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Harte Kritik am Bundestrainer: Hat sich Gislason vercoacht?

kicker

Handball-Ikone Stefan Kretzschmar und seine Weltmeister-Kollegen von 2007 haben Deutschlands Nationalspieler nach dem teils desaströsen EM-Auftritt gegen Serbien scharf kritisiert. "Auf Außen hätten heute auch der Busfahrer und der Physiotherapeut stehen können. Da kam ja gar kein Ball hin. Die zweite Halbzeit ist halt wieder scheiße. Sie ist heute eine Katastrophe gewesen", bemängelte Kretzschmar nach der 27:30-Niederlage gegen Serbien bei Dyn.

Will sich die DHB-Auswahl nicht auf die Schützenhilfe der Österreicher verlassen, muss gegen Spanien am Montag (20.30 Uhr/ZDF/Dyn) ein Sieg mit mindestens drei Toren Unterschied her. Dann wäre der Olympia-Zweite im Falle eines Sieges von Serbien beim Dreiervergleich definitiv Gruppenzweiter vor Spanien.

Knorr: Weiß nicht, was ich dazu sagen soll

Gegen Serbien sah Deutschland lange wie der sichere Sieger aus, führte zur Halbzeit 17:13 - auch dank Spielmacher Juri Knorr, der nach der Pause auf deutlich weniger Einsatzminuten kam. "Wir haben die Serben in der ersten Halbzeit nieder gerannt - und dann ändern wir alles. Das verstehe ich nicht. Ich stand nicht so viel auf der Platte in der zweiten Halbzeit. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll", sagte Knorr, ohne den Namen des Bundestrainers in den Mund zunehmen.

Nach Meinung von Kretzschmar war vor allem die Abschlussschwäche Grund für den Einbruch. Fehlwürfe und Fehlpässe reihten sich phasenweise aneinander. "Mir macht Angst, wie wir angreifen. Wir sind so unkreativ und ohne Lösung im Angriff, ohne Flow. Ich sehe mir das Spiel an und frage mich: Wo wollen wir hin? Was ist die Idee?", sagte der Dyn-Experte.

Pascal Hens: "Das ist so dumm"

Sein ehemaliger Teamkollege Pascal Hens pflichtete ihm bei. Der 45-Jährige konnte außerdem nicht nachvollziehen, wie sich Deutschland in den Schlussminuten noch so viele Tore fangen konnte. "Das ist so unnötig und dumm. Wieso decken wir offensiv und fangen uns noch ein Tor", wunderte sich Hens.

Genau wie beiden Handball-Experten fehlte auch Michael Kraus eine entsprechende Führung von Bundestrainer Gislason. "Alfred, scheiße gecoacht. Vercoacht", kritisierte Kraus und schimpfte weiter: "Das war einfach Kacke im Angriff. Man muss es auch einmal beim Namen nennen."

Einen Patzer leistete sich der Bundestrainer zudem wenige Minuten vor Abpfiff, als er den Auszeit-Buzzer drückte und damit den wenige Sekundenbruchteile später folgenden Ausgleichstreffer von Juri Knorr für ungültig erklärte. Eine unglückliche Szene, aber wohl nicht die spielentscheidende. Kapitän Johannes Golla stellte sich nach der Partie hinter den deutschen Cheftrainer.

Jogi Bitter: "Grundsätzlich komplett schlau"

Im Sportschau-Podcast Handball auf die 1 sprach auch Weltmeister Johannes Bitter über den Vorfall: "Seine Aufgabe ist es auch genau zur richtigen Zeit zu drücken und viele Trainer beobachten natürlich auch die Anzeigetafel", so der ehemalige Torhüter. "Dann ist es grundsätzlich komplett schlau, genau in dem Moment, wenn die Unterzahl aufgelöst ist und die deutsche Mannschaft wieder vollzählig ist die Auszeit zu nehmen. Es war eine Verkettung von unglaublich vielen unglücklichen Umständen", fasst er zusammen.

Auch Andi Wolff stimmte dieser Aussage zu: "Wenn der Ball nicht drin ist, ist es der Hero-Call", sagte der Torhüter gegenüber der Sportschau und bezeichnet das Handeln seines Trainers als "vertretbare Entscheidung".

Bitter ergänzte abschließend, dass Szenen wie diese in der Handball-Bundesliga keine Seltenheit sind. "Wie oft haben wir das in der Bundesliga schon gesehen. Ich kann mich an viele Szenen erinnern, wo der Trainer der eigenen Mannschaft einen Vorteil wegbuzzert. Das passiert nunmal hin und wieder in diesem schnellen Sport."

Am Montagabend hat Gislason die Chance zur Wiedergutmachung, wenn es im letzten Vorrundenspiel um den Einzug in die Hauptrund geht.

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