Mit Mike Tomlin verlässt nach 19 Spielzeiten, der dienstälteste Head Coach der NFL, die Seitenlinie in Pittsburgh. Eine Trennung, die weniger aus sportlicher Krise als aus strukturellem Stillstand heraus entstanden ist: Sieben Playoff-Niederlagen in Serie, kein Postseason-Sieg seit 2016 - zu wenig für einen Anspruch, der in Pittsburgh traditionell über Jahre und nicht über Übergänge definiert wird.
Mike McCarthy soll nach Informationen von ESPN nun übernehmen und damit erst der vierte Head Coach der Steelers seit 1969 werden - nach Chuck Noll, Bill Cowher und Tomlin. Kontinuität bleibt also Programm, auch im Umbruch.
McCarthy: Titel-Erfahrung und Rückkehr nach Pittsburgh
Der 62-Jährige bringt genau das Profil mit, das die Steelers gesucht haben: Super-Bowl-Erfahrung, Playoff-Routine und den Ruf eines strukturierten Programm-Coaches. McCarthy gewann die Lombardi Trophy 2011 mit den Green Bay Packers, zuletzt war er fünf Jahre Head Coach der Dallas Cowboys. Dort scheiterte eine Vertragsverlängerung nach der Saison 2024 - sportlich solide, aber ohne den entscheidenden Durchbruch.
Für McCarthy ist es mehr als ein Karriereschritt. Er arbeitete bereits in den späten 1980er-Jahren als Graduate Assistant an der University of Pittsburgh, finanzierte sich damals mit Nachtschichten auf dem Pennsylvania Turnpike. Sein Vater war Feuerwehrmann in Pittsburgh, die Familie betrieb eine Bar in der Stadt. McCarthy kennt die Kultur - und sie kennt ihn.
Hinzu kommt eine bewährte Arbeitsbeziehung: McCarthy und Steelers-GM Omar Khan arbeiteten bereits im Jahr 2000 gemeinsam bei den New Orleans Saints. In Pittsburgh treffen sie nun erneut aufeinander.
Stabilität statt "Rebuild"
Die Entscheidung könnte auch sportpolitische Folgen haben. Die Steelers hatten sich zuletzt offen für eine Rückkehr von Aaron Rodgers gezeigt. McCarthy war einst Rodgers' Head Coach in Green Bay, gemeinsam gewannen sie den Super Bowl - eine Verbindung, die intern als möglicher Faktor gilt. Ob sie tatsächlich Einfluss auf die Quarterback-Entscheidung hat, bleibt offen.
Owner Art Rooney II vermeidet bewusst das Wort "Neuaufbau". Mit McCarthy holen die Steelers keinen Übergangstrainer, sondern einen Coach mit sofortiger Erwartungshaltung. Sechs Super-Bowl-Titel, jahrzehntelange Konstanz, ein klarer Anspruch: Pittsburgh will zurück in die Liga-Spitze - nicht irgendwann, sondern bald.
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