Fast fünf Monate liegen zwischen dem Vertragsbeginn Stefanssons bei der MT Melsungen und seinem Debüt für die Nordhessen. Am vergangenen Dienstag (25. November) lief er in der European League auf: Fünf Tore steuerte Reynir Thor Stefansson zum MT-Sieg gegen HF Karlskrona (35:34) bei.
Es habe sich wunderbar angefühlt, es habe gekribbelt, sagt der Isländer, dessen Vorname von Teamkollegen und Fans schnell eingedeutscht wurde - Reynir heißt in MT-Kreisen Reiner.
Herzbeutelentzündung und Stäbe in der Brust
Dass es so lange dauern würde, bis Stefansson erstmals für die Nordhessen auf der Platte steht, war nicht abzusehen. Wie die MT nun bestätigt, habe das Rückraum-Talent im Sommer 2025 eine Herzbeutelentzündung mit nach Melsungen gebracht. Deshalb stand für den Neuzugang erstmal eine Sport-Pause an.
In einer Vereinsmitteilung heißt es, für MT-Vorstandssprecher Andreas Mohr habe damals sofort festgestanden: "Die Gesundheit des Jungen rangiert über allem. Wir geben ihm alle Zeit, die er benötigt, um wieder voll da zu sein."
Angst, die Karriere könne beendet sein, empfindet Stefansson nicht: "Die Ärzte haben gesagt, dass ich Geduld haben muss. Das habe ich versucht", sagt er rückblickend.
Sein Debüt verzögert sich noch weiter. Ende des Sommers wollen die Mediziner bei einer MRT herausfinden, ob die Herzbeutelentzündung des 20-Jährigen auskuriert ist. Doch die Untersuchung muss warten, weil zuvor Metallstäbe aus seiner Brust entfernt werden müssen. Die Stäbe wurden vor Jahren aufgrund einer Trichterbrust eingesetzt.
Stefansson über Rückkehr auf die Platte: "Einfach nur schön"
Also folgt eine Operation im September. Erst danach können die Ärzte feststellen, dass die Herzbeutelentzündung überstanden ist. Reynir Thor Stefansson darf wieder Sport treiben. Er absolviert Tests. "Nach solch einer Krankheit wäre es fahrlässig, zu schnell und zu stark mit der Belastung zu starten", erklärt Dr. Florian Sölter, Leiter Medizin und Athletik der Melsunger.
Spätestens ab dieser Phase kümmert sich MT-Physio Niklas Kern intensiv um den jungen Rückraumspieler. Eigentlich hätten sie gedacht, dass Stefansson erst Mitte Dezember wieder so weit ist, um ein Handballspiel zu bestreiten, sagt Sölter: "Aber auch dank Niklas haben wir bereits am Dienstag gesehen, was dank wohl dosierten Aufbautrainings möglich sein kann."
Seit zwei, drei Wochen trainiert der Isländer mit der Mannschaft, und klar: Er braucht noch ein bisschen. Körperlich wie taktisch. "Für mich ist es einfach nur schön, dass ich endlich richtig dabei bin", so Reynir Thor Stefansson.