Was war passiert? In der 14. Spielminute hatte Ibrahima Konaté seinen Landsmann Hugo Ekitiké mit einem langen Ball auf die Reise geschickt. Der Franzose behauptete sich im Duell mit Leeds-Verteidiger Jaka Bijol, der dabei äußerst griffig und an der Grenze des Erlaubten zu Werke ging. Die Aktion mündete zwar noch in eine gute Chance: Ekitiké legte quer auf Florian Wirtz, dessen Schuss geblockt wurde. Doch anschließend keimte eine Diskussion auf, ob das Halten von Bijol einen Elfmeter zur Folge hätte haben müssen.
LFC-Trainer Arne Slot nahm dieser Frage auf der Pressekonferenz zunächst den Wind aus den Segeln. "Nein, weil er auf den Beinen geblieben ist", sagte der Niederländer, der dann aber doch loslegte, sein Missfallen zu äußern. "Wäre er hingefallen, hätte es wahrscheinlich einen Elfmeter gegeben." Genau darin liege das Problem, so Slot: die fehlende Konstanz im Umgang mit solchen Szenen. "In dieser Saison haben wir so oft, wenn wir im Strafraum gefoult wurden, keinen Elfmeter bekommen. Vielleicht denken unsere Spieler deshalb: 'Ja, dann versuchen wir eben, auf den Beinen zu bleiben.'"
Konkret nannte er das Beispiel von Cody Gakpo, der beim 2:3 in Brentford Ende Oktober seines Erachtens regelwidrig zu Boden gebracht worden war, vom Unparteiischen aber nur ein müdes "Weiterspielen" zu hören bekam. "Vielleicht versuchen unsere Spieler deshalb alles, um auf den Beinen zu bleiben. Dann ist es für einen VAR schwierig einzugreifen - oder für den Schiedsrichter, einen Strafstoß zu geben."
Erst ein Elfmeter für Liverpool? "Ziemlich überraschend"
Seine Spieler künftig zum Sich-fallen-lassen anzustiften, kommt für ihn allerdings nicht infrage. "Ich werde sie nicht dazu ermutigen - und wenn ich Ihnen jetzt sagen würde, dass ich anfange, sie dazu zu ermutigen, dann würden wir wahrscheinlich nie wieder einen Elfmeter bekommen. Also, nein."
Bei dieser Aussage klang auch etwas Ironie durch, denn der LFC bekam in der laufenden Premier-League-Saison erst einen Strafstoßpfiff zugesprochen. "Für die Mannschaft, die den meisten Ballbesitz hat und so viel im und um den Strafraum des Gegners angreift, ist das vielleicht ziemlich überraschend", so Slot. Andererseits monierte der Niederländer, dass "wir einige gegen uns gepfiffen bekommen haben, bei denen es kaum Kontakt gab: Brentford auswärts, Crystal Palace im Community Shield - ich könnte endlos weitere Beispiele aufzählen."
Als Ausrede oder Grund, warum sein Team das Spiel gegen Leeds am Donnerstagabend nicht gewinnen konnte, wollte Slot die Szene beileibe nicht zu verstehen wissen. Schließlich habe seine Elf auch noch ausreichend Zeit und Möglichkeiten gehabt, anderweitig ein Tor zu erzielen. "Wir haben eine Mannschaft gesehen, die wollte, es immer wieder versuchte. Aber es war schwer für uns, eine Lücke zu finden."