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Prekäre Lage überwunden: Braunschweig Lions basteln an neuer Basis

kicker

Nach 14 Jahren steht für die Braunschweig Lions eine neue Ära an: Haupt- und Namenssponsor New Yorker hat sich zurückgezogen und hinterlässt beim deutschen Rekordmeister eine große Lücke.

Doch damit nicht genug, denn auch der langjährige Erfolgstrainer Troy Tomlin verabschiedete sich. Er wird fortan in der AFLE für die Wroclaw Panthers arbeiten, gemeinsam mit seinem Wegbegleiter Dave Likins.

Lions mit schwierigen Gesprächen

Doch der Verein hat sich aufgrund dessen nicht in das Tal der Tränen begeben, sondern arbeitete hart, um ein zukunftsfähiges Konzept auf die Beine zu stellen. "Also ich rechne da lieber nicht in Zeit", meint Vorstandsmitglied Holger Fricke mit einem Augenzwinkern. In den vergangenen Wochen und Monaten haben seine Vorstandskollegen und er viele Gespräche geführt, wie er football-world erklärt. "Wenn Sie mir 24 Stunden am Tag noch dazugeben, dann komme ich besser klar", lacht er.

Die Arbeit hat sich aber bezahlt gemacht, denn die Lions haben von der AFVD die Lizenz für die kommende Saison bekommen. Das war alles andere als klar, denn durch den Wegfall von New Yorker fehlte ein sechsstelliger Betrag im Budget.

"Es war schwierig und teilweise auch sehr nervig, weil halt viele - und das ist auch nicht böse gemeint, weil ich kann es einerseits verstehen -, jetzt auch noch sagen: 'Was ist denn jetzt mit New Yorker überhaupt? Sind sie jetzt ganz raus oder noch mit dabei? Bisher wolltet ihr uns ja teilweise auch nicht, weil ihr habt es ja nicht gebraucht'", offenbart Fricke.

Große Konkurrenz: Lions buhlen um Sponsoren

Während es mit New Yorker noch keine finale Einigung über eine Fortführung eines verringerten Sponsorings gibt - laut Fricke soll im Januar Klarheit herrschen -, haben die Niedersachsen in vielen Gesprächen genaustens dargelegt, was ihre Vorstellungen sind und wofür die Sponsoringsumme eingesetzt werden soll.

Doch auch so war es alles andere als einfach, denn die Konkurrenz in der Stadt ist groß. Neben den Fußballern der Eintracht buhlen auch die Basketball Löwen Braunschweig und die Handballer des MTV um dieselben Sponsoren. "Und was viele nicht auf dem Schirm haben: Wir haben eines der besten Tanzmannschaften Deutschlands in Braunschweig", ergänzt Fricke die Aufzählung.

Deswegen leisten seine Vorstandskollegen und er viel Überzeugungsarbeit, um den Sponsoren-Pool zu vergrößern. Schließlich möchte man zukünftig nicht mehr abhängig sein von der Gunst eines großen Sponsors. "Optimalerweise möchte ich 100 Sponsoren haben, die jeder eine Summe X geben", nennt der GFL-Vorstand sein Plan. "Und wenn uns dann einer wegbricht, ist das ärgerlich und tut auch weh, aber nicht so, als wenn man einen Hauptsponsor hat, der uns in der Vergangenheit mit einem hohen finanziellen Anteil unterstützt hat, und dieser wegbricht."

Mittlerweile hat man einen guten Pool zusammen und die Finanzierung für die kommende Saison abgesichert, aber die Arbeit hört damit noch nicht auf. "Wir wollen nicht nur 2026 auf die Beine stellen, sondern wollen auch in der Zukunft dementsprechend gut aufgestellt sein. Da können wir jetzt nicht einfach uns zurücklehnen", betont Fricke.

Braunschweig Lions mit Einschnitt im Stadion

Verwunderlich ist das nicht, denn schließlich wird sich die GFL bis 2028 verkleinern. Dann befinden sich nur noch zwölf Teams in der ersten Liga, dementsprechend ist der Kampf um die begehrten Plätze größer geworden.

Daher müssen auch Einsparungen getroffen werden, die wehtun. So wird in der kommenden Saison nicht mehr die Gegengerade im Eintracht-Stadion geöffnet sein. "Das ist eine bittere Pille für einige unserer Fans, aber wir hoffen auf Zuspruch und auch ein Entgegenkommen sowie Verständnis in unserer Situation", so Fricke.

Man merkt ihm an, dass ihm dieser Schritt alles andere als leicht gefallen ist, zumal er selbst früher dort gesessen hat. "Um zu schauen, wo wir Kosten sparen können, mussten wir den Schritt gehen, erstmal nur eine Tribünenseite aufzumachen", begründet er den Schritt. "Aber wir haben auch die Option: Wenn wir im Vorverkauf feststellen, dass wir an die Kapazitätsgrenzen der Haupttribüne kommen, dann können wir jederzeit blockweise auch die Gegengerade wieder öffnen."

Lions setzen große Hoffnungen in neuen Head Coach

Einsparungen gibt es aber auch auf der sportlichen Seite. So darf der neue Head Coach Brayden McCombs in der kommenden Saison nur auf vier US-Imports zurückgreifen. Der Kern sollen die heimischen Spieler bilden, die dann im Fall der Fälle durch ein noch nicht genau definierte Anzahl an Spielern aus anderen europäischen Ländern unterstützt werden. "Der Traum wäre, dass wir irgendwann ein rein deutsches Team aus Braunschweigern und aus dem nahen Umfeld haben, aber das ist noch lange hin", glaubt Fricke.

Dabei zeigt er sich begeistert von McCombs, den er als "guten Griff" bezeichnet. "Er hat sich von Anfang an, seit wir zusammengekommen sind, richtig reingehängt und bringt neue Akzente mit rein", schildert der Lions-Vorstand. "Er war bei seinen bisherigen Stationen in einer ähnlichen Situation, wo er auch einem Neuaufbau beteiligt war und gucken musste, wie er aus wenig viel macht."

Hilfreich ist für McCombs, dass er wohl auf knapp 90 Prozent des bisherigen Trainerstabs zurückgreifen kann. Zudem wurde in Ryon Thomas ein neuer Quarterback geholt, den McCombs bereits kennt, und mit Running Back Fynn Oppermann sowie O-Liner und Kapitän Malte Hrabak bleiben zwei wichtige Säulen aus dem Vorjahr.

Die Chancen stehen durchaus gut, dass es bald gelingen wird, denn für das kommenden Jahr gehen gleich neun Lions-Teams an den Start. Neben einer zweiten Mannschaft wird ein Frauen-Team in der GFL Women an den Start gehen wie auch die U20 in der GFL Juniors und ein Team in der 9er-DFFL. Darüber hinaus gibt es noch weitere Jugendmannschaften und ein Team in der 5er-Flag-Liga. "Das gab es bisher noch nicht in unserer Vereinsgeschichte und ich glaube, dass es das im Norden und in der GFL nicht so häufig gibt", so Fricke. Die Basis ist also gelegt, dass den Lions ein solider Neuaufbau gelingt, um dann wieder Jahr für Jahr um den Meistertitel mitzuspielen.