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"Bekommst nicht immer, was du verdienst": Hertha hadert mit der Chancenverwertung

kicker

Der Tabellenführer zu Gast im Olympiastadion: Vor über 70.000 Zuschauern, die in Gedenken an den am Freitag vor zwei Jahren verstorbenen ehemaligen Präsidenten Kay Bernstein die Mannschaft mit einer ihm gewidmeten Choreo begrüßten, war alles angerichtet für ein Topduell zweier Zweitliga-Größen, die beide den Aufstieg fest im Blick haben. Dass es am Ende bei einem torlosen Remis blieb, lag hauptsächlich an einem überragend aufgelegten Loris Karius, der die Offensivkräfte der Berliner schier zur Verzweiflung brachte.

"Man muss natürlich sagen, dass wir uns große Torchancen erspielt haben. Aber was Loris Karius heute gehalten hat, ist sensationell", resümierte Hertha-Trainer Stefan Leitl die Leistung seines Teams am Mikrofon von Sky und war auch sonst voll des Lobes für seinen Konkurrenten: "Er ist momentan in einer unfassbaren Form. Ich kann meinen Jungs nicht großartig einen Vorwurf machen. Es war heute jemand im Tor, der unüberwindbar war."

Dass der ehemalige Liverpooler überhaupt so oft eingreifen musste und nach der Partie bescheiden sagte, "mir wäre es lieber, wenn wir heute nicht meine sondern die Schalker Leistung feiern", lag auch an einer stark aufgelegten Alten Dame, die Großteile des Spiels unter Kontrolle hatte. Auch deshalb zeigten sich die Hauptstädter, die sich sicherlich auch von den Rängen mehr Unterstützung erhofft hatten, nachdem die aktive Fanszene den Support nach "massiver Polizeigewalt" im Vorfeld des Spiels eingestellt hatte, durch die Bank weg enttäuscht, wäre ein Sieg doch allemal drin gewesen.

Gersbeck hatte kaum etwas zu tun

Zu dem Vorfall wollte sich von den Spielern nicht so wirklich jemand äußern, wohl aber zur Leistung von Karius, der mit nun zehn weißen Westen in dieser Statistik neuer Spitzenreiter ist - vor Herthas Nummer 1 Tjark Ernst. "Loris ist ein sehr, sehr guter Torhüter, und trotzdem hätte man ein, zwei Tore schießen können", hieß es so etwa von Karius‘ Pendant auf der Gegenseite, Marius Gersbeck, der seinerseits kaum etwas zu tun hatte. Das sah auch der 30-Jährige bei seinem Saisondebüt so, der nur einmal nach einer direkten Ecke kurz etwas zu tun hatte: "Es war ein entspannter Arbeitstag, aber man kann es auch anders sehen, dass ich zu Null gespielt habe. Aber es war natürlich sehr wenig los."

Weil aber der Auftakt in die Rückrunde nach der Winterpause auch ein Gradmesser für den Rest der Saison ist und Hertha in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen rangiert, überwog trotz des 0:0 aus Berliner Sicht nach einem griffigen, dominanten Auftritt das Positive. Ob elf zu fünf Torschüsse, ein xGoals-Wert von 1,21 zu 0,54 pro Hertha oder eine Zweikampfquote von 58 Prozent: Die Berliner waren fast in allen Belangen dem Ligaprimus überlegen. "Ich bin mit der Leistung total zufrieden. Wir haben echt ein tolles Heimspiel gezeigt und müssen wahrscheinlich auch dieses Spiel gewinnen. Aber so ist Fußball, du bekommst nicht immer alles, was du verdienst."

Krattenmacher-Verletzung sorgt für neue Sorgenfalten

Einen Dämpfer müssen die Berliner nach dem Spiel jedoch trotzdem hinnehmen. Noch in der ersten Halbzeit musste beim ohnehin schon durch Verletzungen und Grippe arg gebeutelten Hauptstadtklub Reese-Ersatz Maurice Krattenmacher verletzt runter. Eine erste Einschätzung seines Trainers lässt bereits nichts Gutes ahnen: "Es ist wahrscheinlich eine Muskelverletzung und er wird uns vermutlich ein paar Tage fehlen."

Vor dem nächsten Spiel bei den Freunden des Karlsruher SC sollten jedoch der eine oder andere wohl wieder zurückkommen. Die beiden noch angeschlagenen Fabian Reese und Dawid Kownacki, die im zweiten Durchgang bereits eingewechselt wurden, haben dann schon wieder eine Woche länger trainiert und könnten Optionen für die Startelf sein. Außerdem kehrt Toni Leistner nach abgesessener Rotsperre wieder zurück. Das Lazarett lichtet sich also etwas und das wird für das große Ziel nicht ganz unwichtig sein.