Ein gewisser Grad der Erlösung war Daniel Brinkmann am Sonntagabend schon anzumerken. "Eine Frage der Zeit" sei der erste Auswärtssieg in dieser Saison gewesen, das habe man schon vor der Partie bei Viktoria Köln gewusst. Der Cheftrainer von Hansa Rostock versuchte, den bisherigen "Auswärtsfluch" nicht zu überdramatisieren. Dass es nun im sechsten Anlauf endlich mit dem ersten Dreier in der Fremde geklappt hat, sei trotzdem "sehr erleichternd".
Vier Remis und eine Niederlage standen vor dem 12. Spieltag in der 3. Liga auswärts zu Buche, der letzte Sieg auf fremdem Terrain datierte auf den 7. Mai. Das sollte sich dank der beiden Doppelpacker Ryan Naderi sowie Kenan Fatkic und dem 4:2-Sieg bei der Viktoria am Sonntag endlich ändern.
Brinkmann zeigte sich nach dem Spiel am Magenta-Mikrofon höchst zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. Über "60 bis 70 Minuten" sei der FC Hansa "die klar bessere Mannschaft" gewesen, "und wir haben zur richtigen Zeit die Tore gemacht". Generell sah er viele Dinge, die es lobend hervorzuheben galt: "Kaltschnäuzigkeit, Standard-Tore, Ballbesitz-Fußball, wir waren gut in den Zweikämpfen."
Sonderlob für Doppelpacker Naderi
Besonders im Fokus stand auch Naderi, der mit seinem ersten Doppelpack im Profi-Bereich seine Farben in der 20. und 24. Minute auf die Siegerstraße brachte. Fast ein halbes Jahr hatte der 22-Jährige verletzungsbedingt pausieren müssen, kam Mitte September zurück und hat seit seiner Berufung in die Startelf am 9. Spieltag in vier Spielen viermal getroffen.
"Abgesehen von den Toren, die er schießt, arbeitet er auch extrem hart gegen den Ball", schwärmte Brinkmann. "Er läuft mit am meisten in der ganzen Mannschaft, macht die meisten Sprints." Auch von Seiten der Bankspieler freute sich der Trainer über gute Akzente, wie auch schon in den Vorwochen: "Wir haben einen starken Kader."
„Das ist wie mit einer Zwiebel: Mit jedem Sieg holst du dir mehr Haut dazu, mehr Schalen, und irgendwann ist da ein Panzer.“ (Daniel Brinkmann)
Mit dem mehr drin sein darf, als der durchwachsene Saisonstart mit elf Punkten aus den ersten zehn Spielen vermuten ließ. Zwei Spieltage später aber steht die Kogge im extrem engen Liga-Mittelfeld zwar weiter auf Rang 12, mit 17 Punkten aber halt auch nur fünf Zähler hinter der Aufstiegs-Relegation.
"Wir sind immer noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Wir müssen demütig bleiben", meinte Brinkmann, bevor er einen interessanten Vergleich heranzog. "Es ist wichtig, dass wir weitere Erfolgserlebnisse sammeln. Das ist wie mit einer Zwiebel: Mit jedem Sieg holst du dir mehr Haut dazu, mehr Schalen, und irgendwann ist da ein Panzer."
Dieser Panzer würde es dann auch mal ermöglichen, Spiele zu ziehen, "in denen du das Gefühl hast, eigentlich warst du schlechter". Nur: An dem Punkt sei der FCH noch nicht angekommen, dafür benötige es noch mehr Erfolgserlebnisse, "um sicherer und selbstbewusster" zu werden.
Den nächsten Schritt gilt es am kommenden Samstag im Heimspiel gegen den SC Verl, aktuell Tabellendritter, zu machen, bevor im weiteren Verlauf des Monats Duelle mit Ulm (17.), Schweinfurt (20.) und Regensburg (15.) warten. Für Keeper Benjamin Uphoff ist die Marschroute klar, wie er bei Bild bekräftigte: "Wir hoffen, dass die Aufholjagd jetzt begonnen hat."