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Young vor Aus bei den Hawks: Ist jemand verzweifelt genug?

kicker

Es wäre unsinnig, die aktuelle Entwicklung auf ein paar Spiele in der zweiten Dezemberhälfte zu schieben. Klar, sie liefen schlecht - fünf Spiele absolvierte Trae Young im Zuge seines kurzen Comebacks, das am 27. Dezember schon wieder endete, alle fünf wurden verloren -, aber eine Franchise und ihr designierter Franchise-Spieler leben sich nicht SO schnell auseinander.

Es ist eine Entwicklung, die sich seit Jahren ankündigte. Der tiefe Playoff-Run 2021, als Atlanta die Conference Finals erreichte, die Heldentaten im Madison Square Garden sind lange her - seine bisher einzige Nominierung für ein All-NBA-Team (2022) ist auch nicht viel jünger. Sowohl auf Team- als auch individueller Ebene waren das jeweils Versprechen, die sich in der Folge nicht wirklich erfüllt haben.

Young spielte stets gut, offensiv sogar überragend. Die erhofften Weiterentwicklungen zeigte er jedoch nicht, oder zu wenig. Seit 2022 ging sein Scoring-Schnitt beständig zurück, an die damalige Effizienz kam er in der Folge nicht wieder ran. Und den Hawks gelang nie der Schritt zum Contender - vielmehr waren sie Jahr für Jahr Contender für die Auszeichnung, die größte Enttäuschung der Liga zu sein. Ein Play-In-Dauergast wie Chicago, aber teurer und (eigentlich) mit größeren Ambitionen. Nicht das, was man sein wollte.

Die aktuelle Spielzeit konnte einerseits als letzte Chance betrachtet werden, dieser Stagnation gemeinsam zu entfliehen. Andererseits sprach bereits im Sommer recht viel dafür, dass es nicht mehr lange einen gemeinsamen Weg geben würde. Nun haben sich beide Seiten Berichten zufolge dazu entschieden, tatsächlich eine Trennung anzustreben.

Sie werden es zumindest versuchen.

Nur die falsche Richtung

Es gab Zeiten, in denen die Nachricht, dass ein 27-jähriger viermaliger All-Star, der Jahr für Jahr ein Double-Double im Schnitt produziert und im Vorjahr die meisten Assists der Liga verteilte, zu haben ist, für eine gewisse Euphorie und träumende, wenn nicht sabbernde Executives in allen möglichen Front Offices gesorgt hätte. Noch vor einigen Jahren hätte wohl auch Young noch eine solche Reaktion hervorgerufen.

Die Zeiten sind jedoch vorbei. Was an der NBA auf einer Makro-Ebene liegt: Young spielt auf der tiefsten Position der Liga, nicht viele Teams haben Bedarf für einen neuen Point Guard. Erst recht nicht für einen, der 46 Millionen Dollar in diesem Jahr verdient, eine Spieler-Option über 49 Mio. für 26/27 besitzt und gern einen neuen lukrativen Deal unterschreiben würde.

Zumal die Mikro-Ebene mit hineinspielt. Young ist produktiv und talentiert, zweifelsohne. Einer der besten Passer der Liga, der für ein gewisses Spektakel sorgt. Ein Volume-Scorer außerdem, der, trotz der individuell selten guten Effizienz, immer in seiner Karriere die Offense seines Teams sehr positiv beeinflusste und Atlanta mehrfach in die Top 10 hievte.

Er gibt aber zu viel davon auf der Gegenseite wieder zurück. Selbst wenn sich Young mittlerweile mehr anstrengt, bleibt er ein 1,88m "großes" Leichtgewicht und der individuell vielleicht schwächste Verteidiger der Liga. Er ist ein Spieler, der zu jedem Zeitpunkt von seinen Teammates beschützt werden muss.

Das defensive Problem

Dieser Fakt wurde den Hawks zuletzt wieder einmal sehr deutlich gemacht. Zu Beginn seiner Verletzungspause hatte Atlanta phasenweise seinen Groove gefunden, elf von 16 Spielen gewonnen. Dieser Rhythmus ging dann bereits vor seiner Rückkehr verloren, auch ohne Young auf dem Court sind die Hawks unterm Strich kein gutes Team (Net-Rating: -1), die Spiele mit Young änderten aber auch nichts am Gesamtproblem.

Atlanta verteidigt in dieser Saison mit zwei verschiedenen Identitäten. Ist Kristaps Porzingis fit, sieht das Team etwas traditioneller aus und nutzt den Letten als Ringbeschützer, der auch hinter Young ein Stück weit aufräumen kann.

Porzingis ist aber Porzingis, also selten fit, und fehlte auch bei Youngs Comeback-Spielen (entsprechend heißt es, dass auch er in Trades absolut zu haben wäre); dann bleibt den Hawks eigentlich nur, mit "kleinen", aber athletischen und egalitären Lineups viel zu switchen und den Ring im Kollektiv zu beschützen.

