Nagelsmann hadert mit VAR-Eingriff
Am Mittwoch war das Gefühl bei Julian Nagelsmann noch "schlecht", am Sonntag trotz der Niederlage gegen Frankreich "viel, viel besser." Grundsätzlich stimmte den Bundestrainer die Leistung im Spiel um Platz 3 zufrieden, in puncto Abschlussqualität attestierte er seiner Mannschaft indes natürlich großes Steigerungspotential. Trotz einer Vielzahl an großen Möglichkeiten wollte der Ball einfach nicht im französischen Tor landen - zumindest mit Ausnahme der 53. Minute.
Da nämlich hatte Niclas Füllkrug Gegenspieler Adrien Rabiot durch robusten Körpereinsatz von der Kugel getrennt und den Weg für den vermeintlichen Ausgleich durch Deniz Undav geebnet. Nach minutenlanger VAR-Überprüfung entschied sich Schiedsrichter Ivan Kruzliak letztlich jedoch dafür, den Treffer einzukassieren. Eine strittige Entscheidung, mit der auch Nagelsmann nicht vollumfänglich d'accord ging.
„Das finde ich, ist Themaverfehlung. Das ist nicht der Sinn des VAR.“ (Julian Nagelsmann)
"Bei der Situation von Fülle kann ich verstehen, dass er Freistoß gibt", stellte der 37-Jährige zunächst am DAZN-Mikrofon dar. "Trotzdem" handelte es sich aus Nagelsmanns Sicht um einen "Regelverstoß vom Schiedsrichter", der beim Zweikampf zwischen Füllkrug und Rabiot ja "einen super Blick" auf den Ort des Geschehens hatte. "Auf einmal geht er wieder raus und schaut sich sechs Minuten Video an. Das finde ich, ist Themaverfehlung. Das ist nicht der Sinn des VAR", so der deutsche Coach.
Auch auf Grundlage der ursprünglichen Entscheidung, den Angriff nicht zu unterbinden, handelt es sich für Nagelsmann um "keine klare Fehlentscheidung." Schließlich müsse man ansonsten "ja jede Situation in der Box abpfeifen."
Abschließend war es dem Bundestrainer wichtig, nochmals klarzustellen, dass es durchaus Argumente für den Freistoßpfiff in dieser Situation gebe - aber eben nur, "wenn er sofort Foul pfeift". Da dies nicht geschah, sah Nagelsmann das Verhalten des Unparteiischen und des Video-Assistenten in diesem Fall als regelwidrig an.
Füllkrug bekommt "Ellenbogen volles Brett ins Gesicht"
Eine "extreme Fehlentscheidung" hatte unterdessen auch Füllkrug selbst nicht wahrgenommen: "Ich finde, wir gehen eigentlich gleichzeitig zum Ball im ersten Moment. Ich kriege dann seinen Ellenbogen volles Brett ins Gesicht. Also man könnte auch Gelb für ihn geben", schätzte der Hauptbeteiligte das Duell mit Rabiot ein.
Wenngleich dem Stürmer die Bewertung des Zweikampfs ebenfalls schwerfiel, war es letztlich natürlich "sehr schade", dass dieses "ganz, ganz wichtige Tor" zurückgenommen wurde. Ein weiteres Mal sollte der Ball im Anschluss nicht im Netz des französischen Tors zappeln, für Füllkrug war das Spiel um Platz 3 dennoch "ein ordentlicher Abschluss."
In der rund dreimonatigen Länderspielpause werde sich das Trainerteam nun sicherlich "zusammensetzen, darüber sprechen und für den September-Lehrgang seine Lehren daraus ziehen." Für Füllkrug und die DFB-Elf geht es dann darum, "mit einer Wahnsinnsüberzeugung in die WM-Qualifikation zu starten, dort ganz klar zu unserer Favoritenrolle zu stehen und die auch zu erfüllen."