Aus Stuttgart berichtet Sebastian Mühlenhof
Fast hätten die offiziell 2.122 Zuschauern in der Stuttgarter Porsche-Arena am Donnerstagabend eine große Überraschung erlebt. Am Ende siegte Schweden dann aber doch klar mit 31:23 gegen Tschechien.
"Ich bin glücklich über das Ergebnis", sagte dennoch Tschechiens Torhüterin Sabrina Novotna im Interview mit handball-world. "Es sind zwar acht Tore Unterschied, aber für uns ist es ein gutes Ergebnis, denn Schweden will eine Medaille gewinnen. 40 Minuten lang war es sehr gut und ich bin sehr stolz auf mein Team, dass wir mithalten können."
Novotna wollte Metz-Teamkollegin übertrumpfen
Sogar bis zur 45 Minuten war noch alles möglich, denn ihr Team war beim 20:22 in Schlagdistanz. Dass es derart knapp war, lag nicht zuletzt an der Torfrau. Am Ende kam sie auf überragende 17 Paraden, auch die Quote von 36 Prozent ist sehr gut. "Es ist ein bisschen anders für mich, mit der Nationalmannschaft zu spielen, denn ich bin eine von zwei Spielerinnen, die in der Champions League spielt", schilderte sie. "Jetzt liegt also mehr Druck auf mir, aber ich möchte dem Team so gut helfen, wie ich nur kann."
Das ist der 25-Jährigen absolut gelungen. Seit dieser Saison spielt sie beim französischen Top-Team aus Metz, damit ist sie auch Teamkollegin von Xenia Smits. Doch vor allem lieferte sie sich ein Fernduell mit Johanna Bundsen, die den Stammplatz in Metz hat. "Wir haben so viele Tore gegen Johanna Bundsen erzielt, das passiert nicht so häufig", lobte Novotna daher ihre Vorderleute.
Zwar kam die 34-Jährige am Ende auch auf gute zwölf Paraden, hatte aber das Nachsehen gegen ihre Vereinskollegin, die zur Spielerin des Spiels gekürt wurde. "Ich wollte sie unbedingt schlagen", erzählte die Tschechin mit einem Lachen, "aber in einer guten Art und Weise. Ich verehre sie und wachse neben ihr. Sie ist eine wirklich gute Lehrerin und ich kann viel von ihr lernen."
Novotna hält dem hohen Druck Stand
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Doch auch mit ihren Trainern in der Nationalmannschaft hat sie einen guten Austausch. Verwunderlich ist das nicht, denn mit Torwarttrainer Martin Galia, der jahrelang in der Bundesliga gespielt hat, und Nationaltrainer Tomas Hlavaty hat sie absolute Fachmänner an ihrer Seite. "Ich rede mit Martin viel über die Würfe und Spielerinnen, aber Tomas ist wirklich super, was die Taktik des Spiels angeht", schwärmte sie von den Beiden.
Für das Schweden-Spiel half aber auch Hlavaty bei der Erstellung der Wurfbilder, schließlich trainiert er seit 2023 die Vipers Kristansand und kennt daher viele der schwedischen Nationalspielerinnen nur allzu gut. "Er hat mir gesprochen, wie sie werfen, aber sie haben natürlich geändert", berichtete sie lachend.
Sowieso wirkte sie nach dem Spiel sehr gelöst - und das, obwohl sie nun anders gesehen wird. "Ich spüre seit der EM im letzten Jahr mehr Druck, weil jeder mehr von mir erwartet", so Novotna. "Ich mag das aber." Schließlich verfügt sie mittlerweile über ein großes Selbstbewusstsein: "Ich spüre, wie ich immer besser werde." Deswegen betonte sie auch: "Ich würde nicht sagen, dass ich sehr gut war, denn wäre ich es gewesen, dann hätten wir gewonnen. Ich habe einfach meinen Job gemacht."
Novotna warnt vor Brasilien
Sollte sie aber diese Form beibehalten, dann wird sich auch in den kommenden Partien für ihr Team immens wichtig sein. "Sie hatten einen guten, sehr guten Torwart", lobte Schwedens Kreisläuferin Linn Blohm gegenüber handball-world Novotna. "Ich glaube auch, dass sie einige Dinge gemacht hat, die wir auf dem Video gesehen hatten, und vielleicht haben wir es daher nicht so gut gemacht, weil wir wussten, dass sie bestimmte Dinge im Tor gerne macht."
Zudem hob Blohm die große Erfahrung von Novotna hervor: "Sie spielt in einer der besten Mannschaften der Welt, also hat sie die Routine, auch wenn die Nationalmannschaft nicht so gut ist." Auch Nationaltrainer Hlavaty lobte sein Schützling: "Wir hatten eine gute Torhüterin."
Dennoch bleibt die 25-Jährige bescheiden, wenn sie auf die weiteren Gegner blickt. "Wir schauen von Spiel zu Spiel", schilderte sie. "Wir werden sehen, wie es gegen Brasilien läuft. Das kann ein schweres Match werden, aber wir wollen die Hauptrunde kommen." Dafür braucht Tschechien mindestens einen Sieg, der spätestens zum Abschluss der Vorrunde gegen Kuba gelingen soll. Sollte Novotna aber gegen Brasilien erneut so stark auftrumpfen, könnte das Ticket für die Hauptrunde bereits am Samstag gebucht werden.
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