Das gelingt zumindest mittelmäßig, wenn der Backcourt aus Nickeil Alexander-Walker und Dyson Daniels besteht, zwei sehr guten Verteidigern (Def-Rating: 115). Mit Young erlauben diese kleinen Lineups hingegen 129 Punkte (!) pro 100 Ballbesitzen. Selbst wenn er offensiv gerade Bestform erreichen würde, wäre ein solcher Wert schlicht nicht tragbar.

Jetzt auch noch die Offense?

Das tut er aber ohnehin nicht. Während die Hawks ihre Offense mehr auf die Stärken von insbesondere Jalen Johnson zugeschnitten haben, fabriziert Young bis dato Zahlen wie seit seinem Rookie-Jahr nicht mehr gesehen (19,3 Punkte, 8,9 Assists, 41,5% FG, 30,5% 3FG). Weniger Last führt nicht zu gesteigerter Effizienz, im Gegenteil.

Die bisherige Dreierquote wäre über die Saison gesehen sogar die schlechteste seiner Karriere. Was den Kritikern recht zu geben scheint, die seit Jahren anmerkten, dass Young nur dann er selbst sein kann, wenn er permanent den Ball in der Hand hat, und seine Kompatibilität mit anderen offensiven Stars deshalb in Frage stellten.

Was wiederum wohl dazu führten dürfte, dass sich nicht viele Teams mit einem Trade-Angebot bei den Hawks melden werden. Zumindest nicht mit einem solchen, das die Franchise bei einer Neu-Orientierung rund um Johnson sonderlich weit voranbringen dürfte.

Wo ist der Markt?

Es wird auch in dieser Trade-Saison einige Teams geben, die nach Upgrades suchen, um ihre Spielzeit irgendwie umzubiegen oder die nächste Stufe zu erreichen. Aus verschiedenen Gründen wirkt Young aber bei keinem dieser Teams wie die "Lösung".

Milwaukee etwa fuhr über die letzten Jahre mit einer besseren Version von Young (Damian Lillard) nicht die erhofften Resultate ein und ist finanziell massiv eingeschränkt. Die Clippers oder Warriors haben auf der Eins keinen Bedarf. Teams wie Minnesota oder Houston könnten theoretisch zwar Hilfe auf Point Guard gebrauchen, sind aber kaum verzweifelt genug, um ihre gesamte offensive Identität und ihre defensive Integrität zur Disposition zu stellen.

Zumal: Gerade die ambitionierten Teams sind finanziell nahezu alle so eingeschränkt, dass ein Trade für Young äußerst schwierig wäre, da sein Gehalt in einem Deal ja auch gematcht werden müsste. Es spricht Bände, dass als einziger Interessent bisher ein Team genannt wurde, das mit echten Ambitionen ähnlich viel zu tun hat wie Young mit dem Amt als Bürgermeister New Yorks.

Neue Bewegung im Young-Poker: Drei weitere Teams steigen wohl ein

Das alte Dilemma

Marc Stein zufolge zeigen die Washington Wizards ein gewisses Interesse an Young. Einer der auslaufenden Verträge von C.J. McCollum (30,6 Mio. Dollar) oder Khris Middleton (33,3 Mio.) müsste in einem Deal aus finanziellen Gründen inkludiert werden, es ist aber unklar, welche Komponenten sonst noch dabei wären.

Ob Atlanta vielleicht sogar einen Pick drauflegen müsste, um seinen einstigen Franchise-Player und dessen hohes Gehalt für die kommende Saison loszuwerden. Der sportliche Fit in Washington wäre einerseits interessant, weil Young den vielen jungen Spielern Struktur geben könnte. In den Plan, Positional Size auf jedem Kaderplatz aufzustellen, passt Young aber wiederum nicht rein (in die Defense schon: die Wizards belegen Platz 29).

Es ist eine komische Situation - schon seit einer Weile. Es gibt gute Gründe dafür, dass The Ringer-Experte Zach Lowe schon mehrfach betonte, dass Young seit längerem kein Spieler der Atlanta Hawks mehr wäre, wenn es einen legitimen Markt für ihn gäbe. Vielleicht ändert sich dies nun, wenn er "offiziell" zu haben ist.

Es ist aber nicht gesagt, dass es nun eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung geben wird, nur weil Youngs Agenten und die Hawks gemeinsam danach suchen. Das Dilemma ist nicht neu, und die restlichen Teams haben zugesehen. Immerhin: Für so wenig Gegenwert war ein Spieler dieses Formats wohl selten verfügbar. Aber das kommt eben auch nicht von ungefähr.

Ein Team steht bereit: Hawks und Young arbeiten wohl gemeinsam an Trade

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