"Ich finde den Zustand des niederländischen Männerhandballs sehr besorgniserregend", sagte Spielmacher Luc Steins zuletzt gegenüber NOS. Die aktuelle Generation erreiche zwar gute Ergebnisse, verdecke aber grundlegende Defizite.
Besonders kritisch sieht Steins den fehlenden Nachwuchs und die sinkende Qualität der heimischen Liga. Wirtschaftlich angeschlagene Vereine, Insolvenzen wie bei den Limburg Lions und ein zu kleiner Talentpool gefährdeten die nachhaltige Entwicklung. "Wir sehen die Probleme noch nicht auf dem Spielfeld, aber das wird nicht lange so bleiben", so Steins.
Zu kleine Basis im Männerbereich
Ein Kernproblem ist die geringe Zahl männlicher Nachwuchsspieler. Laut dem niederländischen Handballverband ist nur rund ein Viertel der 45.000 registrierten Aktiven männlich. Talente müssen früh weite Wege auf sich nehmen oder wechseln ins Ausland, häufig nach Deutschland. Für Einzelspieler ist das sinnvoll, für das Gesamtsystem ein Warnsignal.
Bobby Schagen: Handball ist zu wenig sichtbar
Neben der strukturellen Basis kritisiert Kapitän Bobby Schagen die mangelnde Präsenz des Sports. "Von Februar bis Oktober ist Handball in den Niederlanden fast unsichtbar", sagte Schagen der Volkskrant. Das Interesse explodiere während Europa- und Weltmeisterschaften - und breche danach wieder ein. Bislang ist es nicht gelungen, daraus nachhaltig neue Nachwuchsspieler zu gewinnen.
Das zeigte sich zuletzt auch bei Spielen der Golden League in Almere, bei denen trotz internationaler Topspieler viele Plätze leer blieben. Für Schagen ein klares Zeichen: Ohne regelmäßige Sichtbarkeit lasse sich kein nachhaltiges Wachstum erzielen.
Schwere Aufgabe bei der EHF EURO 2026
Kurzfristig bleibt "Oranje" sportlich konkurrenzfähig. In der Vorrunde der EHF EURO 2026 treffen die Niederlande in Malmö auf Gastgeber Schweden, Vize-Weltmeister Kroatien und Georgien - eine schwere Gruppe, in der mindestens eine große Überraschung nötig sein wird.
Doch genau das ist dem Team um Luc Steins und Bobby Schagen in der Vergangenheit mehrfach gelungen. Die entscheidende Frage scheint weniger zu sein, ob die Niederlande noch mithalten können, sondern wie lange dieses Niveau ohne strukturelle Veränderungen zu halten ist.
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