am Ende stand nach einer tollen Aufholjagd der direkte Klassenerhalt. Doch auch beim FC Winterthur blieb der 51-Jährige den Beweis schuldig, eine Mannschaft langfristig weiterentwickeln zu können. Das Ergebnis ist eindeutig: Platz zwölf und schon wieder ist das rettende Ufer ein weites Stück entfernt.
In diesem Jahr fehlen dem FCW nach dem schlechten Saisonstart sechs Punkte auf die Konkurrenz. Was die Situation im Vergleich mit dem Vorjahr komplizierter aussehen lässt, ist die Stärke der Konkurrenz. Die Grasshoppers hinterlassen einen gefestigteren Eindruck als noch vor zwölf Monaten. Dazu wird man in der Eulachstadt den Thuner Höhenflug nicht ähnlich wohlwollend wie in der Restschweiz begutachten. Der FCT wurde als einer der grössten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt gesehen, die Einschätzung ist nicht eingetroffen. Thun spielt wacker vorne mit, es ist nicht davon auszugehen, dass der FC Winterthur auch nur annähernd die 17 Punkte auf die Berner Oberländer aufholt. Der aktuell Elftplatzierte ist Servette Genf. Der Zweitplatzierte der Vorsaison wird seinen Ansprüchen noch nicht annähernd gerecht und es darf davon ausgegangen werden, dass die Grenats in Zukunft regelmässiger punkten werden.
Vom Profil her braucht der FCW einen Uli Forte
Winterthur braucht jetzt schnelle Besserung. Punkte müssen umgehend her, soll der Abstieg nicht schon feststehen, wenn die ersten Osterglocken blühen. Immerhin hat die Vereinsführung in dieser Saison früher reagiert. Ognjen Zaric durfte im Vorjahr die Winterthurer bis im Dezember führen. Dennoch brauchen die Zürcher wieder einen Trainer vom Profil "Uli Forte". Dazu braucht der FC Winterthur ein ähnliches Wunder wie im Vorjahr. Träumen dürfen die Anhänger beim FCW, denn Wunder geschehen schliesslich - aber nur in den seltensten Fällen zweimal.