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"Platz eins, Conference League und Cup - alles läuft auf Schiene"

kicker

73 Tore in 214 Spielen für Rapid, 32 Treffer in 119 Partien für Schalke, ebenfalls beeindruckende 34 Tore in 70 Einsätzen für Nürnberg und 31-mal Einnetzen in 57 Spielen für St. Pauli. Diese Kennzahlen aus der im Mai zu Ende gegangenen aktiven Karriere von Guido Burgstaller belegen, dass er schon immer wusste, wo das Tor steht. Seit Montag vermittelt er dieses Wissen auch den offensiven Nachwuchsspielern als Spezialtrainer in der Rapid-Akademie, nachdem er seine zweite Karriere im Fußball davor schon beim ÖFB in der U 19 begonnen hatte.

Eine Premiere gibt es für den 36-jährigen gebürtigen Kärntner zudem am Donnerstag als TV-Experte für Canal+ beim Conference-League-Spiel zwischen Lech Posen und Rapid (18.45 Uhr, auch LIVE! bei kicker). Im kicker-Interview spricht Burgstaller über neue Aufgaben, die noch ungewohnte Rolle als Zuschauer beim Wiener Derby, den Saisonstart der Grün-Weißen und ihre Chancen auf dem europäischen Parkett der Conference League.

Erste Woche im neuen Job: Wie sieht Ihr neuer Aufgabenbereich als Spezialtrainer in der Rapid-Akademie konkret aus?

Ich werde die Offensivspieler der Akademie unterstützen - auf und auch außerhalb des Platzes. Dabei werde ich im Training, bei Videoanalysen oder auch als Ansprechperson in allen anderen Dingen für sie da sein. Das betrifft alle Akademie-Jahrgänge, also die U 15, U 16 und die U 18 - auch Spieler von Rapid II. Meine Tätigkeit in der U-19-Nationalmannschaft bei Teamchef Martin Scherb geht ja in die gleiche Richtung. Da war ich im September schon bei den freundschaftlichen Länderspielen in Wales dabei.

Was ist das Spezielle an der Arbeit mit Stürmern?

In der Akademie muss man noch ein bisschen aufpassen, weil man nicht immer genau weiß, in welche Richtung es geht. Ob man da einen klassischen Neuner hat, oder einen Flügelstürmer oder einen Zehner - das ist mit 15, 16 Jahren nicht immer klar. Wichtig sind Grundtechnik, Schusstechnik, Positionierung im Strafraum, Abdecken des Balls, Kopfballtechnik, Laufwege - da kann man im Akademiealter sehr viel rausholen. Ich hab' auch ewig Flügel gespielt. Zum echten Stürmer bin ich am Ende der Nürnberg-Zeit und bei Schalke geworden.

„Ich sitze nicht mit einem weinenden Auge vor dem Fernseher.“ (Guido Burgstaller über seinen richtigen Zeitpunkt für das Karriereende)

Ist diese neue Herausforderung als Trainer seit längerem und schon während Ihrer letzten Spielersaison als Ziel in Ihnen herangereift?

Ja, ich hatte das schon länger im Kopf. Mit Steffen Hofmann (Rapid-Geschäftsführer) und Markus Katzer (Sportdirektor) habe ich immer wieder mal darüber gesprochen, was es da für mögliche Aufgabenbereiche geben könnte und wie man den jungen Spielern am besten in ihrer Entwicklung helfen kann. Wenn ich an meine Akademiezeit zurückdenke, hätte ich das wirklich sehr gefeiert und hätte mir das sehr gut getan - jemanden zu haben, der Erfahrung hat und auf einem gewissen Niveau gespielt hat. Als Junger profitiert man sehr, wenn einem erklärt wird, wie man sich zum Beispiel auf dem Platz in gewissen Situationen am besten verhält. Für die Jungs hat das Mehrwert und mir macht es Riesenspaß, da meinen Beitrag leisten zu können, um sie zu unterstützen.

Wie haben Sie das Wiener Derby am Sonntag erlebt? Und hätten Sie gerne mitgespielt?

