Aus Rotterdam berichtet Felix Buß
"Heute haben sie ihr Können unter Beweis gestellt. Deshalb bin ich persönlich stolz auf ihre heutige Leistung, denn Dänemark zu schlagen ist keine Kleinigkeit", sagte Frankreichs Nationaltrainer Sebastien Gardillou am Mittwoch nach dem Abpfiff. Mit 31:26 war seinem Team gegen den WM-Dritten Dänemark ein Start-Ziel-Sieg gelungen - stets in Führung.
"Sie haben das Viertelfinale meisterhaft bewältigt", schwärmte Gardillou, dem im bisherigen Turnierverlauf in so vielen Situationen überhaupt nicht zum Schwärmen zumute war. Das taktische Ziel sah der Trainer dabei darin, die Eins-gegen-eins-Stärke von Anne Mette Hansen zu knacken. "Sie hat bei der EM 2024 alle ihre Duelle gewonnen", sagte Gardillou.
"Es gibt auch einen technischen Aspekt, da wir strategische Anpassungen vorgenommen haben. Und diese Anpassungen haben sich für die französische Nationalmannschaft als außerordentlich effektiv erwiesen", erzählte der Nationaltrainer über die Beratungen "gemeinsam am Tisch", die Frankreich im Viertelfinale zum Erfolg führten.
"Neue" Rückraumspielerin
"Es gab eine Option mit Lena Grandveau, aber sie haben sich beraten und der Strategie zugestimmt, dass Pauletta (Foppa) im rechten Rückraum spielt", lächelte der 50-Jährige, dass einer seiner Trümpfe im Viertelfinale stach. "Die kleine Neuerung war, dass ich nicht mit zwei Kreisläuferinnen spielen wollte. Das habe ich ihnen in letzter Sekunde gesagt."
Denn Pauletta Foppa ist gelernte Kreisläuferin, spielte aber im rechten Rückraum und setzte sich dann ab, um die Deckung zu beschäftigen. "Ich betrachte die Stärken unserer Spielerinnen und dann versuche ich, ins Halbfinale zu kommen. Die Olympischen Spiele haben uns gezeigt, dass es nichts hilft, vorher alles zu gewinnen", meinte der 50-Jährige.
Wichtig war auch, den misslungenen Gruppensieg gegen die Niederlande richtig einzuordnen. "Wir wussten, dass dies unsere Chancen auf das Weiterkommen im Wettbewerb nicht beeinträchtigte", bilanzierte der Trainer. "Daraufhin versuchten wir, einen starken Teamgeist und eine gemeinsame Identität zu entwickeln." Das ist - unter anderem mit einem gemeinsamen Song - offenbar gelungen, denn Frankreich wirkte im Viertelfinale wie ausgewechselt.
"Keine Ahnung"
Wie die Französinnen taktisch ins Halbfinale gegen Deutschland gehen, diese Idee ist noch nicht geboren. "Ich kenne die Spielerinnen, keine Sorge. Aber ich habe keine Ahnung, wie wir uns organisieren sollen", meinte Gardillou am Mittwochabend, zeigte sich aber selbstbewusst. "Unterschätzt nicht die Tatsache, dass die französische Mannschaft trotz des Fehlens vieler erfahrener Spieler das Halbfinale erreicht hat."
"Ich habe sie noch nicht gesehen, aber ich weiß, dass diese Mannschaft nur darauf wartet, sich zu beweisen", sieht der Trainer Französinnen einen Gegner in Lauerstellung. "Es ist eine junge, dynamische Mannschaft - Leuchter, Vogel, Kühne, ein starkes Team mit Filter im Tor und einigen guten Flügelspielerinnen."
"Es ist ein gut zusammengestelltes Team, das den Ball hervorragend spielen kann, in der Abwehr sehr stark ist und das erreicht hat, was anderen nicht gelungen ist", beschreibt Gardillou. "Wir wissen schon lange, dass Deutschland eine großartige Nation ist und dass das Erreichen des Halbfinals immer schwer ist."
Was sieht Gardillou als wichtigste Eigenschaft an, um gegen Deutschland das Endspiel zu erreichen? "Disziplin! Die Deutschen sind sehr diszipliniert, daher ist deutsche Disziplin der Schlüssel zum Erfolg", sagte der französische Nationaltrainer gegenüber handball-world. Und vielleicht wird auch wieder eine neue taktische Idee eine Rolle spielen.
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