Ein Edge Rusher in seiner Prime wechselt die Seiten - und das nur Tage vor dem Saisonstart. Green Bay investiert über vier Jahre 188 Millionen US-Dollar in Parsons, davon sind 136 Millionen garantiert. Dallas erhält dafür zwei Erstrundenpicks und Defensive Tackle Kenny Clark. Doch was steckt hinter dem Blockbuster-Deal?
Parsons nach Green Bay: Packers gehen All-in
Die Packers setzen alles auf Sieg. Parsons’ Vertrag macht ihn mit 47 Millionen US-Dollar pro Jahr zum höchstbezahlten Nicht-Quarterback in der Geschichte der NFL. Noch nie zuvor hat ein Team über 100 Millionen US-Dollar pro Jahr für nur zwei Spieler ausgegeben. Die Packers sind mit Jordan Love und Parsons nun die ersten, die diese Schallmauer durchbrechen.
Damit stellt das Franchise aus Wisconsin klar: Das Titelfenster ist jetzt. Sie opfern Cap-Flexibilität und First Round Picks bis 2028, um einen defensiven Game Changer zu bekommen. Parsons ist ein absoluter Unterschiedsspieler, der alleine Spiele entscheiden kann und die Dynamik in der Division sofort verändert. Zusätzlich könnte der Deal auch die Rivalen aus Detroit indirekt treffen, da Aidan Hutchinsons Verhandlungen mit den Lions durch den Parsons-Vertrag deutlich teurer werden dürften.
Die Rechnung ist riskant: Der Kader der Packers ist für 2025 sehr gut besetzt und zudem der jüngste der NFL. Doch auch dieses Roster hat Schwächen. Ohne Draft-Kapital wird das Stopfen von Löchern in den kommenden Jahren zur Herausforderung.
Für Green Bay ist für 2025 alles angerichtet: Parsons könnte das letzte fehlende Puzzleteil sein, um den Titel zu holen. Alles, was danach kommt, wird eine große Aufgabe für das Management - sowohl in Bezug auf die Salary Cap Situation als auch auf die fehlenden Draft Picks.
Cowboys ohne wirkliche Alternative
Das Paket wirkt ernüchternd, ist in der Realität sogar noch ernüchternder. Zwei First Round Picks und Kenny Clark sind weit von dem entfernt, was andere Teams für Superstars dieser Klasse bezahlt haben. Zumal die Picks der Packers wohl eher niedrig sein werden, da das Team jetzt als Contender um den Super Bowl mitspielt. Erwartbar sind wahrscheinlich zwei späte First Round Picks im Bereich 24-32.
Die Jets bekamen zwei Erstrunden- und ein Drittrundenpick für Jamal Adams, die Raiders erhielten für Khalil Mack zwei Firsts plus weitere Picks. Im Vergleich dazu ist das, was Dallas für Parsons erhält, mager.
Ein Grund dafür liegt auf der Hand: Parsons war im letzten Vertragsjahr und brauchte einen neuen Deal. Das neue Team muss ihm diesen Vertrag geben, das wiederum drückt den Preis. Dazu kommt: Dallas hatte selbst kaum eine realistische Möglichkeit, mit Parsons zu verlängern.
Mit Dak Prescott (60 Mio. pro Jahr) und CeeDee Lamb (34 Mio. pro Jahr ) hat man schon Top-Verträge in den Büchern, die sehr nahe an die 100 Millionen Marke pro Jahr heranreichen. Mit Parsons für 47 Millionen US-Dollar im Schnitt hätten die Cowboys diese Schwelle nicht nur knapp überschritten. Sie wären so weit drüber gewesen, dass sie mehr als die Hälfte des gesamten Salary Caps für nur drei Spieler ausgegeben hätten. Utopisch.
Dieses Problem hätte man umgehen können, wenn die Cowboys nicht regelmäßig bis zum letzten Moment mit Vertragsverlängerungen warten würden. Doch da die Situation mit Lamb und Prescott so ist, wie sie ist, war eine Parsons-Verlängerung zu dem Preis schlicht unrealistisch.
Und Kenny Clark? Ein erfahrener Name, aber kein Spieler, der den Impact von Parsons auch nur annähernd ersetzt. Am Ende bleibt Dallas mit Draft-Kapital zurück - Kaliber wie Parsons finden sich allerdings im Draft nur alle fünf bis zehn Jahre. Talente dieser Größenordnung zu ersetzen, ist fast unmöglich. Gegenbeispiele, wie der Justin Jefferson Pick nach dem Abgang von Stefon Diggs sind da eher die Ausnahme.
Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen
Green Bay geht All-in, Dallas setzt auf langfristige Flexibilität. Für die Packers kann dieser Deal die Chance auf einen Titel eröffnen - oder sie in eine langjährige Cap-Krise stürzen. Vielleicht sogar beides. Für die Cowboys könnte er einen Reset einleiten. Die Wahrscheinlichkeit bald ein Talent wie Parsons zu draften, ist allerdings verschwindend gering.
Parsons’ Vertrag hat die Liga erschüttert. Mit 47 Millionen US-Dollar pro Jahr liegt er fast auf einem Level mit Quarterbacks wie Tua Tagovailoa (53 Mio.), Brock Purdy (53 Mio.) oder Trevor Lawrence (55 Mio.). Die Verträge dieser Spieler wurden hart diskutiert, und wie immer stellt sich die Frage: Wie viel kann ein einziger Spieler wirklich wert sein?
Mit Parsons haben wir nun einen Profi, der in ähnlichen Sphären liegt. Mit der großen Ausnahme, dass es sich um einen Edge Rusher und keinen Quarterback handelt. Sein Vertrag überflügelt auch den von Myles Garrett, der bei 40 Millionen pro Jahr liegt. Die garantierten Gelder (136 Mio.) übertreffen alle bisherigen Nicht-QBs.
Damit ist Parsons offiziell der höchstbezahlte Nicht-Quarterback der NFL-Geschichte. Dieser Deal wird kommende Verhandlungen prägen: Aidan Hutchinsons Preis steigt, andere Edge Rusher werden folgen. Für Parsons gaben die Packers sogar ihre eigene Tradition auf: Nie hat ein Nicht-Quarterback Garantien über das erste Jahr hinaus zugesprochen bekommen.
Doch so dominant Parsons auch ist - die NFL bleibt eine Quarterback-Liga. Myles Garrett ist Jahr für Jahr ein Kandidat für den Defensive Player of the Year, trotzdem hat Cleveland ohne Top-Quarterback nichts gewonnen. Ein Edge Rusher kann dominieren, aber er trägt kein Franchise allein zum Super Bowl.
Genau darin liegt die Brisanz: Parsons hat den Markt resettet, Rivalen unter Druck gesetzt und die Gehaltsstruktur in neue Sphären geschoben. Ob er den Preis rechtfertigt und die Packers in Richtung Titel führt - oder ob dieser Trade beide Franchises über Jahre definieren wird - ist die entscheidende Frage, die bleibt.