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Mit (Handball-) Fieber zur Arbeit

kicker

Eine Kolumne von Daniel Duhr

Handball-Fieber in Leipzig

Sportlich liegt im Leipziger Handball derzeit der HC im Trend. Die Zweitliga-Handballerinnen grüßen nach neun Siegen aus neun Spielen von der Tabellenspitze, während die Erstliga-Herren des SC DHfK in 13 Partien noch keinen einzigen Sieg einfahren konnten und die Rote Laterne fest am Torpfosten montiert zu haben scheinen. Gut möglich also, dass in Sachsens Sportstadt die Damen und die Herren im Sommer die Liga tauschen. Für den 21-maligen Deutschen Meister wäre der Wiederaufstieg ein echtes Ausrufezeichen.

Handball-Fieber in Göppingen

Diesen Schritt weiter sind die Damen von Frisch Auf Göppingen, die seit 2024 wieder erstklassig spielen. Doch mit dem Aufstieg ging in Göppingen die Arbeit eigentlich erst so richtig los. Denn wer glaubt, hier sei der sportliche und vor allem auch der imagehafte Erfolg einfach so gekommen, vergisst all jene, die täglich nach ihrem Hauptjob noch den "Sportjob" bei Frisch Auf dranhängen.

Frauenhandball als Doppelbelastung? Ist in Göppingen wie in vielen anderen Vereinen auch der Normalzustand - und gleichzeitig der Motor für etwas Neues, etwas Großes. In Göppingen tut sich was - strukturiert, konsequent, mit Herzblut. Genau deshalb ist der Verein gerade ein echter Hingucker: stabile Strukturen, sportliche Entwicklung, ein professioneller Auftritt, der mehr und mehr greift.

Sportlich tragen Talente wie Lara Däuble und Aylin Bornhardt sowie die Leistungsträgerinnen Haruno Sasaki, Luisa Scherer und die omnipräsente Luisa Schulze diesen Aufschwung. Hinter den Kulissen wiederum arbeiten Menschen wie Birute Schaich, die als Sportliche Leitung Sponsoring, Sport und Netzwerke verbindet und deren Energie im gesamten Verein spürbar ist. Göppingen sei kein Wunder, sagt sie. "Es ist ein Wachsen."

Und dann ist da Nataliya Zeitz, die Marketing-Managerin, die mit minimalem Budget ein Maximum an Wirkung erzeugt hat - neue Bildwelt, neue Designs, klare Linie. Ein Rebranding, das den Klub erstmals wie eine echte Marke wirken lässt. Zeitz gibt dem Verein eine Geschichte, die er vorher nicht hatte. Aus Einzelteilen wurde ein Gesamtbild, aus Momenten ein Profil, aus Stimmen eine Botschaft.

All das basiert auf einem simplen, aber harten Fakt: Alle Spielerinnen arbeiten nebenbei. Alle. Sie trainieren, spielen, fahren Auswärtskilometer - und stehen am nächsten Morgen trotzdem im Büro, in der Schule, im Betrieb. Leidenschaft, Professionalität und regionale Verbundenheit? In Göppingen ist das kein Slogan, sondern notwendige Realität.

Bestenfalls, so hofft Zeitz, gehe es in Zukunft auch ohne Doppelbelastung. "Es muss doch normal werden, dass jemand, der gut und hart arbeitet, auch im Frauenhandball davon leben kann." Deshalb brauche es auch diesen Appell: für mehr Unterstützung. Für mehr Sponsoren. Für mehr Sichtbarkeit für den Frauenhandball. Damit all diese harte Arbeit nicht ewig ein Spagat bleibt, der irgendwann reißt.

Handball-Fieber in Deutschland

Wie mitreißend und euphorisierend und gut Frauenhandball in Deutschland ist, sehen aktuell auch all die Sportfans, die keine Dauerkarte für die HBF haben. Der souveräne Auftaktsieg der Deutschen gegen Island ist Wind auf die Mühlen der Bewegung.

Die Fans fiebern in den neu designten Trikots mit und die "Hands up for more"-Bewegung rund um die WM für mehr Haltung, mehr Sichtbarkeit, mehr Gleichberechtigung im Sport nimmt Fahrt auf. Eine Botschaft, die die Handball-Stimmung optimal aufgreift. Flankiert von einem außergewöhnlichen Buch: "Sheroes". Ein Buch, in dem sich das Who-is-who des Frauenhandballs zu Wort meldet und tiefe Einblicke in die Faszination Frauenhandball zeigt.

Deutschland ist im Handball-Fieber. Und die Nationalspielerinnen werden diese Heim-WM aufsaugen. Mehr geht nicht.

Oder vielleicht doch: Ein bisschen weniger Job neben dem Job wäre schön. Denn auch die Nationalspielerinnen arbeiten neben ihrem Vereinsleben in ganz normalen Berufen. Sie tragen die aktuelle Handball-Fieberwelle - und gehen trotzdem arbeiten. Doppelte Doppelbelastung aus Nationalmannschaft plus Vereinsmannschaft plus Beruf.

Und genau diesen Aspekt sollte man bei all der WM-Euphorie dieser Tage nicht vergessen: Wir feiern die Begeisterung, wir feiern die Spiele, wir feiern das Fieber. Aber die Spielerinnen? Die gehen sozusagen mit Fieber arbeiten. Bis das gänzlich anders wird, bleibt der Frauenhandball - ganz egal, wie qualitativ hochwertig er auch ist - Leidenschaft plus Überstunden.

In Zweite Welle schreibt Bestseller-Autor Daniel Duhr regelmäßig über aktuelle Handballthemen auf und neben der Platte. Und lädt Euch damit zur Diskussion ein. Welchen Standpunkt vertretet Ihr? Wir freuen uns auf Eure Meinungen!