Mit dem Selbstvertrauen, das die Magdeburger auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions gezeigt hatten, formten sie später auch ihre Sätze. "Wenn wir unsere Qualität auf den Platz kriegen, wird es schwierig, gegen uns zu spielen", sagte Baris Atik, der beim 2:0-Auswärtssieg des FCM bei Hertha BSC nicht nur wegen der Vorlage zum Führungstor von Alexander Nollenberger einer der Besten war. "Es ging darum, den Gegner kaputt zu spielen, bis die Räume aufgehen." Der Gegner half vor beiden Toren entscheidend mit. Das änderte aber nichts am verdienten Erfolg der Elbestädter und auch nichts am Gesamteindruck: Der 1. FC Magdeburg ist wieder in der Spur.
Nollenberger: "Jetzt kommen die Ergebnisse"
In Berlin gelang nach dem 3:0 gegen den 1. FC Nürnberg der zweite Liga-Sieg in Folge - das gab es zuletzt vor knapp einem Jahr, am 17. und 18. Spieltag der Vorsaison mit den Siegen in Düsseldorf (5:2) und in Elversberg (5:2). Das zwischen den Aufgaben gegen Nürnberg und Hertha liegende DFB-Pokal-Achtelfinale bei RB Leipzig (1:3) passte trotz des Ausscheidens in den Aufwärtstrend. Den Sieg in Berlin wertete Torschütze Nollenberger als "Erleichterung und Bestätigung für unsere Arbeit - jetzt kommen die Ergebnisse".
Die im Oktober von der zweiten Mannschaft zu den Zweitliga-Profis beförderten Trainer Petrik Sander und Pascal Ibold haben ihre Klarheit und Unaufgeregtheit aufs Team übertragen. Im Vorfeld des Spiels bei Hertha, das zuvor sieben Siege in Folge eingefahren hatte, habe man "die Serie von Hertha gar nicht so viel thematisiert", erklärte Sander. "Wir haben uns auf uns konzentriert. Die Mannschaft hat sich für einen sehr couragierten Auftritt belohnt." Und sie hat sich nach einem turbulenten ersten Saisondrittel offenbar gefangen und gefunden. Sanders Erkenntnis klang zutreffend: "Die Mannschaft wirkt mittlerweile wieder wie eine Einheit."
Atik: "Uns wurde extrem die Stärke genommen"
Über das im Oktober beendete Experiment mit Christian Titz' Nachfolger Markus Fiedler fällte Atik in den Katakomben des Berliner Olympiastadions ein hartes Urteil: "Wir hatten im Sommer einen kompletten Umbruch - auch, was das Spielsystem angeht. Uns wurde extrem die Stärke genommen. Was uns auszeichnet, was wir über Jahre aufgebaut haben, wurde uns genommen. Das konnte nicht funktionieren." Es sei eine "harte Zeit" gewesen.
Jetzt, das war Atiks Botschaft, spielt der FCM wieder wie der FCM - und vertraut der eigenen Spielstärke und seinem Ballbesitzfußball. "Man erkennt, dass wir in etwa so spielen wollen wie in den vergangenen Jahren", resümierte Keeper Dominik Reimann. "Wir wollen jeden Gegner bespielen und können uns an gute Sachen aus der Vergangenheit erinnern."
Die Rückkehr zur fußballerischen Identität der Vorjahre hat der Mannschaft spürbar Selbstvertrauen und Rückenwind gegeben, auch wenn die Ergebnisse zuletzt noch nicht durchgehend passten. "Das Problem war in den letzten Wochen, dass wir das Spiel dominiert, aber verloren haben. Da waren wir auf Augenhöhe, wenn nicht sogar besser, aber haben die Tore nicht gemacht", sagte Nollenberger. "Jetzt schaffen wir es peu à peu, die Tore zu machen und stabiler in der Defensive zu sein." Die sechs Punkte gegen Nürnberg und Hertha sollen nur der Anfang gewesen sein. Atiks Ziel: "Wir wollen in der Liga eine Serie starten." Und noch vor Weihnachten Platz 18 verlassen.