Zu Hause im Fernsehen. Ich hab es eigentlich genossen, zuzuschauen. Klar, dass man dieses Adrenalin, diese Emotionen - gerade in einem Derby - immer vermissen wird. Aber ich sitze nicht mit einem weinenden Auge vor dem Fernseher und habe auch nicht das Gefühl, zu früh aufgehört zu haben. Für mich war es der richtige Zeitpunkt. Ich denke, dass Rapid gut ins Spiel gekommen ist. Aber über 90 Minuten hat man die Austria zu wenig unter Druck gesetzt und hat es die Austria auch verdient gehabt.

Wie beurteilen Sie den Saisonstart unter dem neuen Trainer Peter Stöger?

Wie die Mannschaft und der Peter das bis jetzt gemacht haben - bisher kann man nur den Hut ziehen. Platz eins in der Meisterschaft trotz der Derby-Niederlage, wieder in die Conference League eingezogen und auch im Pokal weiter - es läuft alles auf Schiene. Ich halte auch nichts davon, die Mannschaft nach ein paar guten Spielen gleich in zu hohe Sphären zu heben. Aber damit muss man als Rapid-Spieler umgehen können. Es gibt jedenfalls viel Potenzial in der Mannschaft und noch Raum für Entwicklung. Bisher kann man sehr zufrieden sein.

Jetzt stehen Sie vor Ihrer Premiere als TV-Experte bei Canal+. Kann dieses Metier auch etwas Langfristiges für Sie werden? Und wie beurteilen Sie die Chancen für Rapid auf den neuerlichen Aufstieg in die K.-o.-Phase?

Ich bin da komplett entspannt. Wenn mich etwas interessiert und ich mir vorstellen kann, dass mir das Spaß macht, dann sage ich gerne zu. Ich probiere das einfach aus, bin schon sehr gespannt auf das Feedback und wenn es passt, dann kann ich mir das schon auch öfters vorstellen. Die Chance auf die K.-o.-Runde ist für Rapid voll da. Die Gegner sind zwar keine Kracher, aber gute Teams. Man kann jedes Spiel gewinnen, aber auch verlieren. Von der Qualität der Mannschaft her ist alles drin. Den neuen Modus mit der Ligaphase finde ich lässig, das hat letzte Saison sehr viel Spaß gemacht. Viele verschiedene Gegner und Stadien, was besseres gibt es auch als Spieler nicht.

Verschiedene Perspektiven auf den Fußball haben Sie nach Ihrer Zeit als Spieler nun ja auch durch Ihre neuen Aufgaben ...

Ja genau, alles sehr spannend. Das habe ich jetzt schon gemerkt in der ersten Zeit mit der U 19 beim ÖFB. Ich war zwar sehr lange Profispieler, aber Trainer ist dann wieder ganz etwas anderes. Ich bin da ein Lernender, will möglichst viele Erfahrungen sammeln, Informationen mitnehmen, viel mit den erfahreneren Trainern kommunizieren und alles aufsaugen. Auch über die neue Aufgabe bei Rapid freue ich mich riesig, das tägliche Arbeiten mit den Jungs macht Spaß.

Was unterscheidet die jungen Spieler von heute von Ihrer Generation?

Sie hinterfragen alles viel mehr als wir damals, weil sie heute viel mehr Analyse und Daten zur Verfügung haben. Alles ist viel professioneller - begonnen beim Essen bis zu den GPS-Laufdaten - das hat es früher alles nicht gegeben. Die heutige Jugend hinterfragt sich auch selbst viel mehr, ist sehr interessiert, wie man sich verbessern kann. Trotzdem muss man eine gute Mischung finden. Locker zu bleiben, ist auch wichtig. Und Fußball ist keine Wissenschaft. Damit bin ich immer gut gefahren, mir nicht ständig den Kopf zu zerbrechen. Gerade als Stürmer, wenn man ein, zwei Spiele nicht trifft. Da darf man nicht verkrampfen, muss auf die nächste Chance warten und widerstandsfähig sein.