Hinter den Paderborn Dolphins liegen schwierige Tagen. "Es war nicht das, was ich dachte, was ich zum Ende des Jahres noch machen muss", erklärt Head Coach Jason Irmscher am Freitagmittag gegenüber football-world.
Ursächlich für diesen Stress zum Jahresende ist die wirtschaftliche Lage des GFL-Teams. Wie es am Mittwoch verkündete, stand die Existenz des kompletten Vereins auf der Kippe. "Die Dolphins stehen an einem Punkt, den wir nie erreichen wollten: Ohne eure Hilfe müssen wir in den nächsten Tagen den Spielbetrieb einstellen", hieß es in einem Statement auf Social Media. "Um den Verein zu retten und den Neuanfang möglich zu machen, müssen wir 25.000 € sammeln."
Dolphins können Kollaps vermeiden
Die gute Nachricht: Diese Summe hat der Verein zusammenbekommen. "Ich warte jetzt noch auf die finalen Zahlen, aber es sieht alles sehr, sehr gut gerade aus", berichtet Irmscher.
Das liegt nicht zuletzt am großen Zusammenhalt in der Football-Community, den er positiv hervorhebt. "Wir hatten viele Gespräche mit GFL-Teams wie die Düsseldorf Panther, Straubing Spiders oder Pforzheim Wilddogs und viele haben mich auch privat angerufen, wie es mir geht und ob wir das durchstehen. Zudem weiß ich, dass viele Teams aus den unteren Ligen gespendet haben, weil sie die Dolphins und unser Jugendprogramm unterstützen wollen", erzählt der Cheftrainer. "Das ist wirklich erstaunlich und sorgt bei mir für Tränen in den Augen."
Irmscher nimmt Schuld für Schieflage auf sich
Dass der Klub überhaupt in diese Schieflage geraten ist, war nicht zu erwarten. "Wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass wenn wir den Gürtel etwas enger schnallen, dann können wir da irgendwie durchrutschen", schildert Irmscher die Lage. Schließlich wusste er, dass es zum Jahresende einige Zahlungen von Sponsoren kommen würden und der Verein auch noch Rechnungen gestellt hat.
Doch dass es dazu letztlich kam, überraschte ihn etwas. "Man darf nicht vergessen: Ich bin das Gesicht und der Geschäftsführer des Vereins, aber - und da muss man ein bisschen differenzieren - ich bin Geschäftsführer nur in einem gewissen Maß. Das heißt nicht, dass ich dafür verantwortlich bin, was auf dem Konto passiert und auf den Knopf drücke, dass die Zahlungen reinkommen oder rausgehen", erklärt er seine Rolle. Viel mehr ist das die Rolle des Vorstands um Präsident David Schmidtmann.
Dennoch will sich Irmscher dabei keinesfalls aus der Verantwortung stehlen. "Ich nehme gerne die Schuld und den Druck auf mich, sodass die Leute ihren Frust jetzt rauslassen können. Und wenn sie einen Schuldigen suchen wollen, dann sollen sie doch einfach mich nehmen", betont er.
Irmscher offenbart körperliche Probleme
Finanzielle Sorgen plagten den Verein dabei schon seit einigen Monaten. "Als wir Budgetkürzungen machen mussten, war es klar, dass die abgelaufene Saison auf jeden Fall schwer wird", erklärte Irmscher bereits Ende September gegenüber football-world. So wurde der anvisierte Playoff-Einzug schnell ad acta gelegt. "Dass sich das durch interne Probleme so entwickelt hat, dass wir das Schlusslicht waren, war auf gar keinen Fall der Plan."
Für den Head Coach und Geschäftsführer wurde es daher "emotional und körperlich die anstrengendste Saison, seit ich bei den Paderborn Dolphins bin". Neben familiären Problemen musste er während der Saison aus körperlichen Gründen sogar mehrfach ins Krankenhaus. Daher ist er seinem Trainerstab um Offensive Coordinator Felix Gorny dankbar, dass sie in dieser für ihn schwierigen Zeit die Mannschaft geführt haben. "Sie haben Leadership bewiesen und wie wichtig ihnen dieses Team ist", lobte er.
Trotz dieser Probleme entschloss sich Irmscher dennoch dazu, weiter bei den Dolphins zu bleiben. "Es war für mich emotional ein Hin und Her und am Ende hat mein Herz entschieden. Mein Verstand hätte was anderes gesagt, aber ich bin wegen der vielen Menschen hiergeblieben", begründete er seinen Entschluss.
Sorgen um seinen Job? Irmscher kämpft für den Verein
Dabei beschäftigte er sich seit Wochen mit den Planungen für die kommende Spielzeit, in der auch Gorny und Defensive Coordinator Jan Prößdorf wieder an der Seitenlinie stehen würden. Dabei soll nicht nur die wirtschaftliche Lage verbessert werden, sondern auch die Kadertiefe gestärkt werden. "Die Startelf konnte noch mithalten, aber man hat einfach gesehen, dass konditionell und spielerisch die gegnerischen Teams uns dann schnell überlegen waren, nachdem unsere Starter müde geworden sind", analysierte der Cheftrainer die vergangene Saison.
Darüber hinaus soll auch die Last auf mehrere Schultern verteilt werden und nicht nur hauptsächlich auf Irmscher und Schmidtmann ruhen. "Das ist machbar, aber auch sehr, sehr gefährlich", betont Erster. Gute Gespräche laufen diesbezüglich aber bereits, damit auch die Strukturen dem hohen organisatorischen Aufwand eines Vereins mit GFL-Team, Nachwuchsteam mit über 300 Kindern und Jugendlichen sowie den Cheerleadern zu stemmen.
Doch ob Irmscher dann auch weiterhin an der Seitenlinie stehen wird, wird sich zeigen. In der kommenden Woche steht eine außerordentliche Mitgliederversammlung auf dem Plan, bei dem es auch Vorstandsneuwahlen geben wird, da zwei frisch gewählte Vize-Präsidenten wieder zurückgetreten sind. "Meine größte Prämisse ist jetzt gerade, diesen Verein, den ich fünf Jahre lang aufgehabt habe, zu retten und am Leben zu halten", wiegelt der aktuelle Head Coach ab. "Ob das am Ende des Tages heißt, dass meine Rolle als Head Coach und Geschäftsführer nicht mehr existent sind, dann ist es eine bittere Pille, die ich schlucken muss."
Wichtiger ist für ihn, der im Fall der Fälle über Football-Auszeit nachdenken würde, die Zukunft der Dolphins. "Wir müssen jetzt Step by Step gucken, wie es weitergeht", bekräftigt er. Die Hoffnung ist nicht zuletzt durch die große Solidarität aus Football-Deutschland gestiegen, dass bei den Paderborn Dolphins auch 2026 Football gespielt wird.
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